Wirtschaft

IHK warnt: Niedrigwasser wird richtig teuer

Rhein auf Rekord-Tief: Warum die IHK jetzt vor Milliardenschäden warnt – und welche drastischen Schritte sie fordert.

13.09.2026, 06:30 Uhr

Das anhaltende Niedrigwasser im Rhein setzt die Wirtschaft zunehmend unter Druck und könnte in diesem Jahr hohe gesamtwirtschaftliche Schäden verursachen. Nicole Rabold, verkehrspolitische Sprecherin der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz, sprach von einer "wirklich kritischen Situation".

Fällt der Pegel am rheinland-pfälzischen Messpunkt Kaub unter 40 Zentimeter, ist wirtschaftlich sinnvoller Gütertransport per Binnenschiff nach ihren Angaben kaum noch möglich. Besonders der Mittelrhein zwischen St. Goar und Mainz gilt als entscheidender Engpass auf Deutschlands bedeutendster Wasserstraße.

Wichtig ist dabei: Der Pegelstand beschreibt nur die Wasserhöhe im Verhältnis zu einem festgelegten Messpunkt und nicht die tatsächliche Tiefe des Flusses. Für die Schifffahrt zählt vor allem die Tiefe der Fahrrinne, also jenes Bereichs, in dem Schiffe unter normalen Bedingungen sicher verkehren können. Diese Werte unterscheiden sich je nach Rheinabschnitt.

Historisch niedrige Werte

Zwar hatte sich der Pegel in Kaub nach Regen zuletzt kurzzeitig etwas erholt, in den vergangenen Tagen fiel er jedoch erneut unter den bisherigen Rekordtiefstand von 25 Zentimetern aus dem Jahr 2018. Bereits im Sommer hatte der Wert dort nur noch im einstelligen Bereich gelegen.

Die Folgen für die Frachtschifffahrt sind erheblich: Viele Güterschiffe können entweder gar nicht mehr oder nur mit stark verringerter Ladung fahren. Das verteuert die Transporte deutlich, wie auch eine Sprecherin der IHK Rheinhessen erklärte.

Nicht nur Kaub ist betroffen. Auch in Köln lag der Pegel zuletzt wieder unter dem bisherigen Tiefstwert von 69 Zentimetern aus dem Jahr 2018.

Lehren aus 2018

Wie groß der wirtschaftliche Schaden in diesem Jahr am Ende sein wird, ist laut Rabold noch nicht absehbar. Im Niedrigwasserjahr 2018 hatte er sich auf rund 2,4 Milliarden Euro summiert. Seitdem wurde jedoch investiert und die Logistik verbessert, etwa durch spezielle Niedrigwasserschiffe. Zudem könnten präzisere Wasserstandsprognosen helfen, Transporte besser zu organisieren.

Ob die Belastungen das Niveau von 2018 übertreffen werden, lasse sich derzeit noch nicht sagen. Schon jetzt sei aber klar, dass die Schäden "immens" ausfallen dürften. Angesichts des Klimawandels müsse außerdem damit gerechnet werden, dass Jahre mit extrem niedrigem Wasserstand häufiger werden.

Eine einzelne Lösung werde das Problem nicht beseitigen, sagte Rabold. Helfen könnte aus ihrer Sicht unter anderem eine Vertiefung des Rheins. Darüber hinaus müsse der Bund deutlich stärker in die Wasserstraßen investieren.

Auch Verbraucher könnten die Folgen noch länger spüren, etwa bei den Spritpreisen. Rabold rechnet damit, dass sich die Lage erst bis Oktober wieder normalisieren könnte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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