Politik

Bundespolizei rüstet gegen Drohnen jetzt massiv auf

Nach dem Drohnen-Alarm von Leipzig wächst der Druck: Jetzt soll die neue Spezial-Einheit der Bundespolizei deutlich wachsen.

10.08.2026, 12:25 Uhr

Nach dem Fund einer mit Sprengstoff versehenen Drohne am Flughafen Leipzig/Halle soll die neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei deutlich stärker wachsen als zunächst vorgesehen. Nach Angaben einer Sprecherin des Bundesinnenministeriums will Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) der Bundespolizei eine entsprechende Weisung erteilen: Die Einheit soll auf 300 Einsatzkräfte anwachsen. Zugleich sind statt bislang vier künftig acht Standorte geplant, damit die Kräfte im Bedarfsfall schneller und flexibler vor Ort sein können. Zuerst hatte die „Bild“ darüber berichtet.

Sicherheitskreise vermuten professionelle Täter

Am späten Dienstagabend vergangener Woche war am Flughafen Leipzig/Halle in der Nähe ukrainischer Transportflugzeuge eine Drohne entdeckt worden, die mit Sprengstoff und Zünder bestückt war. Außerdem kollidierte ein Flugzeug mit einem bislang unbekannten kleineren Flugobjekt – möglicherweise mit einer zweiten Drohne.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der versuchten Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie eines gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Zu möglichen Ermittlungserfolgen oder denkbaren Verbindungen zu früheren Operationen mit Russland-Bezug äußerte sich die Bundesregierung nicht. In Sicherheitskreisen gilt jedoch bereits als sehr wahrscheinlich, dass die Drohne von einem Profi mit technischem Sachverstand umgebaut wurde.

Erinnerung an Brand in Leipziger DHL-Zentrum

Der Vorfall weckt Erinnerungen an einen früheren sicherheitsrelevanten Fall in Leipzig: Im Juli 2024 entzündete sich im DHL-Logistikzentrum ein Luftfrachtpaket. Nach Einschätzung von Sicherheitskreisen war es im Auftrag Russlands platziert worden. Deutschland entging damals wohl nur knapp einem Flugzeugabsturz. Der damalige Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang sagte, es sei letztlich einem Zufall zu verdanken gewesen, dass das Paket nicht während des Fluges Feuer fing.

Einheit besteht erst seit Dezember 2025

Die Spezialeinheit war im Dezember 2025 als Reaktion auf die gewachsene Bedrohung durch unbemannte Luftfahrzeuge in Dienst gestellt worden – insbesondere mit Blick auf Gefahren aus Russland. Ihre Aufgabe ist es, Drohnen aufzuspüren, abzufangen und nötigenfalls auch abzuschießen.

Stationiert sind die Kräfte an Flughäfen, in der Bundeshauptstadt und bundesweit in der Nähe sicherheitsrelevanter Einrichtungen, um möglichst rasch am Einsatzort zu sein.

Ursprünglich nur bis zu 130 Spezialkräfte vorgesehen

Bei der Vorstellung im Dezember hieß es noch, die neue Einheit solle in der Anfangsphase aus rund 60 Bundespolizisten bestehen und anschließend zügig auf 130 Spezialkräfte anwachsen. Zum Einsatz kommen sollen unter anderem KI-gestützte Störsysteme sowie automatische Abfangdrohnen.

Zudem soll die Einheit die Landespolizeien im Rahmen der Amtshilfe unterstützen, wenn dies erforderlich ist und entsprechende Kapazitäten verfügbar sind.

Bundesregierung sieht rechtlich keinen zusätzlichen Handlungsbedarf

Mehrere Politiker hatten zuletzt gesetzliche Änderungen für eine wirksamere Drohnenabwehr gefordert. Die Bundesregierung verweist jedoch auf bereits umgesetzte Anpassungen, etwa im Luftsicherheitsgesetz. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille betonte, die Bundesregierung sehe sich bei der Drohnenabwehr rechtlich gut aufgestellt.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sprach sich mit Blick auf die Bedrohungslage dafür aus, auch Bundeswehreinsätze im Inneren zu ermöglichen. Da sich bei Drohnen oft kaum trennen lasse, ob eine Bedrohung eher außen- oder innenpolitisch motiviert sei, müsse aus seiner Sicht auch über eine Änderung des Grundgesetzes gesprochen werden.

Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner dämpfte diese Erwartungen jedoch. Eine Debatte über Grundgesetzänderungen bringe derzeit wenig, sagte er mit Verweis darauf, dass es aktuell weder im Bundestag noch im Bundesrat eine Mehrheit für eine Verfassungsänderung gebe.

Bund und Länder setzen auf gemeinsames Vorgehen

Anfang des Jahres hat zudem das neue Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern seine Arbeit aufgenommen. Ziel ist unter anderem der Austausch von Expertise sowie ein besser abgestimmtes Vorgehen bei der Abwehr von Drohnen.

Günther mahnte zugleich, die Sicherheitsbehörden müssten mit der bestmöglichen Technik ausgerüstet sein. Bei den aktuellen Fällen zeige sich, wie professionell die Täter vorgingen. Es sei kaum vorstellbar, dass hinter solch aufwendigen Aktionen keine staatliche Infrastruktur stehe. Umso wichtiger sei der enge Schulterschluss zwischen Bund und Ländern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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