Künstliche Intelligenz sollte aus Sicht der Branchenkennerin Thuy-Ngan Trinh von mittelständischen Unternehmen vor allem als Treiber für Wachstum verstanden werden – nicht nur als Werkzeug zum Sparen. Im Vorfeld der Fachkonferenz „Brains on Silicon“ in Dresden sagte die Co-Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens A11, KI werde zwar häufig mit höherer Produktivität verbunden, eröffne aber vor allem deutlich größere Chancen beim Umsatz.
Unternehmen, die neue Technologien allein zur Kostensenkung oder zum Stellenabbau einsetzten, kämen beim Geschäftsvolumen kaum voran. Wer wirklich expandieren wolle, müsse mit dem vorhandenen Team mehr erreichen, betonte Trinh. Wenn Beschäftigte von aufwendigen Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben entlastet würden, bleibe mehr Zeit für den Kontakt mit Kunden und für die Entwicklung neuer Leistungen. Auch neue Produkte ließen sich so wesentlich schneller bis zur Marktreife bringen.
Geschäftsmodell neu denken
Nach Trinhs Einschätzung sollten etablierte Firmen ihr Geschäftsmodell grundsätzlich hinterfragen. Häufig begnügten sich Betriebe mit Zwischenlösungen – etwa durch einzelne Digitalverantwortliche oder ausgelagerte Tochterfirmen. Erfolgversprechender sei es jedoch, das Unternehmen gedanklich komplett neu aufzustellen und Prozesse von Anfang an weitgehend automatisiert zu planen.
Fehlender Mut bremst den Einsatz
Das größte Hindernis für die Verbreitung neuer Technologien in kleinen und mittleren Unternehmen sieht Trinh nicht in der Technik oder in Ängsten der Belegschaft, sondern in der Zurückhaltung der Führung. Entscheidend seien Mut und der Wille, Dinge einfach umzusetzen. Auch der vielerorts beklagte Fachkräftemangel spreche eher für den Einsatz von KI: Gerade Routineaufgaben könnten an intelligente Software übertragen werden.
Zugleich müssten Firmen zum Einstieg nicht auf teure Spitzenmodelle aus dem Ausland setzen. Für viele betriebliche Anwendungen genügten bereits einfachere, frei verfügbare Modelle. Ein weiterer Vorteil: Sensible Unternehmensdaten könnten auf den eigenen Systemen bleiben und müssten nicht außer Haus gegeben werden.
Dresden als Zentrum für Hochtechnologie
Trinh wird am Montag bei der Konferenz „Brains on Silicon“ in Dresden sprechen. Die sächsische Landeshauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren durch Neuansiedlungen und den Ausbau von Halbleiterwerken zu einem wichtigen europäischen Standort der Mikroelektronik entwickelt. Neben ihrer Arbeit als Unternehmerin hat Trinh zudem eine Initiative für den Mittelstand gegründet, die den praktischen Einsatz moderner Technologien in klassischen Branchen voranbringen soll.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber