Wirtschaft

Nach Reiche-Treffen: China warnt Deutschland scharf

Geheimes Signal aus Peking? In Brüssel geht es um fairen Handel – und um Deutschlands brisante Rolle im Machtpoker mit der EU.

02.07.2026, 12:29 Uhr

Vor dem Hintergrund verschärfter Handelskonflikte hat China Deutschland nach dem Gespräch zwischen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Chinas Handelsminister Wang Wentao zu mehr Fairness aufgerufen. Der Sprecher des chinesischen Handelsministeriums, He Yadong, erklärte in Peking, Deutschland und China sollten sich angesichts wachsender protektionistischer Tendenzen für freien Handel einsetzen, den gegenseitigen Zugang zu ihren Märkten verbessern und ein offenes, faires sowie diskriminierungsfreies Umfeld für Unternehmen schaffen.

Wang hatte Reiche am Sonntag in Brüssel getroffen. Einen Tag später sprach er dort auch mit EU-Handelskommissar Maros Sefcovic. Im Mittelpunkt standen dabei Chinas Ausfuhrbeschränkungen für seltene Erden und daraus hergestellte Magnete sowie die Fortsetzung wirtschaftspolitischer Gespräche.

Reiche strebt gemeinsamen Ausschuss an

Nach Angaben des chinesischen Handelsministeriums äußerte Wang bei dem Treffen mit Reiche die Hoffnung, Deutschland werde innerhalb der EU eine aktive Rolle übernehmen und Brüssel zu einem aus chinesischer Sicht sachlicheren Kurs in der Handelspolitik gegenüber China bewegen. Außerdem hätten sich beide Seiten nach Reiches erstem Besuch in Peking Ende Mai darauf verständigt, einen gemeinsamen Wirtschaftsausschuss möglichst bald wieder einzusetzen.

Sefcovic zufolge versicherte Wang zudem, dass die bestehenden Exportkontrollen die Lieferketten in der EU nicht stören würden. Auf Nachfrage ließ Ministeriumssprecher He offen, was diese Zusage im Detail bedeutet. Parallel dazu nahmen beide Seiten neue Konsultationen zu Handel und Investitionen auf, um bestehende Konflikte abzubauen.

Experte sieht Stimmungswechsel in Europa

Die Europäische Union verzeichnet wegen der hohen chinesischen Ausfuhren nach Europa ein deutliches Handelsdefizit gegenüber China. Gleichzeitig, so Sefcovic, verlieren europäische Unternehmen Marktanteile auf dem chinesischen Markt. Für den Fall, dass sich die Handelsstreitigkeiten nicht entschärfen, wurden in der EU zuletzt auch zusätzliche Zölle auf chinesische Importe in Betracht gezogen.

Der China-Experte Gabriel Wildau von der Beratungsfirma Teneo sagte, die Bedrohung für die europäische Industrie habe bei den politischen Spitzen in Europa offenbar zu einem Wendepunkt beim Problembewusstsein geführt. Inzwischen sei deutlich, dass Peking nicht bereit sei, einseitig gegen das vorzugehen, was Brüssel als massive industrielle Überkapazitäten betrachtet.

Die Gespräche mit der EU fanden zudem während einer starken Hitzewelle in Europa statt, die die Nachfrage nach Klimaanlagen steigen ließ und erneut die Abhängigkeit von chinesischen Anbietern sichtbar machte. In diesem Markt spielen chinesische Unternehmen wie der Haushaltsgerätehersteller Midea eine wichtige Rolle. Nach Angaben von Xiong Xueqin, Mideas Europa-Chef für Klimaanlagen, hat sich der Absatz von mehr als 200.000 Split-Geräten in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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