Wirtschaft

Bio boomt – warum die Felder nicht mithalten

Bio boomt im Supermarkt – doch deutsche Bauern bremsen. Kassieren am Ende ausgerechnet Importeure den großen Gewinn?

03.11.2026, 13:34 Uhr

Beim Einkauf greifen Verbraucherinnen und Verbraucher zwar häufiger zu Bio-Produkten, auf Deutschlands Äckern wächst der Ökolandbau jedoch weiterhin nur langsam. Nach einer erstmals auf neuer Datengrundlage erstellten Auswertung des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden im vergangenen Jahr 11,4 Prozent der gesamten Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet. Die Zahl der Bio-Betriebe sank leicht auf 28.150. Ihr Anteil an allen Höfen liegt damit bei 11,2 Prozent. Verbraucherschützer verlangen zugleich höhere Standards für die gesamte Landwirtschaft.

Für deutsche Landwirte ist die Entwicklung auf den Feldern entscheidend, wenn sie vom wachsenden Bio-Markt im Inland profitieren wollen. Andernfalls könnten stärker Importe zum Zug kommen. Das Ministerium verweist darauf, dass für die Berechnung der Bio-Zahlen ab diesem Jahr ausschließlich Daten des Statistischen Bundesamts genutzt werden. Dadurch gelte für ökologische und konventionelle Betriebe dieselbe statistische Grundlage. Zuvor waren im Bio-Bereich auch sehr kleine Höfe mit weniger als fünf Hektar einbezogen worden.

Auch Bio-Betriebe vom Strukturwandel betroffen

Dass die Öko-Fläche leicht auf rund 1,9 Millionen Hektar gestiegen ist, während die Zahl der Betriebe zurückging, erklärt das Ministerium mit dem allgemeinen Strukturwandel in der Landwirtschaft. Immer weniger Höfe bewirtschaften im Durchschnitt größere Flächen. Weil insgesamt ebenfalls die Zahl der Betriebe sank, blieb der Anteil der Bio-Höfe an allen landwirtschaftlichen Betrieben mit 11,2 Prozent dennoch unverändert.

Nach Angaben des Ministeriums stellen zwar weiterhin Betriebe auf ökologische Bewirtschaftung um. Gleichzeitig geben aber auch Bio-Höfe auf – etwa wegen fehlender Nachfolge oder weil sie zur konventionellen Produktion zurückkehren. Ob sich eine Umstellung lohnt, ist oft eine wirtschaftliche Abwägung. Im Ökolandbau ist etwa der Aufwand für mechanische Bodenbearbeitung mit Traktoren und Maschinen größer, was die Dieselkosten erhöht. Auf der anderen Seite fallen chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel weg, deren Preise infolge des Iran-Kriegs ebenfalls gestiegen sind.

Umsatz mit Bio-Lebensmitteln legt zu

Die Nachfrage nach Bio-Waren, die meist teurer sind als konventionelle Produkte, wächst seit Jahren weitgehend kontinuierlich – mit Ausnahme eines Dämpfers im Jahr 2022 während der hohen Inflation. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) um 4,3 Prozent auf 14,08 Milliarden Euro. Der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt erreichte demnach im dritten Quartal 2026 mit 8,1 Prozent erstmals einen Höchststand.

BÖLW-Vorsitzende Tina Andres sprach angesichts der Marktentwicklung von einem „Weckruf“. Viele Menschen erwarteten zurecht, dass gerade die Bio-Branche stärker regional produziere. Deshalb müsse die Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen für heimisches Bio schaffen und mehr Betriebe zur Umstellung motivieren.

Foodwatch: Bio bleibt ein Nischenmarkt

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert allerdings einen grundsätzlicheren Umbau der Landwirtschaft. Wer glaube, dass Bio bei dauerhaft hohen Lebensmittelpreisen bald den Massenmarkt dominiere, täusche sich, sagte Geschäftsführer Chris Methmann der Deutschen Presse-Agentur. „Bio bleibt eine Nische.“ Aus seiner Sicht müsse daher die gesamte Landwirtschaft verändert werden. Dazu gehöre unter anderem eine Halbierung der Tierbestände, um Klima- und Umweltziele zu erreichen. Auch der Einsatz von Pestiziden müsse beendet werden.

Das Ministerium betont zudem, dass die neuen Bio-Zahlen wegen der geänderten Datengrundlage nicht direkt mit früheren Angaben vergleichbar sind. Methodisch bedingt fallen die Werte nun etwas niedriger aus. Nach den alten Kriterien hatte der Bio-Flächenanteil für 2024 noch bei 11,5 Prozent gelegen. Das politische Ziel, bis 2030 einen Anteil von 30 Prozent Ökofläche zu erreichen, bleibt damit in weiter Ferne.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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