Wirtschaft

Tarif-Schock: Handel stoppt Verhandlungen in vier Ländern

Tarifrunden folgen meist festen Mustern – doch im Einzelhandel sprengen die Arbeitgeber jetzt plötzlich alle Regeln.

13.07.2026, 12:18 Uhr

Tarifrunde im Einzelhandel in mehreren Ländern ausgesetzt

In der diesjährigen Tarifrunde des Einzelhandels haben die Arbeitgeber die Verhandlungen in vier Bundesländern vorerst auf Eis gelegt. Die geplanten Gesprächsrunden in Bayern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie in Berlin-Brandenburg wurden abgesagt, wie der Handelsverband Bayern mitteilte.

Hintergrund ist ein Streit über die Rolle des Verdi-Bundesvorstands. Die Arbeitgeber werfen der Gewerkschaftsspitze vor, eine mögliche Einigung in Baden-Württemberg unterlaufen zu haben. Verdi hatte diesen Vorwurf bereits zuvor zurückgewiesen. In den vergangenen Wochen hatte es bundesweit zahlreiche Warnstreiks gegeben. Der bayerische Verdi-Landesbezirk kündigte inzwischen an, die Arbeitsniederlegungen auszuweiten.

Arbeitgeber sehen derzeit keine Basis für weitere Gespräche

Die bayerische HBE-Tarifgeschäftsführerin Melanie Eykmann kritisierte, dass in anderen Tarifgebieten vor Ort ausgehandelte Kompromisse letztlich am Verdi-Bundesvorstand scheiterten. Unter diesen Voraussetzungen gebe es derzeit keine Grundlage für zielführende Verhandlungen in Bayern, erklärte Verbandssprecher Bernd Ohlmann.

Verdi weist Vorwürfe zurück und spricht von einem „Skandal“

Verdi widersprach der Darstellung der Arbeitgeber deutlich. Eine Sprecherin erklärte in Berlin, es gebe keinen entsprechenden Beschluss des Bundesvorstands. Wie bei den Arbeitgebern würden auch auf Gewerkschaftsseite die Tarifgebiete koordiniert.

Nach Angaben von Verdi reichte der in Baden-Württemberg erreichte Sondierungsstand aus Sicht der Tarifgebiete jedoch einhellig nicht für einen Abschluss aus. Darüber hatte zuvor die Lebensmittelzeitung berichtet.

Der bayerische Verhandlungsführer Thomas Gürlebeck bezeichnete den Verhandlungsstopp als „Skandal“. Zugleich kündigte er an, die Streiks gemeinsam mit den Beschäftigten auszuweiten, um einen aus Sicht der Gewerkschaft angemessenen Tarifabschluss durchzusetzen.

Verdi fordert deutliche Lohnsteigerungen

Verdi verlangt je nach Bundesland und Tarifgebiet Lohnerhöhungen von rund sieben Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber hatten in mehreren Ländern bisher 3,5 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von zwei Jahren angeboten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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