Nach dem schweren Erdbeben im Südwesten Japans ist die Zahl der bestätigten Todesopfer weiter gestiegen. In der besonders betroffenen Präfektur Kumamoto auf der südwestlichen Hauptinsel Kyushu wurden nach Angaben der Behörden inzwischen 14 Tote bestätigt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am späten Abend (Ortszeit) berichtete. Es wird befürchtet, dass die Zahl noch weiter steigen könnte.
Ministerpräsidentin Sanae Takaichi sagte Reportern: „Es gibt noch Menschen, die auf ihre Rettung warten, es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.“ Man werde alle verfügbaren Kräfte mobilisieren, um so viele Menschen wie möglich zu retten. Die Rettungstrupps suchen mit Unterstützung der Selbstverteidigungskräfte weiter fieberhaft nach Vermissten. Am späten Abend wurde die Region zudem erneut von Nachbeben erschüttert.
Das Erdbeben der Stärke 7,1 hatte sich am Dienstagnachmittag Ortszeit ereignet. In der betroffenen Region wurden Straßen und Gebäude teils schwer beschädigt. Örtlichen Medien zufolge erlitten Dutzende Menschen Verletzungen. Rund 8.800 Menschen mussten laut Kyodo bereits die zweite Nacht in Folge in Notunterkünften verbringen.
Tote und Vermisste nach Explosion in Einkaufszentrum
Zusätzlich zu den Erdbebenschäden kam es in einem Einkaufszentrum infolge des Bebens zu einer verheerenden Explosion. Dabei kamen mindestens drei Menschen ums Leben. Bei einer weiteren Person wurde laut Kyodo „Herz- und Atemstillstand“ festgestellt – eine in Japan übliche Formulierung, bevor ein Arzt den Tod offiziell bestätigt.
Nach Angaben des Fernsehsenders NHK wurden in dem schwer beschädigten Gebäude weiterhin mehrere Menschen vermutet. Polizei und Feuerwehr wollten die Suche auch in der zweiten Nacht in Folge fortsetzen.
Explosion wohl durch Gasleck ausgelöst
Als Ursache der Explosion wird ein Gasleck vermutet. Fernsehaufnahmen zeigten den Moment der heftigen Detonation, bei der Decken und Wände einstürzten und das Stahlgerüst des Gebäudes freigelegt wurde. Nach Angaben des Betreibers waren Beschäftigte und Kunden wegen des Bebens bereits aus dem Einkaufszentrum evakuiert worden.
Auch in einer Papierfabrik stürzte ein Schornstein ein. Dort kamen laut NHK mindestens fünf Menschen ums Leben. Vier weitere Personen galten zunächst noch als vermisst.
Die nationale Wetterbehörde warnte unterdessen, dass es auch in den kommenden Tagen in der Region zu weiteren starken Erschütterungen kommen könnte.
Kumamoto war bereits vor rund zehn Jahren von einem schweren Beben betroffen. Damals erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,3 die Region, wobei Dutzende Menschen starben und Zehntausende zeitweise in Notunterkünften untergebracht werden mussten. Zudem entstanden schwere Schäden an zahlreichen Gebäuden, darunter an der berühmten Burg von Kumamoto. Beim erneuten Beben am Dienstag wurde nun auch deren Steinmauer beschädigt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber