Wirtschaft

Audi-Warnstreik: Vorstand massiv in der Kritik

Audi setzt auf Amerika – und spart daheim: In Ingolstadt kocht der Protest der Nachtschicht hoch.

03.11.2026, 02:27 Uhr

Warnstreiks in Bayern deutlich ausgeweitet

Die IG Metall hat ihre Warnstreiks in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie spürbar ausgeweitet. Nach Angaben der Landesbezirksleitung beteiligten sich am Dienstag 8.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus 40 Betrieben an den Aktionen – deutlich mehr als an den beiden Vortagen.

Die größte Kundgebung begann bereits am Montag kurz vor Mitternacht bei Audi in Ingolstadt. Dort legten laut Gewerkschaft rund 3.000 Beschäftigte der Nachtschicht für zwei Stunden die Arbeit nieder. Sie forderten höhere Löhne und protestierten zugleich gegen die Sparpläne des Unternehmens.

Weitere Kundgebungen und neue Schaeffler-Sparpläne

Größere Kundgebungen gab es im Tagesverlauf unter anderem in Passau und Augsburg. Zu Arbeitsniederlegungen kam es laut IG Metall außerdem unter anderem beim Autozulieferer ZF und beim Rüstungsunternehmen Renk.

Überlagert wurden die Warnstreiks von einer neuen Sparankündigung bei Schaeffler. Der Autozulieferer will in Deutschland bis 2029 weitere 2.660 Stellen abbauen.

Scharfe Kritik am Audi-Chef

Bei Audi ging es nicht nur um die Tarifrunde. Der bayerische IG-Metall-Landesbezirksleiter Horst Ott griff Audi-Chef Gernot Döllner wegen dessen Auftritts bei einem Wahlkampftermin von US-Präsident Donald Trump scharf an. Döllner vertrete Audi auf diese Weise „armselig“, sagte Ott nach Gewerkschaftsangaben bei der bislang größten Kundgebung der laufenden Warnstreikwelle in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie.

Audi unter Spardruck – Debatte um deutsche Standorte

Audi steht wirtschaftlich unter Druck und will Kosten senken. Döllner hatte in den USA den Bau eines neuen Werks angekündigt. In Deutschland verweist der Vorstand auf die sogenannte Schlechtwetterklausel. Sie sieht Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Sparmaßnahmen vor, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern. Im Mittelpunkt der Debatte steht weiter vor allem eine mögliche Schließung des Audi-Standorts Neckarsulm.

Ott machte zwar deutlich, dass eine Produktion in den USA grundsätzlich nachvollziehbar sei. Kritisch sei aus seiner Sicht aber der Zeitpunkt der Ankündigung. Das sei respektlos gegenüber den Beschäftigten an den deutschen Standorten.

Tarifparteien liegen weiter weit auseinander

In der laufenden Tarifrunde hatten die Arbeitgeber in der vergangenen Woche ein Angebot vorgelegt, das aus Sicht der Gewerkschaft unterhalb der Inflationsrate liegt und damit Reallohnverzicht bedeuten würde. Vorgesehen sind ein Tarifvertrag mit zwei Jahren Laufzeit, eine Einmalzahlung von einem Prozent des Bruttojahresgehalts im Sommer 2027 sowie eine Tariferhöhung um 1,3 Prozent ab Sommer 2028.

Die IG Metall lehnt das Angebot ab. Sie fordert fünf Prozent mehr Entgelt sowie 110 Euro zusätzlich für Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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