Bauernpräsident warnt vor Änderungen bei Minijobs in der Erntezeit
Zum Start der Getreideernte hat der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, erneut vor Einschnitten bei Minijobs gewarnt. Bei einem Termin im brandenburgischen Rangsdorf südlich von Berlin sagte er, landwirtschaftliche Betriebe seien ebenso wie die Gastronomie auf diese Beschäftigungsform angewiesen.
Minijobber unterstützten die Höfe vor allem bei Aussaat und Ernte. Für viele Betriebe seien diese Kräfte kaum zu ersetzen. Ein Wegfall oder tiefgreifende Änderungen würden die Landwirtschaft zusätzlich belasten – in einer Zeit, in der viele Höfe wirtschaftlich bereits stark unter Druck stehen.
Hintergrund ist die Debatte um die Rentenreform der schwarz-roten Koalition. Eine Regierungskommission hatte vorgeschlagen, Minijobs bis 603 Euro Monatsverdienst in die Rentenversicherung einzubeziehen und Sonderregeln weitgehend abzubauen. Konkrete Festlegungen dazu gibt es aber noch nicht.
Der Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD griff die Rentenvorschläge in seinen jüngsten Reformplänen nicht detailliert auf. Im Steuerteil wurde allerdings festgehalten, dass der Pauschalsteuersatz für sogenannte Minijobs von zwei auf fünf Prozent steigen soll. CSU-Chef Markus Söder verwies darauf, dass eine Erhöhung nicht gleichbedeutend mit einer Abschaffung sei. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, über den rentenpolitischen Umgang mit solchen Beschäftigungsverhältnissen solle im Herbst entschieden werden.
Sorge vor Ernteeinbußen durch extreme Hitze
Nach Einschätzung des Bauernverbandes wird die diesjährige Getreideernte zudem von Wetterextremen überschattet. Vor allem die außergewöhnliche Hitze im Juni könnte Ertragseinbußen verursachen. Rukwied rechnet insbesondere bei späteren Kulturen wie Weizen mit möglichen Rückgängen. Insgesamt erwartet der Verband derzeit aber noch eine durchschnittliche Ernte – wenn auch mit teils deutlichen regionalen Unterschieden.
Beim Getreide droht nach seinen Angaben sogenannte Notreife. Ab Temperaturen von mehr als 27 Grad schalte die Pflanze in einen Selbsterhaltungsmodus. Das führe zu kleineren Körnern und Qualitätsverlusten, was am Ende auch die Erträge schmälere. Rukwied sieht darin unmittelbare Folgen des Klimawandels: Hitze, Starkregen und längere Trockenphasen träten häufiger auf.
Die gesamte Getreideanbaufläche in Deutschland liegt dem Bauernverband zufolge in diesem Jahr bei 6,03 Millionen Hektar. Im Vorjahr waren es 5,92 Millionen Hektar.
Bauern fordern längeren Tankrabatt
Zusätzliche Sorgen bereiten vielen Betrieben die gestiegenen Kosten. Rukwied verwies auf gesunkene Erzeugerpreise, hohe Ausgaben für Dünger und Diesel sowie auf eine aus Sicht des Verbandes übermäßige Bürokratie. Der Bauernverband fordert deshalb, den Tankrabatt bis Ende November zu verlängern.
Zur Begründung hieß es, gerade jetzt liefen in der Landwirtschaft die Hauptarbeiten, und während der Ernte werde besonders viel Treibstoff benötigt. Die Energiekosten setzten viele Betriebe massiv unter Druck.
Wie stark die Belastung ausfällt, schilderte der Vizepräsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Christoph Plass, am Beispiel seines Betriebs. Für nur einen Mähdrescher würden täglich mehr als 1.000 Liter Treibstoff gebraucht. Im Vergleich zum Vorjahr entspreche das Mehrkosten von über 500 Euro pro Tag. Für den gesamten Betrieb summiere sich das auf mehr als 100.000 Euro. Plass sprach von blanker Frustration und betonte, dass selbst eine durchschnittliche Ernte wirtschaftlich keine Entspannung bringe.
Sorge wegen Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade
Neben Wetter und Kosten wächst auch die Sorge vor neuen Schädlingen. Nach Angaben des Bauernverbandes breitet sich die Schilf-Glasflügelzikade bundesweit aus. Das Insekt bedroht den Anbau von Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse, weil es bakterielle Erreger übertragen kann und damit erhebliche Ernteausfälle drohen.
Die bis 2026 erteilten Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmittel gegen die Zikade verschafften den Betrieben zwar kurzfristig Luft, seien aber keine dauerhafte Lösung, sagte Rukwied. Aus Sicht des Verbandes werden langfristig reguläre Zulassungen für wirksame Pflanzenschutzmittel benötigt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber