Wirtschaft

Wie KI Gaming radikal verändert

Skyrim-Wachen mit KI statt Endlosspruch? Warum der legendäre Pfeil-im-Knie-Satz heute ganz anders klingen würde.

26.08.2026, 05:00 Uhr

Gamescom gestartet: Mehr Aussteller, neue KI-Trends und anhaltende Standortprobleme

Mit einer Bühnenshow vor rund 5.000 Fans ist die Gamescom in Köln eröffnet worden. Bis Sonntag zeigen mehr als 1.700 Aussteller ihre Neuheiten, erneut werden Hunderttausende Besucher erwartet. Die Messe macht sichtbar, welche Themen die Games-Branche derzeit besonders beschäftigen.

Gaming gewinnt weiter an Bedeutung

Videospiele sind in Deutschland längst im Alltag vieler Menschen angekommen. Nach Schätzung des Branchenverbands Game spielen etwa sechs von zehn Menschen zwischen 6 und 69 Jahren. Auch andere Erhebungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Laut Bitkom greifen 55 Prozent der Befragten ab 16 Jahren zumindest gelegentlich zu Computer- oder Videospielen. Der Trend zeigt weiter nach oben.

Auch international wächst der Markt. Das Marktforschungsunternehmen Newzoo rechnet damit, dass die Zahl der Spielerinnen und Spieler weltweit von 3,55 Milliarden im Jahr 2025 auf 4,07 Milliarden im Jahr 2029 steigt.

Besonders stark verbreitet ist Gaming bei Jüngeren. In der Altersgruppe von 16 bis 29 Jahren spielen laut Bitkom 89 Prozent, bei den über 65-Jährigen sind es 24 Prozent. Im Durchschnitt verbringen Gamer in Deutschland täglich rund 2 Stunden und 20 Minuten mit Spielen. Eine besonders aktive Gruppe fällt dabei heraus: Jeder zehnte Spieler kommt auf mehr als fünf Stunden pro Tag.

Am häufigsten wird auf dem Smartphone gespielt. Dahinter folgen Konsole und Laptop. Einen klassischen Desktop-PC nutzt nur etwa die Hälfte der Spielenden. Besonders beliebt sind Casual Games wie "Candy Crush", außerdem Jump’n’Runs und Strategiespiele. Auch Shooter und Sportspiele bleiben gefragt.

Wirtschaftlich bleibt die Lage gemischt

Die langfristigen Perspektiven der Games-Branche gelten grundsätzlich als gut. Die Corona-Pandemie sorgte einst für einen kräftigen Wachstumsschub. Danach flaute die Nachfrage ab, zugleich wurden Investoren vorsichtiger. Vor allem kleinere Studios gerieten dadurch unter Druck, einige mussten Personal abbauen oder ganz schließen.

Inzwischen hat sich die Lage etwas stabilisiert, von einer rundum positiven Entwicklung kann aber keine Rede sein. Nach Angaben des Verbands Game sank der Umsatz mit Games in Deutschland im ersten Halbjahr um drei Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Vor allem teurere Hardware belastete die Kauflaune vieler Verbraucher.

Deutschland bleibt international nur ein Nebenschauplatz

Im weltweiten Games-Geschäft spielt Deutschland bisher nur eine vergleichsweise kleine Rolle. Schätzungen zufolge fließen nur rund fünf Prozent der Ausgaben, die hierzulande für Spiele anfallen, in Produktionen aus Deutschland, etwa in Titel von Studios wie Crytek aus Frankfurt.

Die Politik will den Standort stärken. Der Bund stellt in diesem Jahr 125 Millionen Euro Fördermittel für die Branche bereit, deutlich mehr als noch vor einigen Jahren. Allerdings wurden bislang nur rund 40 Millionen Euro bewilligt oder beantragt. Für Branchenbeobachter stellt sich damit die Frage, ob die Fördersumme derzeit überhaupt vollständig abgerufen werden kann.

Der Geschäftsführer des Branchenverbands Game, Felix Falk, widerspricht dem Eindruck einer Überförderung. Aus seiner Sicht braucht es Zeit, bis höhere Zuschüsse wieder ein stärkeres Wachstum auslösen. Zusätzlichen Rückenwind könnte eine Ankündigung aus Berlin bringen: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil stellte laut "Kölner Stadt-Anzeiger" in Aussicht, dass die Games-Branche auch im kommenden Jahr mit mehr als 120 Millionen Euro unterstützt werden soll.

Ein zentraler Wettbewerbsnachteil bleibt jedoch bestehen: Steuerliche Erleichterungen, wie sie in Ländern wie Kanada längst üblich sind, sind in Deutschland weiterhin nicht absehbar. Zwar taucht das Thema im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD auf, konkrete Schritte fehlen bislang. Aus Sicht der Branche sind die Produktionskosten hierzulande im internationalen Vergleich zu hoch. Das sorgt für Ernüchterung: Das Interesse an Gaming wächst, die Gamescom meldet einen Ausstellerrekord und erzielt online enorme Reichweiten – trotzdem hat der Standort Deutschland weiter Probleme.

Künstliche Intelligenz verändert Spiele und Entwicklung

KI spielt inzwischen auch in der Games-Branche eine immer größere Rolle. Das betrifft zum einen die Entwicklung von Spielen, bei der sich Abläufe beschleunigen und automatisieren lassen. Das sorgt jedoch auch für Unsicherheit unter Beschäftigten und Selbstständigen. Petra Fröhlich vom Branchenmagazin "Gameswirtschaft" spricht von einem unguten Gefühl bei vielen Kreativen. Grafikdesigner, Übersetzer oder Marketingfachleute fragten sich, ob ihre Arbeit künftig noch in gleichem Maße gebraucht werde.

Zum anderen verändert KI das eigentliche Spielerlebnis. In modernen Spielen werden Mitstreiter oder Gegner zunehmend von intelligenten Systemen gesteuert. In manchen Actiontiteln – etwa im Umfeld von Shootern wie "PUBG: Battlegrounds" – können KI-Begleiter auftreten, denen Spieler per Mikrofon Anweisungen geben. Anders als früher arbeiten solche Systeme nicht nur starre Skripte ab, sondern reagieren flexibel auf das Verhalten des Menschen. Wer etwa bevorzugt mit einem Sturmgewehr kämpft, kann erleben, dass der KI-Partner eigenständig nach passender Munition oder einer solchen Waffe sucht.

Laut Fröhlich führt das zu individuelleren und passenderen Reaktionen. Spiele wirkten dadurch glaubwürdiger, abwechslungsreicher und weniger gleichförmig als früher.

Auch in Rollenspielen und Sportspielen übernimmt KI zunehmend die Steuerung von Figuren. Besonders interessant ist das für Online-Multiplayer-Titel. Wenn ein Spiel eigentlich 100 Teilnehmende benötigt, kann der Start künftig womöglich schon mit deutlich weniger echten Spielern erfolgen, weil fehlende Figuren unauffällig durch KI ersetzt werden. Das verkürzt Wartezeiten und erleichtert den Einstieg.

Bei den Spielerinnen und Spielern kommt diese Entwicklung offenbar gut an. In einer Bitkom-Umfrage sagten 65 Prozent, dass Spielwelten und Figuren durch KI realistischer wirkten. Gut die Hälfte empfindet das Spielerlebnis dadurch als individueller und gibt an, lieber gegen KI-gesteuerte Gegner anzutreten als gegen menschliche Kontrahenten.

Eine KI, die das Verhalten des Spielers analysiert, kann Spiele zudem spannender machen. Sie passt Reaktionen und Schwierigkeitsgrad an und sorgt dafür, dass der Verlauf weniger vorhersehbar wird. Gerade in Einzelspieler-Titeln kann das hilfreich sein: Erkennt die KI das Niveau eines Spielers, lassen sich Gegner entsprechend anpassen. So wird vermieden, dass ein Spiel zu leicht und langweilig oder zu schwer und frustrierend wird.

Spieler erschaffen immer häufiger eigene Inhalte

Ein weiterer wichtiger Trend ist sogenannter "User Generated Content". Dabei entwickeln Nutzer eigene Spielwelten, zusätzliche Kapitel oder sogar komplette Spiele – zum Beispiel auf Plattformen wie Roblox oder innerhalb des Fortnite-Kosmos.

Auch hier hilft KI. Wer Ideen hat, kann mit vergleichsweise einfachen Eingaben Inhalte entwerfen und kreativ experimentieren. Noch seien viele dieser von Privatpersonen gebauten Spiele eher schlicht, sagt Fröhlich. Doch Qualität und Komplexität dürften weiter steigen.

Langfristig könnte das vor allem Anbieter einfacher kommerzieller Handyspiele unter Druck setzen, etwa bei Puzzle-, Tetris- oder Memory-Varianten. Wenn der Markt zunehmend mit kostenlosen Nutzerproduktionen überschwemmt wird, könnte das das Geschäftsmodell bestimmter Studios spürbar erschweren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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