Das Bundesfinanzministerium knüpft seine Haltung im möglichen Übernahmepoker um die Commerzbank durch die italienische Großbank Unicredit an klare Voraussetzungen. Ein Sprecher des Hauses erklärte vor einem Treffen von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) mit Unicredit-Chef Andrea Orcel, für die Bundesregierung sei die Bedeutung der Commerzbank für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und insbesondere des Mittelstands von großer Wichtigkeit. Zudem spiele das Institut als großer Arbeitgeber eine zentrale Rolle für den Finanzplatz Frankfurt. Diese Funktionen müssten auch künftig gesichert bleiben.
Klingbeil hat Orcel für Montag zu Gesprächen ins Ministerium nach Berlin gebeten. Nach Angaben des Sprechers soll dabei die Position der Bundesregierung erläutert und ein direkter Austausch geführt werden. Parallel dazu liefen die Verhandlungen zwischen Unicredit und Commerzbank weiter, wobei die Entscheidung über das weitere Vorgehen vor allem bei den beiden Banken selbst liege. Auch mit der Commerzbank und dem Betriebsrat steht die Bundesregierung demnach in Kontakt.
Bund hält weiterhin gut 12 Prozent
Unicredit war vor rund zwei Jahren bei der Commerzbank eingestiegen und verfolgt seit Längerem das Ziel einer Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns. Inzwischen hat sich die italienische Bank Zugriff auf nahezu die Hälfte der Anteile gesichert. Der Bund, der die Commerzbank in der Finanzkrise mit Milliarden aus Steuergeldern stabilisiert hatte, besitzt weiterhin etwas mehr als 12 Prozent der Aktien und ist damit der zweitgrößte Anteilseigner. Dadurch hat die Bundesregierung bei einer möglichen Übernahme erheblichen Einfluss.
Bereits Anfang September hatte Unicredit-Chef Orcel auch mit Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) gesprochen. Nach Informationen der dpa dringt die Landesregierung unter anderem darauf, dass sowohl der juristische Sitz als auch der Vorstand der Commerzbank dauerhaft in Frankfurt verbleiben. Außerdem solle das Institut weiterhin als Aktiengesellschaft nach deutschem Recht bestehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber