Drei bayerische Fahrradunternehmen melden Insolvenz in Eigenverwaltung an
Trotz anhaltend hoher Nachfrage nach Fahrrädern haben drei bekannte Hersteller aus Bayern Insolvenz angemeldet. Ursache sind die wirtschaftlichen Probleme ihrer niederländischen Muttergesellschaft. Das Amtsgericht Schweinfurt teilte am Montag mit, dass bereits am vergangenen Freitag Eigenverwaltungsverfahren für die deutsche Holding der Accell-Gruppe sowie für die Tochterfirmen Winora Staiger GmbH, Ghost Bikes GmbH und Engelbert Wiener Bike-Parts GmbH angeordnet wurden. Zum vorläufigen Sachwalter wurde der Nürnberger Rechtsanwalt Stefan Debus bestellt.
Bekannte Marken wie Haibike, Winora und Ghost betroffen
Nach Angaben von Accell beschäftigen die betroffenen Gesellschaften an den Standorten Sennfeld bei Schweinfurt und Waldsassen in der Oberpfalz rund 370 Mitarbeiter. Für das Jahr 2025 wird ein Umsatz von 340 Millionen Euro genannt. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst fortgeführt werden, Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld vorerst abgesichert.
Ziel des Verfahrens ist es, einen Investor zu finden und die deutschen Unternehmen aus dem Verbund der niederländischen Gruppe herauszulösen. Besonders Winora blickt auf eine lange Geschichte zurück: Das Unternehmen wurde bereits 1914 vom Radrennfahrer Engelbert Wiener gegründet.
Accell international unter Druck
Accell Germany ist Teil der niederländischen Accell Group, die in vielen europäischen Ländern aktiv ist und bis vor kurzem mehrheitlich dem US-Finanzinvestor KKR gehörte. Die Fahrradgruppe steckt international in Schwierigkeiten und macht dafür vor allem das Abflauen des Fahrrad-Booms verantwortlich, der während der Corona-Pandemie seinen Höhepunkt erreicht hatte.
Insolvenzanträge in zahlreichen Ländern
Ein geordneter Verkaufsprozess für die gesamte Accell Group ist zum Monatswechsel endgültig gescheitert. In der Folge stellte der Konzern weltweit in zahlreichen Ländern innerhalb und außerhalb der Europäischen Union Insolvenzanträge. Betroffen sind unter anderem die Niederlande, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden und Ungarn.
Sanierung unter eigener Regie
Durch die Eigenverwaltung bleibt die bisherige Geschäftsführung handlungsfähig und kann den Sanierungsprozess in Abstimmung mit den Gläubigern selbst steuern. Aus dem Umfeld des vorläufigen Sachwalters heißt es, der deutsche Fahrradmarkt biete grundsätzlich eine solide Grundlage für eine erfolgreiche Sanierung. Zudem seien die betroffenen Marken weiterhin gut im Markt positioniert.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber