Wirtschaft

E-Scooter-Boom – doch Leihroller werden rar

Boom auf deutschen Straßen: Warum sich die Zahl der E-Scooter in nur drei Jahren verdoppelt hat – und wer dahintersteckt

10.08.2026, 04:15 Uhr

Zahl der E-Scooter in Deutschland wächst deutlich

In Deutschland sind immer mehr E-Scooter unterwegs. Nach Daten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) waren im Jahr 2025 knapp 1,66 Millionen Fahrzeuge versichert. Das sind rund 320.000 mehr als ein Jahr zuvor. Gegenüber 2022 hat sich der Bestand damit gut verdoppelt.

Auffällig ist dabei: Der jüngste Zuwachs geht allein auf privat genutzte E-Scooter zurück. Deren Zahl stieg von 1,01 Millionen auf 1,34 Millionen. Bei den Leihrollern zeigte sich dagegen ein Rückgang von 331.000 auf 300.000 Fahrzeuge.

Für E-Scooter, die im Straßenverkehr genutzt werden, ist eine Versicherung vorgeschrieben. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber noch höher liegen, weil darunter auch ungenutzte oder trotz Versicherungspflicht nicht angemeldete Fahrzeuge sein könnten.

Nach Einschätzung von GDV-Vizehauptgeschäftsführerin Anja Käfer-Rohrbach haben sich E-Scooter für viele Menschen als Verkehrsmittel für kurze Wege etabliert. Gründe seien vor allem die vergleichsweise niedrigen Kosten und der geringe Platzbedarf. Mit der steigenden Zahl der Fahrzeuge wachse aber auch die Bedeutung klarer Regeln und eines rücksichtsvollen Miteinanders im Straßenverkehr.

Fast doppelt so viele Unfälle wie 2022

Parallel zum Boom der E-Scooter ist auch die Zahl der Unfälle deutlich gestiegen. Unter Berufung auf Daten des Statistischen Bundesamtes berichtet der GDV, dass es 2025 insgesamt 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Verletzten gab. 38 Menschen kamen dabei ums Leben. Im Jahr 2022 waren noch 8.341 Unfälle mit Personenschaden registriert worden.

Auch bei den Versicherern zeigt sich diese Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurden 11.700 Haftpflichtschäden im Zusammenhang mit E-Scootern gezählt. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen Miet- und Privatrollern. Bei Leihgeräten lag die Schadenhäufigkeit mit 13 Schäden je 1.000 versicherten Fahrzeugen mehr als doppelt so hoch wie bei privat genutzten Scootern mit 6 Schäden pro 1.000. Unklar bleibt allerdings, ob Mietfahrzeuge insgesamt häufiger genutzt werden als private.

Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung beim GDV, verweist zudem auf Unterschiede im Verhalten der Nutzer. Wer einen eigenen Scooter besitzt, sei in der Regel viel unterwegs, trage eher einen Helm und fahre seltener auf Gehwegen. Um die Zahl der Unfälle zu senken, fordert der GDV ein entschiedeneres Vorgehen der Verleiher gegen Regelverstöße wie Trunkenheitsfahrten, mehrere Personen auf einem Roller oder Fahrten auf Gehwegen.

Darüber hinaus spricht sich der Verband dafür aus, die Verkehrsregeln rund um E-Scooter stärker an weiterführenden Schulen zu vermitteln. Vielen jungen Menschen sei nicht bewusst, dass für Fahrerinnen und Fahrer unter 21 Jahren ein Alkoholverbot gilt. Verstöße könnten nicht nur ein Bußgeld nach sich ziehen, sondern auch den späteren Führerschein gefährden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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