Wirtschaft

Brüssel nimmt Alphabet ins Visier: Mehr als «Hey Google»

Greift die EU jetzt Googles Vormacht an? Kleine Suchmaschinen und KI-Chatbots sollen profitieren – was haben Nutzer davon?

16.07.2026, 17:16 Uhr

EU-Kommission verpflichtet Google zu mehr Offenheit bei Android und Suchdaten

Im Streit um KI-Funktionen auf Android-Geräten und den Zugang zu Suchdaten hat die Europäische Kommission Google verbindliche Auflagen gemacht. Nach Angaben der Brüsseler Wettbewerbshüter muss der US-Konzern künftig Daten auch mit anderen Anbietern von Suchdiensten teilen – darunter Unternehmen, die KI-Chatbots entwickeln. Außerdem soll Google konkurrierenden KI-Assistenten umfassenden Zugriff auf die Funktionen seines Betriebssystems Android ermöglichen.

Nach Darstellung der Kommission sollen die Vorgaben dafür sorgen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa künftig zwischen mehr KI- und Suchangeboten wählen können.

Mehr Spielraum für alternative Assistenten

Geplant ist unter anderem, dass Nutzer auf Android-Geräten ihren bevorzugten KI-Assistenten per Sprachbefehl starten können – ähnlich wie bisher mit „Hey Google“. Darüber hinaus sollen andere KI-Dienste auch Aufgaben in Apps ausführen dürfen, etwa eine Taxifahrt buchen. Nach Einschätzung der EU hält Google solche Möglichkeiten bisher vor allem für den eigenen Dienst Gemini reserviert.

Die zweite Anordnung betrifft den Austausch von Informationen über Suchanfragen, Platzierungen in Suchergebnissen sowie Klick- und Nutzungsdaten. Diese Daten seien für alternative Suchmaschinen wichtig, um ihre Angebote weiterzuentwickeln und zu verbessern, erklärte die Kommission. Damit sollen kleinere Anbieter und KI-Chatbots trotz Googles starker Marktstellung bessere Chancen im Wettbewerb erhalten.

Google warnt vor Risiken für den Datenschutz

Google reagierte erneut kritisch auf die Vorgaben und verwies auf mögliche Gefahren für Datenschutz und Sicherheit. Das Unternehmen erklärte, die Entscheidungen könnten wichtige Schutzmechanismen für Millionen Menschen in Europa schwächen.

Besonders problematisch sei aus Sicht des Konzerns, dass private Suchanfragen an unbekannte Firmen weitergegeben werden könnten. Die EU-Kommission hält dagegen, dass die Regelung eine Anonymisierung der Suchdaten vorschreibt und dafür ein mehrstufiges Verfahren festlegt.

Die neuen Anforderungen zu den Suchdaten muss Google nach Angaben der Kommission ab Januar 2027 umsetzen. Für Android gelten die Vorgaben ab Juli 2027. Grundlage ist das Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA), mit dem die EU den Einfluss großer Online-Plattformen begrenzen will. Google zählt dabei zu den sogenannten Gatekeepern, für die wegen ihrer dominanten Marktposition besondere Regeln gelten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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