Wirtschaft

Chemie pumpt Rekordgeld in Forschung – aus Angst vor China

Rekordinvestitionen – und trotzdem wächst die Angst: Warum China der Chemie- und Pharmabranche plötzlich davonzieht.

26.08.2026, 10:30 Uhr

Chemie- und Pharmabranche steigert Forschungsausgaben auf Höchststand

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie steckt so viel Geld wie nie zuvor in Forschung und Entwicklung, sieht den Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb jedoch unter Druck. Nach Angaben des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) beliefen sich die F&E-Ausgaben der Branche im Jahr 2025 auf knapp 16 Milliarden Euro. Das entspricht einem leichten Plus von 0,2 Prozent gegenüber 2024. Im Vergleich zu 2015, als etwas mehr als zehn Milliarden Euro investiert wurden, ist das ein Zuwachs von fast sechs Milliarden Euro.

Drei von vier Unternehmen arbeiten laut Verband an neuen Produkten oder verbesserten Verfahren. Thomas Wessel, Leiter des VCI-Ausschusses für Forschung, Wissenschaft und Bildung, betonte, dass die Branche zwar einen Investitionsrekord erreicht habe, die Zahl der Patente in Chemie und Pharma aber seit Jahren sinke. Der weltweite Patentanteil deutscher Unternehmen in diesem Bereich sei von 14 Prozent im Jahr 2010 auf 7,6 Prozent im Jahr 2024 zurückgegangen. Dadurch verliere Deutschland im internationalen Vergleich zunehmend an Boden.

Unternehmen verlagern Forschung verstärkt ins Ausland

Nach VCI-Angaben rechnen 29 Prozent der Chemie- und Pharmafirmen damit, ihre Forschungsausgaben in Deutschland zu senken. Nur knapp 20 Prozent planen höhere Budgets im Inland. Gleichzeitig erwarten 41 Prozent der Unternehmen steigende Investitionen in Forschung außerhalb Deutschlands.

Besonders China sieht der Verband als starken Wettbewerber. Dort habe sich der Anteil an den weltweiten Patentanmeldungen in Chemie und Pharma zwischen 2010 und 2024 nahezu vervierfacht und liege inzwischen bei 19 Prozent. Damit rangiert China laut VCI hinter den USA auf Platz zwei und vor Japan, Südkorea und Deutschland. Wessel verwies darauf, dass in China der Weg von der Forschung bis zur Markteinführung gezielt unterstützt werde und der Schutz geistigen Eigentums eine wichtige Rolle spiele.

Chemiebranche
In der Chemie- und Pharmabranche hat Forschung einen hohen Stellenwert (Archivbild) Quelle: Uwe Anspach/dpa

Von der Politik fordert der VCI deshalb bessere Rahmenbedingungen für Forschung in Deutschland. Dazu zählen aus Sicht des Verbands eine verlässliche Finanzierung, eine stärkere Einbindung in wirtschafts- und sozialpolitische Reformen sowie mehr Planbarkeit für Unternehmen.

Die Chemie- und Pharmabranche gehört traditionell zu den forschungsintensivsten Industriezweigen. Investiert wird unter anderem in neue Medikamente und innovative Materialien für industrielle Anwendungen. Nach Verbandsangaben arbeiten rund 47.000 Menschen in den Forschungslaboren der Branche. Mehr als 60 Prozent der gesamten F&E-Ausgaben entfallen auf die Pharmaindustrie.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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