Die Supermarktketten Rewe, Edeka und Tante Enso übernehmen zusammen 252 Standorte der Handelskette Tegut. Für 36 weitere Filialen ist die Zukunft dagegen weiterhin offen. Wie die bisherige Eigentümerin, die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich, auf Anfrage mitteilte, wurden diese Märkte bislang noch nicht verkauft.
Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin sollen die noch offenen Standorte in einem weiteren, bereits laufenden Bieterverfahren vergeben werden. Bis zur Übernahme bleiben die betroffenen Läden unverändert geöffnet. Zu möglichen Interessenten machte Migros keine Angaben. Auch Fragen dazu, wann das Verfahren abgeschlossen sein soll und ob einzelne Filialen später geschlossen werden müssen, blieben zunächst unbeantwortet.
Kritik an hoher Marktkonzentration
Das Bundeskartellamt hat in dieser Woche den Erwerb von 38 Tegut-Filialen durch Rewe genehmigt. Wie schon zuvor beim Edeka-Verbund, der 178 Filialen übernimmt, gilt die Freigabe nur unter Auflagen. Wegen wettbewerblicher Bedenken dürfen beide Handelsunternehmen weniger Märkte kaufen als ursprünglich geplant. Ein drittes Paket mit 36 Standorten geht an die Smart-Store-Kette Tante Enso.
Die Übernahmen werden von Fachleuten teils kritisch gesehen. Die Monopolkommission warnt vor der hohen Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel und sieht mögliche Nachteile für Verbraucherinnen und Verbraucher. Nach Einschätzung des unabhängigen Beratungsgremiums entfallen bereits heute mehr als 90 Prozent der Umsätze in diesem Markt auf die vier größten Handelskonzerne in Deutschland.
Edeka gibt 35 „Teo“-Märkte weiter
Zum Edeka-Paket gehören neben den Filialen auch das Tegut-Logistikzentrum in Hünfeld-Michelsrombach, die Bäckerei Herzberger sowie 41 personallose „Teo“-Minimärkte. Edeka wird jedoch nicht alle dieser Standorte selbst weiterführen: 35 „Teo“-Märkte übernimmt die Yobsti Nahversorgung GmbH aus Mannheim, ein Betreiber von Smartstores. Edeka soll diese Standorte künftig beliefern.
Migros Zürich hatte bereits im März angekündigt, sich von Tegut trennen zu wollen. Die Marke Tegut soll aufgegeben werden. Das Unternehmen wurde 1947 in Fulda gegründet und gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe. Tegut ist in sechs Bundesländern vertreten, mit einem Schwerpunkt in Hessen. Nach Angaben von Migros beschäftigt die Kette knapp 7.500 Menschen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber