Wirtschaft

Volkswagen: Sparzwang und Angst vor morgen

VW hat die Belegschaft beruhigt – doch jetzt wird’s ernst: Was der Aufsichtsrat entscheidet, könnte den Konzern erschüttern.

02.09.2026, 04:15 Uhr

Volkswagen muss nach Einschätzung der Automobilexpertin Helena Beron Wisbert in seiner aktuellen Krise rasch Entscheidungen treffen, um die Zukunftsaussichten des Konzerns zu verbessern. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte die Professorin der Ostfalia Hochschule Wolfsburg, Sparprogramme seien derzeit bei allen Autoherstellern unumgänglich.

Gerade deshalb sei es entscheidend, die Einschnitte zügig umzusetzen, damit sich das Unternehmen wieder stärker auf die Entwicklung neuer Modelle und Technologien konzentrieren könne. Nachdem viel unternommen worden sei, um die Wettbewerbsfähigkeit in China zu stärken, dürfe Volkswagen nun den europäischen Markt nicht vernachlässigen.

Deutsche Hersteller in Europa weiter stark – aber unter Druck

Nach Ansicht von Beron Wisbert sind deutsche Autobauer im europäischen Wettbewerb zwar weiterhin führend. Allerdings verlieren sie insbesondere bei Elektroautos auch in Europa zunehmend Marktanteile. Kritik von Betriebsrat und Politik sei verständlich, dennoch müsse in den kommenden Monaten eine Einigung über weitere Einsparungen erreicht werden. Die Zeit dafür werde knapp.

In mehreren Werken des VW-Konzerns fanden zuletzt außerordentliche Betriebsversammlungen statt. Dort verlangten Beschäftigte Klarheit über den angekündigten verschärften Sparkurs. In der Belegschaft wächst die Sorge um viele zusätzliche Arbeitsplätze sowie um vier mögliche Standorte. Genannt werden dabei Emden, Zwickau, das Audi-Werk in Neckarsulm und Hannover mit seiner Nutzfahrzeugproduktion.

Blume spricht von äußerst ernster Situation

Die Konzernspitze machte deutlich, dass der bereits laufende Stellenabbau von 50.000 Jobs bis 2030 sowie die bislang erzielten Kostensenkungen in den Werken aus Sicht des Managements nicht ausreichen. Deshalb arbeitet die Führung um Konzernchef Oliver Blume an einem neuen „Zielbild 2030“. Zum Beginn der Betriebsversammlungen erklärte Blume, die Lage sei „mehr als kritisch“. Zwar schreibe Volkswagen Gewinne, diese reichten jedoch nicht aus, um die künftigen Herausforderungen aus eigener Kraft zu finanzieren.

Beron Wisbert wertete es als wichtig, dass der Vorstand persönlich vor Ort das Gespräch gesucht habe, nachdem Informationen zuvor vor allem über Dritte nach außen gedrungen waren. Für die Belegschaften in besonders gefährdeten Werken sei es jedoch ernüchternd gewesen zu hören, dass selbst die bereits erreichten Einsparungen von 20 Prozent nicht genügten. Nun beginne erneut eine unsichere Phase von sechs bis zwölf Monaten, in der nach Lösungen gesucht werde.

Kritik an der Kommunikation des Vorstands

Die Expertin bewertet die direkten Auftritte des Vorstands zwar grundsätzlich positiv. Zugleich hält sie es aber für problematisch, ausgerechnet den um ihre Arbeitsplätze besorgten Beschäftigten zu vermitteln, alle müssten nun gemeinsam zusätzliche Lasten tragen. Solche Aussagen seien eher geeignet, das Management auf Kürzungen bei Bonuszahlungen einzustimmen, sagte sie.

Für die laut Medienberichten am Freitag geplante Aufsichtsratssitzung rechnet Beron Wisbert damit, dass der Vorstand einen überarbeiteten Sparplan vorlegen wird. Möglich sei auch, dass das Kontrollgremium erste konkrete Maßnahmen beschließt. Mit Entscheidungen zu einzelnen Werken rechne sie angesichts des neu genannten Zeithorizonts von sechs bis zwölf Monaten allerdings noch nicht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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