Verbraucher im Euroraum rechnen weiter mit hoher Inflation
Die Menschen im Euroraum gehen nach dem starken Anstieg der Ölpreise infolge des Iran-Kriegs von anhaltend hoher Teuerung aus. Nach einer von der Europäischen Zentralbank veröffentlichten Umfrage erwarteten die Verbraucher im April für die kommenden zwölf Monate im Durchschnitt weiterhin eine Inflationsrate von 4,0 Prozent. Vor allem die deutlich gestiegenen Energiepreise machen sich im Alltag bemerkbar, etwa durch höhere Kraftstoffkosten. Zugleich betonte die EZB, dass die Unsicherheit bei den Inflationserwartungen für das nächste Jahr auf hohem Niveau verharrt.
Auch auf mittlere Sicht rechnen die Befragten mit erhöhtem Preisdruck. Für die nächsten drei Jahre erwarten sie im Mittel eine Inflationsrate von 2,9 Prozent. Im März hatte dieser Wert noch bei 3,0 Prozent gelegen. Das Inflationsziel der EZB liegt mittelfristig bei zwei Prozent, da sie auf diesem Niveau Preisstabilität im Euroraum als gewährleistet ansieht. Im April lag die Inflation mit 3,0 Prozent jedoch weiterhin klar darüber.
Damit wächst der Druck auf die Notenbank, geldpolitisch zu handeln. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die EZB bei ihrer Sitzung am 11. Juni erstmals in diesem Jahr die Leitzinsen anheben könnte. Höhere Zinsen verteuern Kredite für private Haushalte und Unternehmen, was die Nachfrage dämpfen und so den Preisauftrieb bremsen kann. Gleichzeitig würden steigende Zinsen die ohnehin schwache Wirtschaft im Euroraum zusätzlich belasten, die bereits unter den Folgen des Konflikts leidet.
Die zugrunde liegende Verbraucherumfrage der EZB, die "Consumer Expectations Survey", wird monatlich online durchgeführt. Daran nehmen rund 19.000 Menschen aus elf Ländern des Euroraums teil, darunter Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Die jüngste Befragung lief vom 2. April bis zum 4. Mai. Die EZB nutzt die Ergebnisse als ergänzende Grundlage für ihre geldpolitischen Bewertungen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion