Wirtschaft

US-Anleiherenditen auf Finanzkrisen-Hoch – warum jetzt alle hinsehen

Schock an den Anleihemärkten: US-Renditen auf Hoch seit 2007 – warum das jetzt Staaten und Verbraucher hart trifft.

15.09.2026, 10:48 Uhr

Anleihemärkte weltweit weiter unter Druck

An den internationalen Märkten für Staatsanleihen setzt sich der kräftige Ausverkauf fort. In den USA gerieten die Kurse am Dienstagvormittag weiter unter Druck, während die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zeitweise auf 5,025 Prozent stieg. Das ist der höchste Stand seit der Finanzkrise 2007.

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist die Rendite dieser US-Anleihen bereits um mehr als einen Prozentpunkt gestiegen. Für Regierungen ist das ein erhebliches Problem, weil sich die Aufnahme neuer Schulden dadurch deutlich verteuert.

Als Hauptgrund für den Druck am Anleihemarkt gelten wachsende Inflationssorgen infolge des Konflikts im Iran. Steigende Ölpreise dürften auch die Verbraucherpreise nach oben treiben. Viele Ökonomen rechnen daher mit einer höheren und länger anhaltenden Teuerung sowie mit weiteren Zinserhöhungen durch die Notenbanken. Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen bereits angehoben, und auch von der US-Notenbank Fed wird an diesem Mittwoch ein weiterer Zinsschritt erwartet.

Zusätzlich belasten Sorgen über die steigende Staatsverschuldung in mehreren Industrieländern die Märkte. Besonders im Fokus stehen die USA, deren Schuldenstand zuletzt die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten hat.

Steigende Renditen auch in Deutschland

Auch die Eurozone und Deutschland bleiben von der Entwicklung nicht verschont. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg am Dienstag bis auf 3,57 Prozent und erreichte damit ein Mehrjahreshoch. Ende Februar hatte sie noch bei rund 2,6 Prozent gelegen.

Für Immobilienkäufer und Bauherren in Deutschland hat das direkte Folgen, weil sich die Konditionen für Baukredite stark an den Renditen zehnjähriger Bundesanleihen orientieren. Nach Angaben der Analysefirma Barkow Consulting kletterten die Zinsen für Baufinanzierungen mit zehnjähriger Zinsbindung zuletzt auf rund 4,25 Prozent pro Jahr. Das sind 0,60 Prozentpunkte mehr als noch Ende Juni und zugleich der höchste Wert seit Mai 2011.

Da beim Hauskauf oder Bau in der Regel hohe Kreditsummen nötig sind, können schon vergleichsweise kleine Zinsaufschläge die Finanzierung deutlich verteuern oder Vorhaben sogar scheitern lassen. Fachleute schließen daher weitere Belastungen nicht aus. Max Herbst, Gründer der Frankfurter FMH-Finanzberatung, sieht die Bauzinsen bereits auf dem Weg in Richtung 4,5 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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