Die Bereitschaft, mehr zu arbeiten, ist unter vielen Beschäftigten grundsätzlich vorhanden — vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen. Das geht aus einer Appinio-Umfrage im Auftrag der Jobplattform Indeed hervor. Gleichzeitig empfinden viele die politische Diskussion über längere Arbeitszeiten als eher entmutigend.
Mehr als die Hälfte der 1.000 befragten Erwerbstätigen erklärte demnach, grundsätzlich zu Überstunden bereit zu sein. Rund ein Fünftel davon könnte sich sogar vorstellen, dauerhaft mehr zu arbeiten. Zugleich gaben fast drei Viertel an, ohnehin schon mehr zu leisten, als ihr Arbeitsvertrag vorsieht. Wer zusätzliche Arbeit ablehnt, nennt vor allem Gründe wie Privatleben, gesundheitliche Belastung, fehlende finanzielle Vorteile und familiäre Pflichten.
Indeed weist darauf hin, dass die Befragung nicht auf einer zufälligen Stichprobe der Gesamtbevölkerung beruht. Das Verhältnis von Frauen und Männern wurde bewusst jeweils zur Hälfte angesetzt, um Vergleiche zwischen beiden Gruppen zu ermöglichen.
Anreize spielen eine entscheidende Rolle
Nach Einschätzung von Indeed-Expertin Virginia Sondergeld greift es in der Debatte um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu kurz, sich allein auf mehr Arbeitsstunden zu konzentrieren. Viele Beschäftigte seien durchaus leistungsbereit — allerdings nur dann, wenn sich der zusätzliche Einsatz für sie auch auszahle.
Als wichtige Motivation nennen die Befragten vor allem ein höheres Grundgehalt, steuerliche Vergünstigungen, flexiblere Arbeitszeiten und Bonuszahlungen. Im Berufsalltag sehen sich viele jedoch daran gehindert, innerhalb ihrer Arbeitszeit mehr zu schaffen. Als größtes Problem wird akuter Personalmangel genannt. Dahinter folgen überflüssige Bürokratie, schleppende Abläufe, unklare Ziele, schwache Führung, zu viele Meetings und veraltete Technik.
Nicht nur die Stundenzahl zählt
Auch die politische Diskussion über längere Arbeitszeiten stößt laut Umfrage auf gemischte Reaktionen. Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich dadurch eher demotiviert, während etwa ein Drittel angibt, dadurch angespornt zu werden.
Sondergeld betont, dass eine höhere Zahl an Arbeitsstunden nur ein Baustein für mehr Wirtschaftsleistung sei. Ebenso wichtig sei die Produktivität. Diese lasse sich unter anderem durch Investitionen in Infrastruktur, moderne Technologien und Künstliche Intelligenz sowie durch weniger Bürokratie steigern. Im Idealfall würden Beschäftigte dadurch von zeitaufwendigen Routinearbeiten entlastet — was wiederum Motivation und Zufriedenheit im Job erhöhen könne.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber