Wirtschaft

Endlich in Deutschland: Metas KI-Brille mit Display

Trotz Datenschutz-Zoff: Meta bringt seine umstrittene KI-Brille mit Display nach Deutschland – und das dürfte viele überraschen.

24.09.2026, 02:35 Uhr

Meta treibt seine Hardware-Offensive rund um Künstliche Intelligenz und Wearables weiter voran. Auf der Entwicklerkonferenz Meta Connect kündigte Konzernchef Mark Zuckerberg mit „Muse Charm“ ein neues, schlüsselanhängergroßes Gerät für den Zugriff auf Metas KI-Software an. Es soll noch bis Jahresende auf den Markt kommen.

Das Gerät erhält ein kleines Display und soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur außerdem mit Mikrofon, zwei Kameras und 5G-Anbindung ausgestattet sein. Zuckerberg betonte allerdings, dass das Produkt noch nicht ganz fertig sei. Offen ist bislang auch, in welchen Ländern Muse Charm angeboten werden soll.

Mit dem neuen KI-Gerät geht Meta einen Schritt vor Rivalen wie OpenAI, die ebenfalls an spezieller Hardware für die KI-Nutzung jenseits des Smartphones arbeiten. OpenAI hatte dafür den früheren Apple-Designer Jony Ive verpflichtet. Das Projekt geriet zuletzt jedoch zusätzlich unter Druck, weil Apple OpenAI in einer Klage vorwirft, Geschäftsgeheimnisse ehemaliger Mitarbeiter zu nutzen.

Angriff auf Smartphone-Dominanz

Branchenbeobachter Avi Greengart von Techsponential sieht Meta mit dem neuen Gerät vor der Konkurrenz. Ein Smartphone werde auf absehbare Zeit zwar nicht ersetzt, als Ergänzung habe ein solches KI-Gerät aber Chancen. Zugleich bleibt für Meta das Problem des Datenschutz-Misstrauens. Dennoch verkauft der Konzern weiterhin Millionen Geräte, während Milliarden Menschen Dienste wie Instagram, Facebook und WhatsApp nutzen. Den KI-Assistenten Muse für den Alltag hatte Meta erst vor wenigen Wochen in den USA eingeführt.

Das neue Gerät ist zugleich ein weiterer Versuch, sich unabhängiger von Apple und Google zu machen, deren Betriebssysteme den Smartphone-Markt dominieren. Meta versucht seit Jahren, eine eigene Hardware-Plattform für den digitalen Alltag zu etablieren – bislang ohne das Smartphone ernsthaft verdrängen zu können.

Neue kompakte VR-Brille angekündigt

Auch im VR-Bereich legt Meta nach. Für das Frühjahr kündigte der Konzern eine neue, besonders kompakte VR-Brille an. Die Meta VR Glasses sollen nur 100 Gramm wiegen und deutlich dünner sein als bisherige Konkurrenzgeräte. Anders als klassische Headsets orientiert sich die Form an einer normalen Brille, auch wenn sich statt Gläsern Displays vor den Augen befinden.

Gedacht ist das Gerät unter anderem für Spiele, TV-Inhalte, 3D-Sportübertragungen und die Nutzung als PC-Monitor. Damit positioniert Meta das Produkt direkt gegen Apples Vision Pro. In den USA soll die neue Brille 1.299 Dollar kosten. Apples Gerät startet dagegen bei 3.699 Dollar. Bei einer ersten Demonstration wirkte die Bildqualität der Meta-Brille allerdings etwas schwächer als bei der Vision Pro, was an der niedrigeren Display-Auflösung liegen könnte.

KI-Brille mit Display kommt nach Deutschland

Unabhängig davon bringt Meta seine KI-Brille mit Kamera und kleinem Display in einem Brillenglas nun auch nach Deutschland. Das Modell soll ab dem 13. Oktober erhältlich sein und 899 Euro kosten. In den USA war die Brille bereits Ende des vergangenen Jahres gestartet.

Neben dieser Version bietet Meta weiterhin Kamera-Brillen ohne Display an. Auf der Connect stellte das Unternehmen außerdem ein neues Modell ganz ohne Kamera vor. Die Kameras in den Brillen dienen nicht nur zum Aufnehmen von Fotos und Videos. Sie sollen der Meta-KI auch vermitteln, was Nutzer gerade sehen, damit Antworten zur jeweiligen Situation passen.

Ein LED-Lichtsignal zeigt an, wenn die Kamera aktiv ist. Trotzdem stehen solche Brillen wegen möglicher Eingriffe in die Privatsphäre seit Längerem in der Kritik. Berichten zufolge versuchten einige Nutzer, das Licht zu verdecken oder zu entfernen. Andere filmten damit etwa Belästigungen und veröffentlichten die Aufnahmen im Internet. Auch in Europa gibt es Forderungen nach einem Verbot solcher Kamera-Brillen.

Meta will Missbrauch konsequent ahnden

Meta gehe gegen Missbrauch vor, sagte der zuständige Manager Alex Himel der dpa. Das Thema werde sehr ernst genommen. Nach seinen Angaben seien alle Brillen mit manipulierter LED-Anzeige deaktiviert worden.

Zudem durchsuche Meta Plattformen wie Instagram und Facebook gezielt nach Videos, die Belästigungen zeigen. Solche Inhalte würden entfernt, gleichzeitig würden auch die zugehörigen Konten gesperrt. Darüber hinaus wolle der Konzern stärker vermitteln, dass das Licht klar auf eine aktive Kamera hinweist. Aus Sicht von Meta ist diese Anzeige sogar auffälliger als bei vielen anderen Geräten, mit denen Aufnahmen gemacht werden können.

Mehr Datenschutz durch Verschlüsselung

Zuckerberg kündigte außerdem an, dass bestimmte Interaktionen mit den Brillen künftig ende-zu-ende beziehungsweise komplett verschlüsselt verarbeitet werden sollen. In diesen Fällen hätte auch Meta selbst keinen Zugriff auf die Daten.

Laut Himel arbeitete Meta zwei Jahre an der Version ohne Kamera. Sie sei für Situationen gedacht, in denen Audiofunktionen ausreichen. Äußerlich unterscheiden sich die Geräte kaum von gewöhnlichen Brillen.

Vorerst keine allgemeine Gesichtserkennung

Schon im Winter hatte es Berichte gegeben, wonach Meta Gesichtserkennungsfunktionen für die Brillen prüfe. Hinweise darauf im Software-Code verschwanden später wieder. Himel betonte nun, Meta habe „absolut kein Interesse“, eine Datenbank aufzubauen, mit der fremde Personen identifiziert werden könnten, oder eine solche Nutzung auf den Geräten zuzulassen.

Er räumte zugleich ein, dass es denkbare Spezialfälle geben könnte – etwa Hilfen für sehbehinderte Menschen oder Funktionen, die Nutzern helfen, sich an die Namen von Bekannten oder Kollegen zu erinnern. Falls Meta solche Möglichkeiten eines Tages entwickeln sollte, müsse das sehr sorgfältig und verantwortungsvoll geschehen. Derzeit investiere das Unternehmen nach seinen Worten jedoch kaum Zeit oder Energie in solche Konzepte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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