Wirtschaft

Commerzbank: Rekordzahlen überraschen

Rekordkurs – doch jetzt droht der große Umbruch: Was plant Unicredit mit der Commerzbank und wie reagiert Orlopps Vorstand?

05.11.2026, 07:13 Uhr

Commerzbank steuert weiter auf ein Rekordjahr zu

Die Commerzbank bleibt nach dem dritten Quartal 2026 auf Kurs für einen historischen Gewinn. Von Juli bis September erzielte das Frankfurter Institut einen Überschuss von 859 Millionen Euro. Das waren gut 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Vorstandschefin Bettina Orlopp sprach von einer starken Geschäftsentwicklung und verwies auf das große Potenzial der Bank. In den ersten neun Monaten des Jahres stieg der Gewinn um mehr als 40 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro. Damit erzielte der Dax-Konzern das beste Neun-Monats-Ergebnis seiner Geschichte.

Zugleich hat die Commerzbank bereits nach neun Monaten mehr verdient als im gesamten Vorjahr. 2025 hatte das Institut wegen hoher Kosten für den Stellenabbau unter dem Strich gut 2,6 Milliarden Euro erzielt und den Rekordwert von 2024 von knapp 2,7 Milliarden Euro nur knapp verfehlt. Für 2026 hält der Vorstand an seinem Ziel fest, mindestens 3,4 Milliarden Euro Gewinn zu erreichen.

Neu hinzu kommt ein optimistischerer Blick auf die Zeit danach: Für 2027 und 2028 erwartet das Management trotz Restrukturierungskosten eine weiter steigende Profitabilität.

Unicredit treibt Übernahmepläne weiter voran

Offen bleibt, wie es mit der Commerzbank nach dem Einstieg der italienischen Unicredit weitergeht. Diese hat sich inzwischen den Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile gesichert. Damit hat die Commerzbank faktisch bereits einen Kontrollaktionär, der auf eine Übernahme zusteuert.

Die Frankfurter bereiten sich inzwischen auf die nächste Phase vor. Nach Angaben der Bank haben die Vorbereitungsarbeiten für eine Konsolidierung begonnen. Orlopp schlägt dabei inzwischen deutlich versöhnlichere Töne an. Sie erklärte, man sei überzeugt, gemeinsam mit Unicredit Wert schaffen zu können, wenn die Stärken beider Banken konsequent genutzt würden. In einer Telefonkonferenz bekräftigte sie zudem, dass innerhalb der Unicredit-Gruppe zusätzliche Gewinne möglich seien.

Potenzial sieht die Commerzbank unter anderem im Einkauf, in der IT etwa bei Cybersicherheit und Künstlicher Intelligenz, im Vertrieb sowie bei gemeinsamen Produktplattformen. Für Kundinnen und Kunden solle sich im Tagesgeschäft zunächst nichts ändern.

Unicredit ist in Deutschland bereits über die Hypovereinsbank präsent und sieht in einer engeren Verbindung erhebliche Einsparmöglichkeiten bis in Milliardenhöhe. Konzernchef Andrea Orcel will unter anderem das Auslandsnetz der Commerzbank überprüfen und verkleinern.

Commerzbank spart selbst kräftig

Auch die Commerzbank selbst bleibt auf der Kostenbremse. Bereits im Februar 2025 hatte das Institut den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt, vor allem in Deutschland. Im Mai 2026 folgte ein weiteres Sparprogramm: Bis 2030 sollen konzernweit zusätzlich rund 3.000 weitere Vollzeitstellen wegfallen.

Darüber hinaus schloss Orlopp weitere Kürzungen nicht aus. Es könne zusätzlich auch noch den einen oder anderen Stellenabbau geben, sagte sie.

Nach Unternehmensangaben haben bereits etwa 1.800 Beschäftigte individuelle Vereinbarungen für einen geordneten Übergang getroffen. Für ein neues Altersteilzeitprogramm entschieden sich demnach schon mehr als 1.100 Mitarbeitende. Zum 30. September beschäftigte der Konzern weltweit 40.390 Vollzeitkräfte, davon 25.091 in Deutschland.

Bedeutung für den Mittelstand bleibt im Fokus

Mit Blick auf eine mögliche Übernahme pocht der Bund, der weiterhin gut 13 Prozent an der Commerzbank hält und damit zweitgrößter Einzelaktionär ist, darauf, dass die Bank ihre wichtige Rolle in der Finanzierung des deutschen Mittelstands behält.

Orcel versuchte erneut, Bedenken zu zerstreuen. Ziel sei es nicht, weniger für deutsche Unternehmen zu leisten, sondern die Stärken beider Banken zusammenzuführen. Die Unicredit wolle den Mehrwert einer solchen Verbindung belegen. Kunden und Unternehmen sollten die Bank an ihren tatsächlichen Leistungen messen.

Noch offene Genehmigungen – und Spekulationen über die Führung

In den kommenden Wochen rechnet die Unicredit mit weiteren behördlichen Genehmigungen für ihr Vorhaben. Die Commerzbank geht davon aus, dass die noch ausstehenden Freigaben im Verlauf des vierten Quartals oder spätestens bis Anfang 2027 vorliegen.

Zugleich wird über personelle Veränderungen an der Spitze spekuliert. Orcel hat keinen Hehl daraus gemacht, dass er die Führung der Commerzbank neu aufstellen will. Im Gespräch ist deshalb eine außerordentliche Hauptversammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2027.

Orlopp betonte dazu, die Bank werde vorbereitet sein, falls es ein entsprechendes Verlangen geben sollte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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