Der Strombedarf von Elektro-Lastwagen in Europa könnte nach einer aktuellen Untersuchung bis 2045 auf mehr als 200 Terawattstunden jährlich anwachsen. Bereits für 2035 rechnen das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) und der International Council on Clean Transportation (ICCT) mit etwa 100 Terawattstunden – allerdings nur unter günstigen politischen Bedingungen für den Hochlauf batterieelektrischer Lkw. In einem weniger vorteilhaften Szenario läge der Bedarf lediglich bei rund einem Drittel davon.
Den höchsten Verbrauch erwarten die Studienautoren in Deutschland. Dort könnte der Bedarf im Jahr 2045 auf bis zu 43 Terawattstunden steigen. Es folgen Frankreich mit ungefähr 35 Terawattstunden und Großbritannien mit rund 34 Terawattstunden.
Zum Vergleich: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt 432 Terawattstunden Strom erzeugt und in die Netze eingespeist. Eine Terawattstunde entspricht einer Milliarde Kilowattstunden.
Nach Einschätzung der Autoren wird jedoch nur ein kleiner Teil des Stroms unterwegs benötigt. In sämtlichen untersuchten Ländern und Szenarien spielt vielmehr das Laden in Depots die wichtigste Rolle. Außerdem bündele sich der Bedarf vor allem auf wichtige Güterverkehrsrouten, Industriestandorte und Logistikzentren, erklärte Studienhauptautor Steffen Link vom ISI.
Aus Sicht der Forscher sollte sich daher der Ausbau von Ladeinfrastruktur und Stromnetzen vorrangig auf Regionen konzentrieren, in denen der Bedarf besonders hoch und verlässlich absehbar ist. Andernfalls drohe, dass die nötige Netzinfrastruktur mit dem schnellen Wechsel zu batterieelektrischen Lkw nicht Schritt halten kann.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber