Wirtschaft

Chinas Wirtschaft überrascht plötzlich wieder

Chinas Wirtschaft übertrifft die Erwartungen – doch hinter dem Exportboom lauert ein Problem, das kaum einer ignorieren kann.

19.10.2026, 04:07 Uhr

Chinas Wirtschaft legt im dritten Quartal etwas stärker zu als erwartet

Chinas Wirtschaft hat im Sommer leicht an Fahrt gewonnen, kämpft im Inland aber weiter mit erheblichen Problemen. Wie das Statistikamt in Peking mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent. Damit fiel das Wachstum etwas höher aus als von Ökonomen erwartet. Im zweiten Quartal hatte das Plus bei 4,3 Prozent gelegen, zum Jahresauftakt noch bei 5,0 Prozent.

Für die ersten neun Monate meldete die Behörde ein Wachstum von 4,6 Prozent. Damit liegt China bisher im Zielkorridor der Regierung, die für das Gesamtjahr ein Plus von 4,5 bis 5 Prozent anstrebt.

Statistikamtssprecher Mao Shengyong zeigte sich zuversichtlich, dass dieses Ziel erreicht werden kann. Die Voraussetzungen dafür seien günstig. Die Schwäche im zweiten Quartal erklärte er unter anderem mit den Folgen der Ölpreisentwicklung im Zusammenhang mit der Lage im Nahen Osten. Für das Schlussquartal erwartet er eine Verbesserung.

Exportboom sorgt für Handelsspannungen

Die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft bleibt jedoch uneinheitlich. Vor allem der Außenhandel zeigt sich robust. Nach Daten der Zollbehörden legten die Exporte in den ersten neun Monaten, in US-Dollar gerechnet, um 21,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Allein im September betrug das Exportplus 36,3 Prozent.

Angetrieben wird das Auslandsgeschäft vor allem von der weltweit starken Nachfrage nach Technologieprodukten, darunter Halbleiter und Elektronik für künstliche Intelligenz (KI).

Insgesamt exportierte China von Januar bis September Waren im Wert von rund 938 Milliarden US-Dollar mehr, als das Land importierte. Das entspricht etwa 834 Milliarden Euro. Dieser hohe Handelsüberschuss verschärft zunehmend die Spannungen mit wichtigen Handelspartnern. Besonders in Europa wächst die Sorge, dass preiswerte Produkte aus China den Druck auf heimische Unternehmen erhöhen.

Auch die Industrie bleibt eine wichtige Stütze der Konjunktur. Im September stieg die Produktion größerer Industriebetriebe im Jahresvergleich um 5,5 Prozent, nach 5,2 Prozent im August.

Schwacher Konsum und Immobilienkrise bremsen

Im Inland bleibt die Lage dagegen angespannt. Zwar legten die Einzelhandelsumsätze im September um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu und damit etwas stärker als erwartet. Dennoch bleibt der Konsum schwach, weil viele Verbraucher sich mit größeren Ausgaben weiter zurückhalten.

Noch deutlicher zeigt sich die Schwäche bei den Investitionen. In Fabriken, Maschinen, Gebäude und Infrastruktur floss insgesamt weniger Geld als im Vorjahr. Die Anlageinvestitionen gingen von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,2 Prozent zurück.

Ein zentraler Belastungsfaktor ist die seit Jahren anhaltende Krise am Immobilienmarkt. Die Investitionen in die Immobilienentwicklung brachen in den ersten neun Monaten um 20,6 Prozent ein. Fallende Wohnungspreise verunsichern viele Haushalte, Bauunternehmen stoßen weniger neue Projekte an, und zugleich geraten viele Städte finanziell unter Druck. Sie verdienen seit der Krise deutlich weniger am Verkauf von Grundstücksrechten. Das dämpft die Nachfrage und erschwert eine breitere Erholung der chinesischen Wirtschaft.

Peking versucht gegenzusteuern

Die Regierung versucht inzwischen mit zusätzlichen Hilfen, die Inlandsnachfrage zu stützen. Seit Oktober gibt es unter bestimmten Voraussetzungen staatliche Zinszuschüsse für neue Kredite zum Kauf einer ersten Wohnung.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumserwartungen für China zuletzt leicht gesenkt. Für dieses Jahr rechnet er mit einem Plus von 4,5 Prozent, für 2027 nur noch mit 4,0 Prozent. Der Fonds warnt vor den Folgen der schwachen Binnennachfrage und drängt auf stärkere Unterstützung des Konsums. Auf Dauer dürfte es für China schwieriger werden, wirtschaftliche Probleme allein durch immer höhere Exporte auszugleichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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