Bayern baut fast 20.000 Unterkunftsplätze für Geflüchtete ab
Nach dem deutlichen Rückgang der Flüchtlingszahlen, insbesondere aus Syrien, hat Bayern nahezu 20.000 Plätze in Unterkünften gestrichen. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) teilte in München mit, dass alle sieben Regierungsbezirke betroffen sind.
Seit Sommer 2025 wurden in Oberbayern etwa 4.250 Plätze abgebaut, in Niederbayern rund 1.240, in der Oberpfalz circa 2.580, in Oberfranken etwa 2.820, in Mittelfranken rund 3.280, in Unterfranken etwa 2.560 und in Schwaben ungefähr 3.070 Plätze.
Bis Ende 2027 sollen nach Angaben Herrmanns bayernweit weitere mehr als 22.000 Asylplätze wegfallen. Der Minister sprach von einer spürbaren Entlastung und wertete dies als Beleg dafür, dass die Migrationspolitik Wirkung zeige.
Rückgang vor allem wegen veränderter Lage in Syrien
Fachleute sehen die Hauptursache für sinkende Asylzahlen jedoch weniger in politischen Maßnahmen in Deutschland als vielmehr in der Entwicklung in Syrien. Nach dem Sturz des früheren Machthabers Baschar al-Assad hat sich die Lage dort grundlegend verändert. In der Folge ging die Zahl syrischer Erstanträge in Deutschland nahezu auf ein Zehntel zurück.
Nach Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge reisen inzwischen deutlich mehr Asylsuchende aus Afghanistan nach Deutschland ein als aus Syrien. Demnach stellen Menschen aus Afghanistan derzeit etwa viermal so viele Asylgesuche wie Syrer. Zudem wird syrischen Staatsangehörigen, die bereits in Deutschland leben, inzwischen häufiger der Schutzstatus entzogen. Syrien, lange Zeit wichtigstes Herkunftsland, liegt inzwischen nur noch auf Rang zwei.
Asylanträge deutlich gesunken
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland insgesamt rund 40.000 Asylanträge gestellt. Im Jahr 2024, also noch vor dem Umbruch in Syrien Ende jenes Jahres, lag diese Zahl etwa dreimal so hoch. Allein aus Syrien kamen damals mehr als 37.000 Antragsteller.
Kritik vom Flüchtlingsrat
Der Bayerische Flüchtlingsrat hält die Schließung vieler Unterkünfte für verfrüht. Sprecher Stephan Dünnwald warnte, das Innenministerium schaffe damit die Voraussetzungen für eine neue Unterbringungskrise. Sollte die Zahl der Ankommenden wieder steigen, drohe erneut ein Mangel an Plätzen. Außerdem fehle aus seiner Sicht ein Konzept, wie Geflüchtete schneller aus Sammelunterkünften in private Wohnungen wechseln könnten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber