Wirtschaft

Nächster Kassen-Schock? Trinkgeldabfragen im Modehandel

Bald Trinkgeld beim Shoppen? Was in Restaurants längst üblich ist, könnte laut Branchenverband auch im Modehandel kommen.

29.07.2026, 04:00 Uhr

In der Gastronomie gehören digitale Hinweise auf Trinkgeld bei Kartenzahlungen längst zum Alltag. Nach Ansicht von Rolf Pangels, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Textil, Schuhe und Lederwaren, könnte dieses Modell künftig auch im Modeeinzelhandel häufiger auftauchen. Wer Kunden freundlich begegnet und sie kompetent berät, solle dafür aus seiner Sicht auch Anerkennung erhalten. Beschäftigte suchten passende Größen im Lager heraus, präsentierten andere Varianten und gäben Tipps zur Pflege der Ware.

Pangels hält eine stärkere Verbreitung solcher Abfragen durch moderne Bezahlterminals und den höheren Stellenwert persönlicher Beratung für denkbar. Außerdem könne ein solches System helfen, Mitarbeiter stärker an Unternehmen zu binden. Bisher handele es sich allerdings nur um vereinzelte Beispiele. Nach seinen Angaben testen einige Firmen – auch aus der Bekleidungsbranche – das Thema derzeit, um grundsätzliches Kundenfeedback zu erhalten und zugleich das Verkaufspersonal dafür zu sensibilisieren. Konkrete Unternehmensnamen nannte er nicht.

Erste Händler haben entsprechende Funktionen bereits eingeführt. So erscheinen in Filialen der Schuhketten Aktiv Schuh und Shoe City seit Kurzem bei Kartenzahlungen Vorschläge für ein Trinkgeld.

Für viele Kunden keine Option

Bei Verbraucherinnen und Verbrauchern stößt die Idee bislang eher auf Zurückhaltung. Einer repräsentativen YouGov-Umfrage zufolge wären lediglich 27 Prozent bereit, zum Beispiel für eine gute Beratung im Mode-, Schuh- oder sonstigen Einzelhandel Trinkgeld zu geben. Rund zwei Drittel können sich das nicht vorstellen. Für die Erhebung wurden im Juli mehr als 2.000 Personen befragt.

Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) beobachtet bisher höchstens einzelne Fälle. Ob daraus tatsächlich ein breiter Trend im Einzelhandel entsteht, sei derzeit noch offen, erklärte Zahlungsexperte Ulrich Binnebößel. Nach aktuellem Kenntnisstand planten große Handelsketten momentan keine flächendeckende Einführung solcher Trinkgeldabfragen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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