Wirtschaft

Bauernpräsident warnt: Ohne Minijobber geht nichts

Ernte in Gefahr? Bauernpräsident Rukwied schlägt Alarm: Ohne Minijobber droht der Landwirtschaft der nächste Schlag.

02.07.2026, 12:06 Uhr

Bauernpräsident warnt vor Minijob-Aus und fordert Hilfe in der Erntezeit

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, hat Überlegungen zu möglichen Änderungen bei Minijobs erneut scharf kritisiert. Zum Start der Getreideernte im brandenburgischen Rangsdorf erklärte er, ein Wegfall dieser Jobs wäre für die Landwirtschaft nicht hinnehmbar. Gerade landwirtschaftliche Betriebe seien – ähnlich wie die Gastronomie – auf Minijobber angewiesen.

Nach Angaben Rukwieds helfen diese Kräfte vor allem bei Aussaat und Ernte. Für viele Höfe seien sie kaum zu ersetzen. Ein Ende oder eine grundlegende Änderung der Minijobs würde die Betriebe daher zusätzlich treffen – in einer Phase, in der viele landwirtschaftliche Unternehmen wirtschaftlich ohnehin stark unter Druck stehen und teils ums Überleben kämpfen.

Hintergrund ist ein Vorschlag einer Regierungskommission zur Rentenreform der schwarz-roten Koalition. Demnach sollen Minijobs mit einem monatlichen Verdienst von bis zu 603 Euro künftig in die Rentenversicherung einbezogen werden. Zudem empfiehlt die Kommission, die bisherigen steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Sonderregeln weitgehend zu beenden; Ausnahmen soll es nach den bisherigen Überlegungen nur noch für Schülerinnen und Schüler geben. Endgültige Entscheidungen dazu stehen aber noch aus.

Sorge vor Ernteeinbußen durch extreme Hitze

Die diesjährige Getreideernte wird nach Einschätzung des Bauernverbandes zudem von Wetterextremen überschattet. Vor allem die extreme Hitze im Juni könnte zu Ertragseinbußen führen. Rukwied sagte, insbesondere bei späteren Kulturen wie Weizen seien Rückgänge möglich. Insgesamt geht der Verband derzeit aber noch von einer durchschnittlichen Ernte aus – allerdings mit regional deutlichen Unterschieden.

Beim Getreide droht nach seinen Worten sogenannte Notreife. Ab Temperaturen von mehr als 27 Grad schalte die Pflanze in einen Selbsterhaltungsmodus. Die Folge seien kleinere Körner und Qualitätseinbußen, was am Ende den Ertrag mindere. Rukwied verwies in diesem Zusammenhang auf die Folgen des Klimawandels: Hitze, Starkregen und Trockenphasen träten immer häufiger auf.

Die gesamte Getreideanbaufläche in Deutschland liegt dem Bauernverband zufolge in diesem Jahr bei 6,03 Millionen Hektar und damit leicht über dem Vorjahreswert von 5,92 Millionen Hektar.

Bauern fordern längeren Tankrabatt

Zusätzliche Sorgen bereiten vielen Betrieben die gestiegenen Kosten. Rukwied verwies auf sinkende Erzeugerpreise, hohe Ausgaben für Dünger und Diesel sowie auf aus seiner Sicht übermäßige Bürokratie. Der Bauernverband fordert deshalb, den Tankrabatt bis Ende November zu verlängern. Gerade jetzt fielen in der Landwirtschaft die Hauptarbeiten an, und während der Ernte werde besonders viel Treibstoff benötigt.

Wie stark die Belastung ausfällt, schilderte der Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Christoph Plass, am Beispiel seines Betriebs. Für einen einzigen Mähdrescher würden täglich mehr als 1.000 Liter Treibstoff gebraucht. Im Vergleich zum Vorjahr bedeute das Mehrkosten von über 500 Euro pro Tag. Für den gesamten Betrieb summiere sich das auf mehr als 100.000 Euro. Selbst bei einer durchschnittlichen Ernte sei die wirtschaftliche Lage daher schwierig.

Sorge wegen Ausbreitung einer Zikadenart

Neben Wetter und Kosten wächst auch die Sorge vor neuen Schädlingen. Nach Angaben des Bauernverbandes breitet sich die Schilf-Glasflügelzikade bundesweit aus. Das Insekt bedroht den Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse, weil es bakterielle Erreger übertragen kann und dadurch erhebliche Ernteausfälle drohen.

Die bis 2026 erteilten Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel gegen die Zikade verschafften den Betrieben zwar kurzfristig Luft, seien aber keine dauerhafte Lösung, sagte Rukwied. Aus Sicht des Verbandes braucht es langfristig wirksame zugelassene Pflanzenschutzmittel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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