Wirtschaft

Jetzt trifft es sogar 2G

Seit Kohl-Zeiten funkt 2G durchs Land – jetzt steht der Uralt-Standard vor dem Aus. Was das bald für Handys bedeutet.

01.06.2026, 05:15 Uhr

Der Mobilfunkstandard 2G steht in Deutschland vor dem Aus. O2 Telefónica teilte in München mit, dass das veraltete Netz in der zweiten Hälfte des Jahres 2028 abgeschaltet werden soll. Die Technik war vor mehr als drei Jahrzehnten vor allem für Telefonate und SMS eingeführt worden. Heute dominieren in den Mobilfunknetzen jedoch längst Datendienste, während klassische Gespräche und Kurznachrichten an Bedeutung verlieren.

2G kann nur sehr geringe Datenmengen übertragen. Für einfache Anwendungen reicht das noch aus, für moderne Nutzung aber kaum. O2-Technikvorstand Mallik Rao erklärte, der Standard passe nicht mehr zu den heutigen Anforderungen. Flächendeckende 4G- und 5G-Netze böten deutlich mehr Leistung für Streaming, mobiles Arbeiten und vernetzte Anwendungen. 2G steht für die zweite Mobilfunkgeneration und ist auch unter dem Namen GSM bekannt.

Auch Vodafone und die Deutsche Telekom wollen 2G im Jahr 2028 beenden. Mit der Abschaltung sollen Funkfrequenzen frei werden, die künftig für neuere Mobilfunkstandards eingesetzt werden. Laut Rao sollen die Netze damit gezielt dort verbessert werden, wo Privatkunden und Unternehmen sie täglich nutzen.

Was die Abschaltung für Verbraucher bedeutet

Die Nachfolgetechnologie 3G war bereits 2021 abgeschaltet worden. 2G blieb danach als eine Art Basisversorgung erhalten, damit zumindest Anrufe und SMS auch dort noch möglich waren, wo keine moderneren Netze erreichbar sind. Nach Angaben der Bundesnetzagentur versorgen 2G-Antennen von mindestens einem Anbieter derzeit 99,78 Prozent der Fläche Deutschlands. Zum Vergleich: 4G erreicht bereits 97,79 Prozent, 5G kommt auf 95,29 Prozent.

Vodafone-Messestand
Am Vodafone-Messestand beim Mobile World Congress stand im März eine Handyattrappe, die an ein altes Nokia-Handy erinnerte. Solche Handys droht die Funkstille, wenn 2028 2G abgestellt wird. (Archivbild) Quelle: Wolf von Dewitz/dpa

Bis Ende 2028 dürfte der Ausbau weiter voranschreiten. Daher gilt es als eher unwahrscheinlich, dass Nutzer durch das Ende von 2G massenhaft ohne Empfang dastehen. Ganz ausgeschlossen ist das aber nicht: Gerade in abgelegenen Gegenden könnte es einzelne Orte geben, an denen bisher nur 2G verfügbar ist und moderne Standards noch nicht vollständig nachgezogen haben.

Für die meisten Kunden werde sich nach Einschätzung von O2 kaum etwas ändern. Das Netz bleibe bis zur Abschaltung wie gewohnt nutzbar. Wer allerdings noch ein sehr altes Mobiltelefon aus den frühen 2000er Jahren besitzt, das 4G oder 5G nicht unterstützt, wird auf ein neueres Gerät umsteigen müssen. Rao betonte, die meisten Verbraucher könnten dem Ende von 2G gelassen entgegensehen.

Bedeutung für vernetzte Geräte und Industrie

Eine Rolle spielt 2G weiterhin im Bereich des Internet of Things (IoT). In Logistikzentren oder Industrieanlagen laufen manche Sensoren, Alarmsysteme oder Brandmelder noch über diesen Standard. Allerdings stehen dafür inzwischen modernere und leistungsfähigere Technologien bereit. O2 versteht die frühe Ankündigung deshalb auch als Signal an Unternehmen, ihre Systeme rechtzeitig umzustellen. Wer heute noch 2G in Geräten oder Anlagen einsetze, sollte den Wechsel jetzt anstoßen, so Rao. Ein früher Umstieg senke Ausfallrisiken und schaffe eine verlässliche technische Grundlage für die kommenden Jahre.

Vodafone plant Übergang in zwei Etappen

Vodafone verfolgt beim Ausstieg einen etwas anderen Ansatz. Zwar soll 2G auch dort 2028 für klassische Handynutzer enden, ein Teil des Spektrums soll jedoch noch bis 2030 erhalten bleiben. Damit will das Unternehmen bestimmten Industriekunden ermöglichen, ausgewählte IoT-Anwendungen vorübergehend weiter über 2G zu betreiben. Spätestens 2030 soll dann aber auch dieses Restangebot eingestellt werden.

Vodafone-Technikchef Fabrizio Rocchio erklärte, durch die Abschaltung von 2G werde im sogenannten Low Band mehr Bandbreite für LTE und 5G frei. Dadurch ergebe sich ein Kapazitätszuwachs von rund zehn Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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