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Marius Borg Høiby: Wie tief fiel der Sohn der Königin?

Ausgerechnet er soll dabei sein: Trotz Vergewaltigungsurteil steht Marius Borg Høiby beim Abschied von König Harald V.

06.09.2026, 05:00 Uhr

Als der Sarg des verstorbenen norwegischen Königs Harald V. vor wenigen Tagen in einer feierlichen Zeremonie durch das Königsschloss getragen wurde, richtete sich viel Aufmerksamkeit auf eine Person am Rand des engsten Familienkreises: Marius Borg Høiby. Der Sohn der neuen Königin Mette-Marit ging mit den Kindern und Enkeln des Monarchen neben dem Sarg her – obwohl er erst im Juni nach norwegischem Recht wegen zweier Vergewaltigungen zu vier Jahren Haft verurteilt worden war.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Høiby will dagegen vorgehen. Dennoch sendete sein Auftritt ein deutliches Signal: Der Stiefsohn des neuen Königs Haakon VIII. bleibt Teil des innersten Familienumfelds, auch wenn ihm womöglich eine Gefängnisstrafe bevorsteht. Die Zeremonie war eigentlich privat, wurde aber auf Entscheidung des Hofes im Fernsehen übertragen.

Der 29-Jährige steht derzeit auf Gut Skaugum unter Hausarrest mit elektronischer Fußfessel, dem bisherigen Wohnsitz der neuen Königsfamilie. Für die Prozession erhielt er eine Ausnahmegenehmigung. Öffentlich Stellung dazu genommen hat aus der Königsfamilie bislang niemand. Auch bei der Beisetzung von Harald V. an diesem Mittwoch soll Høiby anwesend sein.

Empörung vor allem im Ausland

Scharfe Kritik kam fast ausschließlich aus dem Ausland. In Norwegen überlagern Trauer und Respekt vor dem verstorbenen König derzeit viele kritische Stimmen. Anders reagierte etwa die dänische Boulevardzeitung Ekstra Bladet, die von einem „erschütternden“ Signal sprach. Aus Sicht ihrer Königshaus-Korrespondentin vermittle der Auftritt, dass die Opfer Høibys für das norwegische Königshaus offenbar keine Rolle spielten. Ihm ausgerechnet am Sarg von Harald V. einen so sichtbaren Platz zu geben, sei nicht nachvollziehbar.

Nach dem Tod von König Harald
Høiby (2. v. r.) war in den Tagen der Trauer im engsten Kreis der Familie. (Archivbild) Quelle: Ole Berg-Rusten/Pool NTB/AP/dpa

In Norwegen wiederum zeigen viele Verständnis für den Umgang mit Høiby. Mette-Marit brachte ihn mit in die Ehe mit Haakon, und seit seiner Kindheit gehört er zum familiären Umfeld. König Harald soll ihn wie einen leiblichen Enkel behandelt haben. Kurz vor Haralds Tod durfte Høiby ihn noch im Krankenhaus besuchen und sich verabschieden. Auch diese Momente wurden von Fotografen festgehalten.

Der Fall Høiby

Noch vor wenigen Wochen war die öffentliche Debatte in Norwegen deutlich härter. Im Prozess gegen Høiby wurden insgesamt 40 Anklagepunkte behandelt. Die schwersten Vorwürfe betrafen Vergewaltigungen nach norwegischem Recht in vier Fällen. Ihm wurde vorgeworfen, Frauen missbraucht und gefilmt zu haben, während sie schliefen. In zwei dieser Punkte wurde er freigesprochen; die Taten hatte er bestritten.

Andere Vorwürfe räumte Høiby ein. Dazu gehörten Körperverletzung, Bedrohungen, Verstöße gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin, ein Drogendelikt sowie mehrere Verkehrsverstöße. Der Prozess dauerte sechs Wochen. Mehr als 800 SMS wurden verlesen, zahlreiche Zeugen gehört – darunter Freunde, frühere Nachbarn, Familienangehörige, Fachleute und Ermittler. In jedem einzelnen Fall kamen zunächst die mutmaßlichen Opfer zu Wort, danach schilderte Høiby seine Sicht.

Immer wieder sprach der 29-Jährige auch darüber, wie sehr ihn die mediale Aufmerksamkeit seit seiner Kindheit belastet habe. Mehrfach sagte er unter Tränen aus, wenn es um seine frühe öffentliche Bekanntheit und deren Folgen ging. In der öffentlichen Wahrnehmung verfestigte sich dabei das Bild eines Mannes, der ein privilegiertes Leben hätte führen können, dieses aber durch eigenes Verhalten und eigene Entscheidungen zerstörte.

Kein Mitglied des Königshauses

Nach norwegischen Medienberichten war die Beziehung, aus der Høiby stammt, nur von kurzer Dauer. Mette-Marit zog ihren Sohn zunächst allein groß, bevor sie Haakon kennenlernte. Bei der Hochzeit 2001 wurde „Lille Marius“ noch liebevoll in die neue Familie aufgenommen. Später kamen seine Halbgeschwister zur Welt: Ingrid Alexandra, heute neue Thronfolgerin, und Prinz Sverre Magnus.

Offiziell gehörte Høiby jedoch nie dem norwegischen Königshaus an und trug auch keinen Prinzentitel. 2017 begann er ein BWL-Studium in den USA, brach es aber schnell wieder ab. Danach arbeitete er unter anderem als Praktikant bei einem Modedesigner, als Verkäufer in einem Unternehmen mit Party-App und als Motorradmechaniker. Viel spricht dafür, dass er auch künftig eine Außenseiterrolle behalten wird – erst recht, falls die Haftstrafe nach dem Berufungsverfahren bestehen bleibt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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