Wirtschaft

Jetzt klappt’s: Isar-Rakete hebt beim 2. Start erfolgreich ab

Deutschlands Spectrum-Rakete ist wieder gestartet – doch nach nur zehn Minuten riss der Kontakt ab. Was passierte über Andøya?

05.09.2026, 22:35 Uhr

Isar Aerospace erreicht mit Spectrum beim zweiten Testflug das All und bringt Satelliten in Umlaufbahn

Die Spectrum-Rakete des deutschen Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace ist bei ihrem zweiten Testflug erfolgreich ins All gestartet und hat dabei Satelliten in die Erdumlaufbahn gebracht. Die Rakete hob am Samstag um 22.12 Uhr vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya ab, wie in einem Livestream zu sehen war. Rund zehn Minuten nach dem Start riss die Videoverbindung zur Bodenstation ab, nachdem die Rakete die maximale Reichweite des Signals überschritten hatte.

Für das Jungunternehmen aus Ottobrunn bei München ist der Flug ein wichtiger Erfolg. Beim ersten Test im März 2025 war die Rakete bereits nach rund 30 Sekunden abgestürzt. Diesmal erreichte Spectrum nach Angaben der Moderatoren im Livestream knapp vier Minuten nach dem Abheben etwa 100 Kilometer Höhe und damit die Karman-Linie, die als gedachte Grenze zum All gilt. In der Übertragung war zudem die Abtrennung der ersten Stufe zu sehen.

An Bord der 28 Meter hohen Rakete befanden sich fünf wissenschaftliche Satelliten mehrerer Universitäten sowie ein wissenschaftliches Experiment. Anders als zunächst unklar war, brachte Spectrum die Satelliten nach Unternehmensangaben nun auch in die Umlaufbahn.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gratulierte dem Unternehmen in der Nacht und sprach vom „Beginn einer neuen Ära“. Zugleich erklärte er, erstmals gelinge ein solcher Flug vom europäischen Kontinent aus in die Erdumlaufbahn. Auch Isar Aerospace selbst wertete den Start als historischen Schritt: Man habe bereits beim zweiten Flug als erstes kommerzielles Raumfahrtunternehmen Europas Satelliten in die Umlaufbahn gebracht, teilte die Firma auf der Plattform X mit.

Vorstandschef Daniel Metzler erklärte, das Unternehmen habe in wenigen Jahren erreicht, wofür die europäische Raumfahrtindustrie zuvor Jahrzehnte gebraucht habe. Europa habe damit nun einen souveränen Zugang zum Weltraum.

Der zweite Testflug hatte sich über Monate verzögert und war insgesamt viermal verschoben worden. Ein geplanter Start im Januar scheiterte an einem defekten Ventil. Im März blockierte ein norwegischer Fischer mit seinem Boot die Sicherheitszone vor dem Startgelände. Im April wurden die Vorbereitungen wegen eines leckenden Druckbehälters abgebrochen, im Juni trat erneut ein Problem auf. Isar Aerospace will noch in diesem Jahr weitere Starts folgen lassen. Der Bau der dritten Spectrum-Rakete ist nach Unternehmensangaben bereits weit fortgeschritten.

Langfristig soll Spectrum nach Erreichen der Serienreife zivile und militärische Satelliten in niedrige Erdumlaufbahnen von wenigen hundert Kilometern Höhe bringen. Geplant ist eine Produktion von bis zu 40 Raketen pro Jahr. Das Unternehmen beschäftigt gut 400 Mitarbeiter und hat nach eigenen Angaben bislang mehr als eine halbe Milliarde Euro von Investoren eingesammelt. Hinzu kommt ein Vertrag mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA im Umfang von 200 Millionen Euro, der Teil eines Programms zur schnelleren Entwicklung europäischer Trägerraketen ist.

Der Erfolg von Isar Aerospace gilt auch als strategisch bedeutsam für Europa. Neben der Bundesregierung haben auch die EU und andere europäische Staaten ein Interesse daran, dass Europa beim Zugang zum All unabhängiger wird. Bislang wird die große Mehrheit europäischer Satelliten mit Raketen des US-Unternehmens SpaceX gestartet. Für europäische Raumfahrtfirmen ist das auch deshalb heikel, weil Auftraggeber in den USA technische Spezifikationen ihrer Satelliten offenlegen müssen. Nach Angaben von Isar Aerospace kamen die USA im vergangenen Jahr auf 198 Raketenstarts, Europa dagegen nur auf acht.

Rund 60 Prozent der Anfragen an das Unternehmen stammen inzwischen aus dem militärischen Bereich, wie Vorstandschef Daniel Metzler bereits im Frühjahr erklärt hatte. Trotz noch fehlender Serienreife ist Isar Aerospace nach eigenen Angaben bereits bis 2028 mit Aufträgen im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar ausgebucht. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte das Gelände in Andøya am 13. März gemeinsam mit Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre besucht.

Für höhere und schwerere Nutzlasten setzt Europa daneben weiter auf die Ariane 6. Die von der ArianeGroup entwickelte Rakete soll nach jahrelangen Verzögerungen in diesem Jahr sieben bis acht Mal starten. Nach Zählung des Fachportals European Spaceflight gab es in diesem Jahr bislang vier Ariane-Starts. Anders als die kleinere Spectrum kann die Ariane 6 auch schwere Nutzlasten in geostationäre Umlaufbahnen in knapp 36.000 Kilometern Höhe bringen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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