Wirtschaft

Anlagen-Sabotage: Experte attackiert Hersteller

Supermarkt-Hacks sind erst der Anfang: Warum Kühlanlagen, Wärmepumpen & Co. laut Experten viel strenger geprüft werden müssen

04.11.2026, 03:00 Uhr

Nach den Cyberattacken auf Kühlanlagen in Supermärkten in Deutschland und anderen europäischen Ländern nimmt der Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer vor allem die Hersteller vernetzter Systeme in die Verantwortung. Aus seiner Sicht ist es ein schwerwiegender Fehler, wenn Steuerungsanlagen weiterhin mit unveränderten Standardeinstellungen und voreingestellten Passwörtern ausgeliefert und betrieben werden. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bezeichnete er das als „völlig unverzeihlich“. Hersteller hätten den Betreibern nach seiner Auffassung längst Aktualisierungen bereitstellen müssen, die eine Änderung solcher Standardzugänge zwingend vorgeben.

Sichere Absicherung technisch problemlos möglich

Fischer fordert, dass Systeme schon bei der ersten Inbetriebnahme so eingerichtet sein müssen, dass Nutzer individuelle Zugangsdaten festlegen. Ein automatisierter Fernzugriff für Wartung und Service sei zwar grundsätzlich sinnvoll, sagte der Cyberabwehr-Experte. Allerdings gebe es heute ausreichend technische Lösungen, um solche Zugänge wirksam zu schützen – etwa durch Zertifikate und asymmetrische Verschlüsselung. Die dafür erforderliche Rechenleistung sei bei modernen Steuerungssystemen längst vorhanden.

Problem reicht weit über den Handel hinaus

Nach Ansicht Fischers betrifft die Sicherheitslücke nicht nur den Lebensmitteleinzelhandel. Vernetzte Technik komme inzwischen in vielen Bereichen zum Einsatz, etwa bei Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen. Auch im privaten Umfeld würden immer mehr Geräte mit dem Internet verbunden, obwohl das oft gar nicht nötig sei. Fischer warnte deshalb davor, sämtliche Technik online anzubinden. Wo ein Internetzugang unvermeidbar sei, müssten zuverlässige Schutzmechanismen Pflicht sein.

Zugleich sprach sich der Experte für strengere Kontrollen aus. Verbraucherschutzinstitutionen wie die Stiftung Warentest sollten aus seiner Sicht verbindliche Mindeststandards für IT-Sicherheit als festen Bestandteil ihrer Bewertungen einführen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen