Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme von Europas größtem Elektronikfachhändler MediaMarktSaturn durch den chinesischen Onlinehandelskonzern JD.com unter Bedingungen genehmigt. Damit soll verhindert werden, dass staatliche Hilfen aus China den Wettbewerb im europäischen Einzelhandel verzerren.
JD.com will den Düsseldorfer Ceconomy-Konzern übernehmen, zu dem MediaMarkt und Saturn gehören. Das Angebot bewertet Ceconomy mit rund 2,2 Milliarden Euro. JD.com und Ceconomy teilten gemeinsam mit, dass mit der Entscheidung aus Brüssel nun alle Angebotsbedingungen erfüllt seien. Der Vollzug der Transaktion werde in den kommenden Tagen erwartet.
EU sieht Risiko durch ausländische Subventionen
Nach Angaben der Kommission erhielt JD.com Unterstützung aus China in Form von Vorzugsfinanzierungen, Steuervergünstigungen und Zuschüssen. Aus Sicht der Wettbewerbshüter bestand das Risiko, dass dadurch finanzierte Kapazitäten später auch Ceconomy zugutekommen und Wettbewerber durch eine aggressive Preispolitik unter Druck geraten könnten.
Um eine solche Quersubventionierung zu verhindern, müssen konzerninterne Geschäfte zwischen JD.com und Ceconomy künftig zu marktüblichen Bedingungen erfolgen. Das gilt besonders für Finanzierungen. Die Unternehmen hatten diese Zusagen im Verfahren selbst vorgeschlagen und sind daran nun zehn Jahre gebunden.
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera lobte den konstruktiven Ansatz der beteiligten Unternehmen. Verbraucherinnen und Verbraucher profitierten von einem wettbewerbsfähigen Einzelhandels- und E-Commerce-Sektor mit gleichen Bedingungen für alle Anbieter, erklärte sie.
Die Zustimmung aus Brüssel ist eine wichtige Voraussetzung für den Eigentümerwechsel. In der EU unterliegt staatliche Beihilfe strengen Regeln, um Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Die Kommission prüft inzwischen auch bestimmte Subventionen von Staaten außerhalb der EU.
Vorwürfe aus Peking
China hatte der EU wegen der Untersuchung bereits im August mit Gegenmaßnahmen gedroht. Das chinesische Justizministerium erklärte damals, man werde entschlossen reagieren, falls Brüssel an seinem Vorgehen festhalte. Zugleich untersagte Peking Organisationen und Einzelpersonen, die EU bei bestimmten Auskunftsersuchen in China zu unterstützen.
Aus Peking hieß es, die Kommission verlange umfangreiche und unnötige Informationen aus China. Die EU hielt dagegen, Ziel seien gleiche Wettbewerbsbedingungen. Ein Sprecher der Kommission betonte damals, mittlerweile würden nicht mehr nur europäische, sondern auch ausländische Subventionen überprüft, damit alle in der EU tätigen Unternehmen unter denselben Bedingungen konkurrieren.
Weitere Prüfungen und Auflagen
Auch Behörden in mehreren Ländern, darunter Deutschland, prüften die Übernahme und gaben schließlich grünes Licht. Die Freigaben erfolgten teils unter Auflagen.
In Deutschland sollen diese unter anderem sicherstellen, dass personenbezogene Kundendaten geschützt bleiben. Zudem erhält die Bundesregierung weitreichende Kontroll- und Überwachungsrechte und kann die Genehmigung bei Verstößen widerrufen.
JD.com hatte das Übernahmeangebot im Sommer 2025 vorgelegt und sich wenige Monate später bereits die Mehrheit der Ceconomy-Aktien gesichert.
Unternehmen wollen Strategie beibehalten
JD.com erklärte nach der Entscheidung, Geschäftsmodell und Strategie von Ceconomy blieben unverändert und bildeten die Grundlage für beschleunigtes Wachstum. Der Vorstand solle weiterhin für die Umsetzung der Geschäftsstrategie und das operative Geschäft verantwortlich bleiben. Zudem habe sich JD.com verbindlich verpflichtet, zentrale Grundlagen für Beschäftigte, Marken und Märkte zu schützen.
MediaMarktSaturn gilt als größter Elektronikfachhändler Europas und ist nach Amazon, Otto und Zalando der viertgrößte Onlineshop in Deutschland. Ceconomy entstand 2017 aus der Abspaltung von Metro.
Der Konzern ist mit mehr als 1.000 Märkten in elf europäischen Ländern vertreten, rund 400 davon in Deutschland. Saturn-Filialen gibt es inzwischen nur noch hierzulande. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr setzte Ceconomy nach vorläufigen Zahlen 24,0 Milliarden Euro um. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg um 27 Prozent auf 515 Millionen Euro. Weltweit beschäftigte das Unternehmen 2024 rund 50.000 Menschen, knapp 20.000 davon in Deutschland.
JD.com zählt mit einem Jahresumsatz von knapp 159 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 zu den größten Handelskonzernen der Welt. Nach Angaben des Forschungsinstituts EHI ist JD.com der größte chinesische Handelskonzern und gehört weltweit zu den zehn größten. Die Gruppe beschäftigt etwa 570.000 Menschen und ist neben dem Onlinehandel auch in den Bereichen Technologie, Logistik und Gesundheit aktiv. In Deutschland ist das Unternehmen bislang nur begrenzt präsent; im März startete JD.com hier den Onlineshop Joybuy.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber