Studie: Frauenanteil in den Chefetagen großer deutscher Unternehmen tritt auf der Stelle
Frauen kommen in den Führungsgremien großer börsennotierter Unternehmen in Deutschland einer aktuellen Untersuchung zufolge kaum noch voran. Nach Einschätzung der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) ist der über Jahre beobachtete Zuwachs bei weiblichen Führungskräften in der Privatwirtschaft inzwischen weitgehend zum Stillstand gekommen. Von einer gleichmäßigen Besetzung von Aufsichtsrat und Vorstand seien die meisten der 183 untersuchten Unternehmen weiterhin deutlich entfernt.
Fidar analysiert regelmäßig die Verteilung von Spitzenposten in öffentlichen Unternehmen und in der Wirtschaft. Die jüngste Auswertung zeigt, dass der Frauenanteil in den Aufsichtsräten bei 37 Prozent stagniert (Stand: Mai 2026).
In den Vorständen ist der Anteil von Frauen im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht gesunken: von 19,9 Prozent auf 19,1 Prozent. Berücksichtigt wurden dabei 160 Unternehmen aus Dax, MDax und SDax sowie 23 weitere börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Firmen.
Besonders Nachholbedarf bei Firmen ohne feste Vorgaben
Für Aufsichtsräte großer Konzerne gilt bereits seit 2016 eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent. Seit dem Sommer 2022 müssen zudem börsennotierte Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten in Vorständen mit mehr als drei Mitgliedern mindestens eine Frau und einen Mann vertreten haben.
Nach Angaben von Fidar öffnet sich die Lücke zwischen Unternehmen, die an feste Quoten gebunden sind, und solchen ohne verbindliche Regeln jedoch immer weiter. Fidar-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow sieht darin ein deutliches Zeichen, dass freiwillige Maßnahmen vielerorts nicht ausreichen.
Forderung nach strengeren Quoten
Fidar spricht sich deshalb für eine Ausweitung der gesetzlichen Regelungen aus. Präsidentin Anja Seng fordert, die Quote in Aufsichtsräten auf 40 Prozent anzuheben und sie auf alle börsennotierten oder mitbestimmten Unternehmen zu erstrecken.
Auch für Vorstände plädiert der Verein für eine verbindliche Frauenquote. Dass die Zahl der Unternehmen wieder zunehme, die keine Frau im Vorstand vorsehen, sei ein Warnsignal.
Unterstützung kommt von Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU). Sie betont, dass die Wirtschaft auf weibliche Talente auf allen Ebenen angewiesen sei. Ein höherer Frauenanteil in Führungspositionen fördere nicht nur die Chancengleichheit, sondern stärke auch den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber