IEA will Ölreserven schneller auf den Markt bringen
Angesichts der weiterhin hohen Kraftstoffpreise will die Internationale Energieagentur (IEA) die bereits beschlossene Freigabe strategischer Ölreserven beschleunigen. Nach einer Sitzung des Verwaltungsrats in Paris teilte die Organisation mit, dass wegen der angespannten Versorgungslage vor allem Diesel bevorzugt auf den Markt kommen soll. Ziel ist es, Verbraucher zu entlasten und die Lage an den Märkten zu stabilisieren.
Dabei geht es nicht um eine neue Freigabe von Reserven. Hintergrund ist weiterhin die bereits im März als Reaktion auf den Iran-Krieg beschlossene Abgabe von insgesamt 400 Millionen Barrel Rohöl aus Notreserven. Nach Angaben der IEA sind davon bislang erst rund 330 Millionen Barrel tatsächlich geflossen. Einige der 32 Mitgliedsländer hätten dabei sogar mehr geliefert als ursprünglich zugesagt.
Die noch ausstehenden Mengen aus den damaligen Zusagen sollen nun so schnell wie möglich vollständig freigegeben werden. Dadurch würden rund 100 Millionen Barrel zusätzlich auf den Markt kommen, darunter etwa 20 Millionen Barrel Diesel.
Diese Größenordnung entspricht der Forderung der G7-Staaten. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die USA, Japan und Kanada hatten Anfang Oktober verlangt, dass über einen Zeitraum von vier Monaten 100 Millionen Barrel Rohöl tatsächlich verfügbar gemacht werden. Mit der Maßnahme sollen Versorgungslage und Marktgeschehen stabilisiert und die Preise an den Tankstellen gesenkt werden. Nach Einschätzung Frankreichs könnte Diesel dadurch um 12 bis 18 Cent je Liter günstiger werden. Frankreich selbst will sich mit zehn Millionen Barrel Dieselreserven beteiligen, die innerhalb von drei Monaten auf den Markt gebracht werden sollen.
Zusätzlichen Druck auf die Debatte hatte zuletzt die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump gemacht, einen Exportstopp für Diesel prüfen zu lassen. Auch US-Finanzminister Scott Bessent hatte Europa aufgefordert, unverzüglich zusätzliche Liefermengen bereitzustellen. Die G7 reagierten darauf mit ihrer Forderung nach einer beschleunigten Freigabe; damit war die US-Drohung eines Exportstopps zunächst vom Tisch.
Die IEA warnt zugleich vor einer anhaltend knappen Dieselversorgung bis weit ins Jahr 2027 hinein. Kriegsbedingte Lieferausfälle im Nahen Osten sowie sinkende Exporte aus Russland und Teilen Asiens seien zuletzt auch durch höhere Ausfuhren aus den USA und China nicht ausgeglichen worden. Weil sich zudem die Spannungen auf dem Rohöl-Frachtmarkt ausgeweitet hätten, könnten die Preise für gelieferten Diesel in wichtigen Importregionen wie Europa, Afrika und Lateinamerika in den kommenden Wochen erneut steigen.
Auch eine jüngst angekündigte Lockerung russischer Exportbeschränkungen für Diesel dürfte nach Einschätzung der IEA das Gleichgewicht am Weltmarkt kaum wesentlich verändern. Grund dafür sei, dass die russischen Einschränkungen vor allem auf fehlende einsatzbereite Raffinerie-Kapazitäten nach Drohnenangriffen aus der Ukraine zurückzuführen seien.
Zugleich verweist die Energieagentur darauf, dass ihre Mitgliedsländer weiterhin über erhebliche Notreserven verfügen: insgesamt rund 1,1 Milliarden Barrel, darunter mehr als 200 Millionen Barrel Diesel. Bei Bedarf sei die IEA bereit, auch weitere Mengen dieser Reserven auf den Markt zu bringen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber