Fußball

Volland, Süle, Petersen & Co.: Ex-Stars zieht es aufs Dorf

Von der Bundesliga ins Dorfstadion: Warum Stars wie Volland und Süle jetzt bewusst im Amateurfußball auflaufen.

11.08.2026, 15:06 Uhr

Ex-Bundesliga-Profis machen im Amateurfußball weiter

Der Profifußball ist zurück – doch einige bekannte frühere Bundesliga-Spieler setzen ihre Laufbahn inzwischen bewusst deutlich weiter unten fort. Namen wie Kevin Volland oder Niklas Süle stehen künftig nicht mehr auf den größten Bühnen, sondern auf kleinen Plätzen im Amateurbereich. Sie sind damit nicht allein.

Kevin Volland (33)

Kevin Volland spielte für Hoffenheim, Bayer Leverkusen, Monaco und Union Berlin, sammelte internationale Erfahrung und stand auch für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Feld, unter anderem bei der EM 2021. Vor der vergangenen Saison war er zu seinem Jugendverein 1860 München zurückgekehrt, um den Club Richtung 2. Bundesliga zu führen. Stattdessen folgte ein bitterer Rückschlag, am Ende landete der TSV sogar in der Regionalliga.

Daraufhin zog es Volland noch näher an seine Wurzeln: zum FC Thalhofen aus seiner Heimat Marktoberdorf im Allgäu. Dort hatte er bereits als Kind gespielt. Jetzt steht er beim Bezirksligisten gemeinsam mit seinem Bruder Robin und zwei Cousins auf dem Platz, trainiert wird die Mannschaft von einem engen Freund.

Gegenüber dem BR beschrieb Volland die neue Situation als deutlich entspannter: kurze Wege, wenig Aufwand, mehr Freude am Spiel. Ganz ohne sportlichen Ehrgeiz ist der Wechsel aber nicht gedacht. Volland soll Thalhofen im Aufstiegskampf helfen. Zuletzt lief es jedoch noch nicht optimal: Beim 3:4 gegen den SV Egg an der Günz traf er zwar, die Niederlage konnte er aber nicht verhindern. Auch in Mering erzielte er ein Tor, dort reichte es nur zu einem 2:2.

Ex-Nationalspieler Kevin Volland
Volland beendete seine Profikarriere, um wieder in seiner Heimatstadt zu kicken. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Niklas Süle (30)

Für Niklas Süle ist der Kontrast besonders groß: Statt Champions-League-Abenden vor mehr als 80.000 Zuschauern geht es nun zum SV Tiefenbach im Landkreis Karlsruhe – ein Kreisligist ohne Tribüne. Der frühere Dortmunder und Münchner Nationalspieler freut sich nach eigenen Worten darauf, Fußball wieder aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben: weniger Geschäft, mehr reiner Sport.

Süle kennt Trainer Jason Walzel gut, beide sind befreundet. Wie oft der Innenverteidiger tatsächlich spielen wird, soll er selbst entscheiden. Das erste Spiel ist nach aktuellem Plan für den 16. August vorgesehen. Walzel sagte, viele hielten Tiefenbach nun plötzlich für einen Aufstiegsanwärter.

Schon vor seinem Debüt bringt sich Süle ein, etwa bei der Videoanalyse. Der Verein erlebt seit dem spektakulären Transfer einen regelrechten Hype. Laut Walzel sorgt das zwar für "positiven Stress", könnte dem Club aber helfen, Projekte wie eine Tribüne oder die Modernisierung der Kabinen schneller umzusetzen.

Max Kruse (38)

Max Kruse bleibt dem Berliner Amateurfußball weiter verbunden und spielt seit gut zwei Jahren für BSV Dersim II. Allerdings ist offen, in welcher Liga die Mannschaft künftig antreten wird. Der Club steckt in einem Streitfall um einen möglicherweise nicht spielberechtigten Akteur, der trotz einer unklaren Gelbsperre eingesetzt worden sein soll.

Deshalb steht der sportlich erreichte Aufstieg in die Landesliga auf der Kippe. Über den Fall muss nun das Verbandsgericht des Berliner Fußball-Verbands entscheiden.

Kruses Rückkehr in den höheren Amateurbereich bei TuS Dassendorf in der Hamburger Oberliga in der vergangenen Saison blieb dagegen nur ein kurzes Gastspiel.

Nils Petersen (37)

Nils Petersen läuft auch in dieser Spielzeit wieder für die zweite Mannschaft der Sportfreunde Oberried in der Kreisliga B auf. Der frühere Nationalstürmer und Olympia-Zweite von 2016 erlebt dort immer wieder Besonderheiten des Amateurfußballs, die ihn nach wie vor überraschen. So zeigte er sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur beeindruckt davon, dass manche Spieler kurz vor dem Anpfiff noch rauchen und anschließend dennoch Leistung bringen.

Für die erste Mannschaft steht Petersen nicht zur Verfügung – dafür fehlt ihm die Trainingszeit. In Oberried ist klar, dass er nur für die Zweite spielt. Gegen ihn sind die Gegner besonders motiviert. Petersen sagte, viele wollten sich gern mit einem Ex-Profi messen, und gerade diese Duelle gefielen ihm, auch weil sie sehr fair abliefen.

Wegen seiner Tätigkeit als TV-Experte für DAZN könnte er in dieser Saison allerdings seltener zum Einsatz kommen als noch im Vorjahr.

Dennis Diekmeier (36)

Auch Dennis Diekmeier hat im Amateurfußball ein neues Kapitel begonnen. Die Spielvereinigung Neckarsteinach aus der Kreisklasse A setzt auf die Erfahrung des früheren Außenverteidigers von Hamburger SV, 1. FC Nürnberg und SV Sandhausen, um sportlich nach oben zu kommen.

Bei seinem Einstand setzte Neckarsteinach direkt ein Ausrufezeichen: Im Badischen Pokal gelang ein 4:0 gegen den Oberligisten 1. FC Mühlhausen. Damit avancierte das Team sofort zum Überraschungssieger.

Diekmeier sprach anschließend von einem schönen Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen, und lobte den Einsatz seiner neuen Mitspieler. Seine Profikarriere hatte er vor zwei Jahren in Sandhausen beendet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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