Lufthansa erwartet rasche Effekte durch Einstieg bei TAP
Die Lufthansa rechnet nach dem Einstieg bei der portugiesischen Fluggesellschaft TAP mit zügigen finanziellen Vorteilen. Konzernchef Carsten Spohr und Finanzvorstand Till Streichert erklärten in einer Analystenkonferenz, dass sich die jährlichen Synergien auf bis zu 450 Millionen Euro summieren könnten. Dieser Effekt soll bereits im ersten vollständigen Jahr nach dem Einstieg erreichbar sein – also noch bevor die Lufthansa eine Mehrheitsbeteiligung an TAP hält. Zudem soll der Konzern schon als Minderheitsaktionär die operative Leitung übernehmen und bei der Besetzung der Unternehmensspitze maßgeblich mitentscheiden.
Am Mittwoch hatte die portugiesische Regierung der Lufthansa den Zuschlag für einen Anteil an der Staatsairline erteilt. Damit setzte sich das Unternehmen gegen den Rivalen Air France-KLM durch. Die französisch-niederländische Gruppe hatte zuvor bereits bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS den Vorzug für eine Mehrheitsübernahme erhalten.
Nach den Plänen soll die Lufthansa zunächst knapp 45 Prozent an TAP für etwas mehr als eine Milliarde Euro erwerben. Weitere bis zu 5 Prozent sind vorerst für die Beschäftigten von TAP vorgesehen, könnten aber ebenfalls an die Lufthansa gehen. In diesem Fall würde der Kaufpreis auf rund 1,2 Milliarden Euro steigen. Der portugiesische Staat behält zunächst die Mehrheit von gut 50 Prozent. Positiv wertete die Lufthansa allerdings, dass die Regierung bereits den Weg zu einer vollständigen Privatisierung von TAP angekündigt hat.
Aus Sicht der Lufthansa ist TAP vor allem wegen ihres starken Streckennetzes nach Lateinamerika attraktiv. Gemeinsam würde der Marktanteil auf Verbindungen zwischen Europa und Lateinamerika bei rund 20 Prozent liegen, sagte Spohr. Damit würde die Lufthansa zur IAG, der Muttergesellschaft von British Airways, aufschließen, die über ihre spanische Tochter Iberia auf diesen Strecken besonders stark ist.
Zuletzt hatte die Lufthansa bereits 41 Prozent an der italienischen Fluggesellschaft ITA übernommen und Optionen ausgeübt, um den Anteil im kommenden Jahr auf 90 Prozent auszubauen. Zum Konzern gehören außerdem die früheren Staatsfluglinien Swiss, Austrian und Brussels Airlines. Hinzu kommen die Direktflugtochter Eurowings sowie die Ferienfluggesellschaften Discover und Edelweiss.
TAP hatte zuletzt vier Jahre in Folge Gewinne erzielt. Spohr betonte, dass der Kauf einer profitablen Airline in der Übernahmegeschichte der Lufthansa eher die Ausnahme sei.
Im ersten Halbjahr 2026 schrieb TAP jedoch einen Nettoverlust von 99,2 Millionen Euro. Ausschlaggebend waren unter anderem höhere Treibstoffkosten. Gleichzeitig beförderte die Airline mit 8,2 Millionen Passagieren rund 4,2 Prozent mehr Fluggäste als im Vorjahreszeitraum.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber