Wirtschaft

Dax-Chef warnt: AfD sendet fatales Signal

Brisante Warnung von Siemens Energy: Warum AfD-Pläne zu Kohle und Atom laut Konzernchef Innovation und Stabilität bedrohen.

06.09.2026, 05:45 Uhr

Top-Manager und Ökonomen rechnen mit erheblichen wirtschaftlichen Problemen für Sachsen-Anhalt, sollte die AfD nach der Landtagswahl an die Regierung kommen. Besonders bei Investitionen und bei der Gewinnung internationaler Fachkräfte sehen sie große Risiken.

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger, angesichts des AfD-Wahlprogramms sei zu erwarten, dass das Bundesland bei einer Regierungsübernahme für Unternehmen und qualifizierte Beschäftigte deutlich an Attraktivität verlieren würde.

Ähnlich äußerte sich der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, gegenüber der Rheinischen Post. Wer im Wettbewerb um ausländische Fachkräfte bestehen wolle, dürfe keine Partei stärken, die offen deren Ausweisung fordere. Eine Zuwanderungspolitik nach AfD-Vorstellungen wäre für Sachsen-Anhalt aus seiner Sicht ruinös.

Hüther verwies zudem auf die demografische Entwicklung im Land. Ohne Zuwanderung werde die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen-Anhalt nach IW-Prognosen bis 2045 um rund ein Viertel sinken. Dann käme auf jede erwerbsfähige Person mehr als ein Mensch, der nicht arbeite. Das wäre, so sein Fazit, ein direkter Weg in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Siemens Energy: Internationale Offenheit ist entscheidend

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat auch Siemens-Energy-Vorstandschef Christian Bruch eindringlich vor den wirtschaftspolitischen Vorstellungen der AfD gewarnt. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er, das Programm der Partei schade dem Standort Deutschland und greife teils demokratische Strukturen an. Das halte er für "absolut kritisch".

Bruch machte deutlich, dass Unternehmen wie Siemens Energy auf internationale Offenheit angewiesen seien. Deutsche Arbeitsplätze hingen davon ab, dass exportiert werden könne, qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland kämen und internationale Investoren Vertrauen in verlässliche politische Rahmenbedingungen hätten. Fehle diese Stabilität, sei das ein klarer Nachteil für die deutsche Wirtschaft. Deshalb verfolge er die Wahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt mit großer Sorge. Der Verfassungsschutz stuft die AfD dort als gesichert rechtsextrem ein.

Zugleich kritisierte Bruch, dass es der Politik bislang zu wenig gelungen sei, tragfähige Kompromisse zu schaffen, mit denen sich breite Teile der Bevölkerung identifizieren könnten. In dieser Lage sende die AfD aus seiner Sicht jedoch die falschen Signale. Ihr Bild von einer Rückkehr zu früheren Erfolgen Deutschlands nannte er rückwärtsgewandt. Die Partei sei nicht auf Wandel ausgerichtet, sondern hänge einer nostalgischen Vorstellung nach.

Der Manager warnte außerdem davor, die Dynamik des internationalen Wettbewerbs zu unterschätzen. Andere Länder entwickelten sich mit hoher Geschwindigkeit weiter, sagte Bruch. Deutschland müsse Veränderungen als Möglichkeit begreifen, statt an überholten Konzepten festzuhalten. "Nostalgische Politik wirft uns immer weiter zurück", sagte er. Debatten über einen Wiedereinstieg in die Kernenergie hält er in Deutschland für wenig zielführend. In einem eng vernetzten europäischen Energiesystem mit Atomkraftwerken etwa in Frankreich oder Tschechien seien solche Diskussionen aus seiner Sicht müßig. Die energiepolitischen Aussagen der AfD überzeugten ihn nicht.

Auch andere Spitzenmanager äußern Bedenken

Schnitzer verwies wie Hüther darauf, dass in Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren viele Beschäftigte in Rente gehen werden. Ohne Zuzug von außen würden deshalb schon bald zahlreiche Fachkräfte fehlen. Fehle dieses Personal, blieben am Ende auch dringend nötige Investitionen aus.

Bruch steht mit seiner Kritik nicht allein. In den vergangenen Wochen hatten sich mehrere führende Wirtschaftsvertreter skeptisch zu den wirtschaftspolitischen Ideen der AfD geäußert.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sagte zuletzt in Frankfurt, populistische Parteien gäben sich gern als Anbieter einfacher Lösungen. Tatsächlich verträten sie aber Konzepte, die den Grundlagen des deutschen Erfolgs widersprächen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit.

Mit Blick auf Umfragen, nach denen selbst eine absolute Mehrheit der AfD nicht völlig ausgeschlossen werde, erklärte Sewing, er hoffe persönlich, dass es dazu nicht komme. In Gesprächen mit Investoren nehme er große Besorgnis über ein solches Szenario wahr.

Schon vor einigen Monaten hatte sich zudem Bahlsen-Chef Alexander Kühnen klar von der AfD distanziert. Für Unternehmen seien Fachkräfte, freier Handel in Europa und stabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen unverzichtbar, sagte er. Vor diesem Hintergrund sei die AfD für ihn weder unternehmerisch noch persönlich eine Alternative.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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