Wirtschaft

Berlin-Gipfel: Warum Merz jetzt Investoren umgarnt

Milliarden-Show in Berlin: So will die Regierung Investoren nach Deutschland locken – und warum jetzt alles auf dem Spiel steht.

19.10.2026, 04:30 Uhr

Investitionsgipfel in Berlin: Bundesregierung wirbt um privates Kapital

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt beim Investitionsgipfel in Berlin auf große Bühne und klare Botschaften: Deutschland will internationale Geldgeber für milliardenschwere Vorhaben gewinnen. Schon zum Auftakt am Montagabend ist in einer früheren Industrieanlage in Berlin-Mitte ein exklusives Rahmenprogramm geplant. Unter dem Motto „Red Carpet for Investments“ soll der Gipfel gezielt als Einladung an Investoren verstanden werden.

Als prominenter Gast wird Nvidia-Chef Jensen Huang erwartet. Die Bundesregierung bereitet zudem eine Zusammenarbeit mit dem US-Konzern vor. Am eigentlichen Konferenztag am Dienstag kommen neben Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) zahlreiche Kabinettsmitglieder mit Spitzenvertretern aus Wirtschaft und Finanzwelt zusammen. Veranstaltungsort ist die Wirtschaftshochschule ESMT im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR. Erwartet werden rund 200 Vorstandschefs aus Deutschland und dem Ausland.

Warum die Regierung auf private Investitionen setzt

Der Bund plant in den kommenden Jahren hohe schuldenfinanzierte Ausgaben, um Infrastruktur zu modernisieren und Unternehmen beim klimafreundlichen Umbau zu unterstützen. Diese öffentlichen Mittel gelten als wichtiger Impuls für die Konjunktur. Für einen dauerhaften wirtschaftlichen Aufschwung reichen sie nach Einschätzung von Fachleuten jedoch nicht aus.

Nach Darstellung aus Regierungskreisen kann Deutschland nicht allein mit Steuergeld modernisiert werden. Deshalb soll deutlich mehr privates Kapital mobilisiert werden. Vor allem Investitionen in Maschinen, Forschung, Entwicklung, moderne Produktionsanlagen und Software sollen Produktivität und Wachstum stärken.

Kanzler Merz
Roter Teppich – dieses Mal für Investoren. (Archivbild) Quelle: Michael Kappeler/dpa

Gipfel soll Investoren anlocken

Mit dem Treffen will die Bundesregierung ein deutliches Signal an internationale Anleger senden. Ziel ist es, nicht nur Interesse zu wecken, sondern auch konkrete Zusagen zu erreichen. Erste Vereinbarungen, etwa mit Nvidia, werden bereits im Umfeld des Gipfels erwartet.

Eine zentrale Rolle spielt dabei Martin Blessing, der frühere Commerzbank-Chef. Merz hatte ihn als persönlichen Beauftragten für Investitionen eingesetzt.

Die Regierung verweist auf mehrere Standortvorteile Deutschlands: solide Staatsfinanzen, ein Triple-A-Rating als einziges G7-Land, rechtliche Stabilität, viele Patente, leistungsfähige Hochschulen, gut ausgebildete Fachkräfte, den europäischen Binnenmarkt sowie die geografische Lage im Zentrum Europas. Laut einer Umfrage der Deutschen Bank gilt Deutschland bei internationalen Führungskräften als besonders attraktiver Investitionsstandort in Europa.

Deutschland hat Aufholbedarf

Gleichzeitig gibt es deutliche Schwächen. Nach Berechnungen von Allianz Research gingen die Gesamtinvestitionen in Deutschland zwischen 2019 und 2025 um 6,4 Prozent zurück. Im restlichen Euroraum legten sie dagegen um 6,7 Prozent zu, in den USA sogar um 20,2 Prozent. Daraus ergibt sich eine erhebliche Investitionslücke.

Als Ursachen für die Zurückhaltung nennen Experten vor allem hohe Energiepreise, eine starke Steuer- und Abgabenbelastung sowie zu viel Bürokratie.

Regierung verspricht weiteren Reformkurs

Aus Sicht der Bundesregierung müssen nun zentrale Reformen vorangebracht werden. Merz dürfte beim Gipfel bekräftigen, dass die Koalition ihren wirtschaftspolitischen Kurs fortsetzen will. Im Fokus stehen Änderungen bei den Sozialsystemen zur Stabilisierung der Ausgaben, mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren etwa für Rechenzentren sowie bessere Bedingungen für junge Unternehmen.

Allerdings sind nicht alle Vorhaben innerhalb der schwarz-roten Koalition unumstritten. Vor allem bei der Rentenreform gibt es Differenzen.

Wo investiert werden soll

Ein Schwerpunkt liegt auf Künstlicher Intelligenz. Deutschland gilt hier international als Nachzügler, verfügt aber im industriellen Bereich über großes Potenzial. Vor allem die starke Industrie und der Mittelstand liefern große Datenmengen, die für KI-Anwendungen genutzt werden können. Die Hoffnung: höhere Produktivität und neue Geschäftsmodelle.

Siemens-Chef Roland Busch hatte industrielle KI bereits als große Chance für den Standort Deutschland bezeichnet.

Auch die geplante Kooperation mit Nvidia zielt darauf ab, Deutschland bei industrieller KI voranzubringen. Der US-Konzern ist mit seinen Chips und Rechenzentrumstechnologien ein Schlüsselfaktor des weltweiten KI-Booms. An dem Vorhaben sollen sich auch deutsche Unternehmen beteiligen.

Darüber hinaus sieht die Bundesregierung Investitionsmöglichkeiten in weiteren Bereichen: beim Ausbau der Stromnetze, in der Verteidigung, bei Halbleitern, in Rechenzentren sowie in der Verkehrsinfrastruktur. So soll die bundeseigene Autobahngesellschaft künftig Kredite aufnehmen dürfen, um Sanierungen sowie Neu- und Ausbau schneller voranzutreiben.

Auch in der Altersvorsorge könnten sich neue Chancen ergeben. Für Investoren interessant sein könnte dabei die geplante sogenannte Kapitalrente.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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