Kultur

Links oder rechts? Der geheime Dirndl-Code

Dirndl sitzt, Frisur auch – aber was verrät die Schleife wirklich? Der geheime Dirndl-Code überrascht mehr als viele denken.

06.09.2026, 04:15 Uhr

Wer auf dem Oktoberfest im Dirndl unterwegs ist, bekommt oft eine Frage gestellt: Was bedeutet eigentlich die Schleife an der Schürze? Vor allem Gäste von außerhalb interessieren sich jedes Jahr wieder für diesen vermeintlichen Wiesn-Code.

Die Bedeutung der Dirndl-Schleife

Nach gängiger Auslegung verrät die Position der Schleife etwas über den Beziehungsstatus der Trägerin – sofern sie diese Symbolik überhaupt bewusst nutzt.

  • Links gebunden: Die Frau ist single oder grundsätzlich offen für neue Kontakte.
  • Rechts gebunden: Sie ist vergeben, verlobt oder verheiratet.
  • Vorne in der Mitte: Früher wurde dies mit Jungfräulichkeit verbunden. Manche tragen die Schleife dort aber auch einfach, um nichts über ihren Status preiszugeben.
  • Hinten gebunden: Das galt traditionell als Zeichen für eine Witwe; außerdem tragen Bedienungen die Schleife oft hinten.

Gibt es so etwas auch bei Männern?

Ein klar vergleichbares System für Männer existiert laut Trachtenexperten nicht. Zwar kursieren moderne Deutungen, doch sie sind regional verschieden, wenig bekannt und längst nicht so eindeutig.

So wird manchen Ansteckern am Revers eine Bedeutung zugeschrieben:

  • Edelweiß: soll für Treue, Liebe und Verbundenheit stehen – also dafür, dass der Träger vergeben ist.
  • Brezn-Anstecker: wird mit Offenheit und Lebensfreude verbunden – und damit eher mit Single-Sein.

Kleine Schleife, große Botschaft

Für viele gehört der Schleifen-Code fest zum Wiesn-Gefühl dazu. Gerade wer mit Oktoberfest und Tracht aufgewachsen ist, empfindet es als charmant, dass sich mit einem kleinen Detail eine Botschaft senden lässt.

Oktoberfest 2018
Die Schleife will richtig gebunden sein. (Archivbild) Quelle: Felix Hörhager/dpa

Keine uralte Tradition

Historisch betrachtet ist dieser Brauch allerdings wohl deutlich jünger, als viele annehmen. Fachleute gehen davon aus, dass die Deutung der Schleife erst in den 1980er Jahren aufgekommen ist. Einen klaren Ursprung oder festen historischen Grund dafür gibt es demnach nicht.

Wie so oft werde etwas schnell als alteingesessene Tradition wahrgenommen, obwohl es in Wirklichkeit noch gar nicht so lange existiere.

Auch aus Sicht der Trachtenbranche ist die heutige Bedeutung der Schleife nicht historisch belegt. Ursprünglich diente sie schlicht dazu, die Schürze zu befestigen. Früher wurde sie meist vorne oder hinten mittig gebunden.

Der heute bekannte Flirt-Code gilt daher eher als jüngerer Brauch, der sich im 20. Jahrhundert entwickelt und durch Volksfeste sowie den Tourismus verbreitet hat. Je nach Region oder Trachtenverein kann die Auslegung zudem variieren.

Kritik am Schleifen-Hype

Nicht alle können dem Trend etwas abgewinnen. Aus der Trachtenberatung kommt auch Kritik an dem starken Fokus auf den sogenannten Schleiferl-Code. Skeptiker halten es für rückwärtsgewandt, wenn Frauen sich öffentlich in Kategorien wie verheiratet, jungfräulich oder verfügbar einordnen lassen.

Zudem wird darauf verwiesen, dass es für Männer nie ein gleichwertiges, allgemein anerkanntes System gegeben habe. Gerade deshalb sehen Kritiker in dem Code eher ein überholtes Rollenbild als eine gelebte Tradition.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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