Deutsche Firmenchefs blicken wieder zuversichtlicher nach vorn
Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hat sich spürbar verbessert. Laut einer Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG rechnen 86 Prozent der befragten Manager in Deutschland in den kommenden drei Jahren mit Wachstum für ihr Unternehmen. Das sind 14 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bereits 2023 und 2024 hatte der Anteil der Optimisten mit 80 beziehungsweise 77 Prozent niedriger gelegen.
KPMG spricht von einer aufgehellten Konjunkturerwartung für Deutschland und einem vorsichtigen Optimismus, der in den Führungsetagen zurückkehrt. Für die Erhebung wurden zwischen dem 11. August und dem 21. September weltweit 1.400 Vorstandschefs großer Unternehmen in zwölf Ländern befragt, darunter 125 aus Deutschland.
Bessere Erwartungen für Unternehmen, Branche und Standort
Fast 70 Prozent der deutschen Firmenlenker gehen davon aus, dass ihre Unternehmen in den nächsten drei Jahren ein Gewinnwachstum von mindestens 2,5 Prozent erzielen werden. Im Jahr 2025 hatten das erst 42 Prozent erwartet.
Auch die Einschätzung zur Entwicklung der eigenen Branche und des Wirtschaftsstandorts Deutschland fällt besser aus als noch im Vorjahr. Der Wert für die jeweilige Branche steigt von 71 auf 78 Prozent, ebenso verbessert sich die Bewertung Deutschlands als Standort von 75 auf 78 Prozent.
Zugleich trauen immer mehr Ökonomen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr eine stärkere Entwicklung zu. Zuletzt hob die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 1,3 Prozent an und damit auf mehr als das Doppelte des bisherigen Werts.
Weltwirtschaft wird skeptischer gesehen
Weniger positiv fällt der Blick auf die globale Konjunktur aus. Nur 62 Prozent der befragten deutschen Top-Manager erwarten hier Wachstum, nach 64 Prozent im Vorjahr. In die Untersuchung flossen ausschließlich Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 500 Millionen Dollar ein. Nach Einschätzung von KPMG urteilen deutsche Firmenchefs damit etwas vorsichtiger über das internationale Umfeld als ihre Kollegen in anderen Ländern.
Investitionen in KI und Transformation im Fokus
Nach Angaben von KPMG speist sich der neue Optimismus nicht in erster Linie aus der Hoffnung auf bessere Rahmenbedingungen oder stärkere Impulse aus dem Welthandel. Stattdessen setzen viele Unternehmen auf Investitionen in Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auszubauen und den Wandel im eigenen Haus voranzutreiben.
Für 77 Prozent der Befragten ist KI die wichtigste Investitionspriorität. 94 Prozent rechnen damit, spätestens innerhalb von drei Jahren eine Rendite auf ihre KI-Ausgaben zu erzielen oder haben diese bereits erreicht. Zudem ziehen 90 Prozent der Firmenchefs in den kommenden drei Jahren Unternehmensübernahmen in Betracht.
Regulierung, Geopolitik und schwache Weltwirtschaft als Risiken
Trotz der gestiegenen Zuversicht bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Als größte Gefahren für das künftige Wachstum nennen deutsche Unternehmenschefs vor allem äußere Einflussfaktoren. Dazu zählen eine zunehmende Regulierung mit 30 Prozent, geopolitische Unsicherheiten mit 29 Prozent sowie eine schwache Weltwirtschaft mit 27 Prozent.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber