Wirtschaft

Flug-Schock: Preise rauf, Airlines kürzen jetzt

Urlaubsflüge schocken mit neuen Preisen – selbst Billigairlines kassieren kräftig. Was hinter dem Ryanair-Kurs steckt.

13.07.2026, 14:18 Uhr

Flugtickets im Sommer erneut deutlich teurer

Fliegen bleibt für Reisende in Deutschland auch in diesem Sommer kostspielig. Das gilt nicht nur für klassische Airlines, sondern ebenso für sogenannte Billigfluggesellschaften. Das zeigt eine regelmäßige Untersuchung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

Als Gründe gelten vor allem das weiterhin begrenzte Angebot an Flügen sowie vergleichsweise hohe Steuern und Gebühren an deutschen Flughäfen. Von früher häufig beworbenen Einstiegspreisen von 9,90 oder 19,90 Euro sind die großen Anbieter im Alltag längst entfernt. Für ein einfaches Ticket ohne Aufgabegepäck verlangten die vier größten Direktflug-Airlines im Schnitt zwischen 81 Euro bei Wizz Air und 141 Euro bei Eurowings. Ryanair kam auf durchschnittlich 89,73 Euro, Easyjet auf 107,32 Euro. Im Vorjahr hatte die Preisspanne in der Stichprobe noch zwischen 67 und 130 Euro gelegen.

Oft ist nur das Basisticket enthalten

Zu diesen Preisen bekommen Passagiere in der Regel lediglich den Flug und die Mitnahme einer kleinen Tasche. Für längere Reisen reicht das meist kaum aus. Wer zusätzliches Gepäck, einen bestimmten Sitzplatz oder Verpflegung möchte, muss extra zahlen. Gerade diese Zusatzleistungen sorgen bei den Airlines für erhebliche Nebeneinnahmen. Ein Vorstoß im EU-Parlament, einen weiteren Kabinenkoffer in den günstigsten Ticketpreis einzubeziehen, scheiterte zuletzt.

Das Statistische Bundesamt hatte bereits für das erste Halbjahr einen durchschnittlichen Preisanstieg von 8,5 Prozent gemeldet. Besonders gefragt waren Europaflüge, für die Reisende sogar 11,5 Prozent mehr bezahlen mussten als ein Jahr zuvor.

Hauptstadtflughafen BER
Easyjet bietet noch viele Direktflüge ab Berlin an. Quelle: Fabian Sommer/dpa

Kaum Hoffnung auf sinkende Preise

Auch mittelfristig ist keine Entspannung in Sicht. Neben internationalen Krisen belastet vor allem das knappe Angebot an Direktverbindungen den deutschen Markt. Wegen der hohen Kosten stationieren Ryanair und andere Gesellschaften ihre Maschinen lieber in Ländern mit günstigeren Rahmenbedingungen.

Der Lufthansa-Konzern, zu dem auch Eurowings gehört, hat mit dem Ende der Regionaltochter Cityline im Sommer bereits zehntausende Flüge gestrichen. Nach Konzernangaben seien diese Verbindungen nicht rentabel gewesen. Für das kommende Jahr wurden intern weitere Kürzungen in Aussicht gestellt. Besonders das Drehkreuz Frankfurt spürt die Entwicklung bereits in Form sinkender Passagierzahlen.

Deutschland hinkt beim Angebot hinterher

Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) erreichen Low-Cost-Airlines in Deutschland 2025 nur noch 82 Prozent des Angebots von vor der Corona-Pandemie. Im übrigen Europa ist dagegen ein Plus von mehr als 30 Prozent zu verzeichnen. Vor allem Ryanair baut seine Flotte mit neuen Boeing-Jets kontinuierlich aus und setzt diese lieber außerhalb Deutschlands ein.

Auch die zuletzt beschlossene Senkung der Luftverkehrsteuer ändert daran nur wenig. Zwar werden für viele Flüge nun 2,50 Euro weniger fällig, doch die verbleibende Steuer sowie weitere Abgaben für Flugsicherung, Sicherheitskontrollen und andere Leistungen halten die Startkosten in Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin sehr hoch.

Ryanair zieht sich in Berlin weiter zurück

Ryanair hält trotz der geringeren Steuer an seinen Kürzungsplänen fest. Die Airline will die verbliebenen sieben Maschinen aus Berlin an andere Standorte verlagern. Damit dürfte die Hauptstadt ab Herbst deutlich seltener von den Iren angeflogen werden.

Ryanair-Chef Eddie Wilson kritisierte die deutschen Standortkosten scharf. Während andere Länder in Europa ihre Luftverkehrsteuer abgeschafft und den Zugang zu Flughäfen verbilligt hätten, werde Deutschland für weiteres Wachstum immer unattraktiver. Die geplante Schließung der Berliner Basis zum Winterflugplan 2026 und die zahlreichen Streichungen bei Lufthansa seien direkte Folgen dieser Politik.

Unsicherheit auch bei Easyjet

Zusätzliche Risiken drohen dem deutschen Markt durch die ungewisse Zukunft von Easyjet. Um die Airline ist ein Übernahmekampf zwischen den US-Investmentgesellschaften Castlelake und Apollo entbrannt. Noch ist offen, wer den Zuschlag erhält und wie es danach mit dem Unternehmen weitergeht.

Easyjet verfügt über 210 Flugzeuge und Vermögenswerte, die möglicherweise deutlich mehr wert sind als die aktuelle Börsenbewertung. Sollte es zu einer Zerschlagung kommen, könnte das weniger Flüge in Europa und noch höhere Preise im verbleibenden Angebot zur Folge haben.

Früh buchen spart meist Geld

Für die DLR-Studie wurden am 14. April 2026 zahlreiche europäische Strecken mit vier verschiedenen Buchungszeiträumen zwischen einem Tag und drei Monaten vor Abflug untersucht. Dabei zeigte sich erneut: Kurzfristige Tickets sind in der Regel am teuersten. Einen Tag vor dem Flug lagen die Durchschnittspreise zwischen 118 Euro bei Wizz Air und 201 Euro bei Eurowings. Bei einer Buchung drei Monate im Voraus reichten die Mittelwerte von 71 Euro bei Ryanair bis 97 Euro bei Wizz Air.

Den höchsten Einzelpreis registrierten die DLR-Forscher bei Eurowings: Für einen Flug von Düsseldorf nach Bilbao am Tag nach der Buchung wurden 494,99 Euro verlangt. Für denselben Flug sechs Tage später lag der Preis nur noch bei 154,99 Euro.

Kurzfristig kann es vereinzelt auch billiger werden

Das Beispiel zeigt, dass Airlines die letzten freien Plätze in fast ausgebuchten Maschinen oft besonders teuer verkaufen. Deshalb lohnt sich frühes Buchen meist. Auf einzelnen Strecken können die Preise jedoch zwischenzeitlich auch wieder sinken, wenn sich aus Sicht der Fluggesellschaft bislang zu wenige Tickets verkauft haben.

Das günstigste Angebot im DLR-Vergleich fanden die Forscher bei Ryanair: Ein Flug von Karlsruhe nach London am folgenden Tag war für 15 Euro zu haben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen