DVR fordert höhere Strafen für Handy am Steuer und unterstützt Einsatz von Monocams
Wer während der Fahrt das Handy in der Hand nutzt, handelt nach Ansicht von Verkehrsexperten besonders riskant. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) plädiert deshalb für deutlich höhere Bußgelder und befürwortet zugleich den Einsatz sogenannter Monocams. Diese Kamerasysteme sollen automatisch erkennen, ob Fahrerinnen und Fahrer während der Fahrt ein Mobiltelefon benutzen.
DVR-Präsident Manfred Wirsch sprach von einer sinnvollen Maßnahme für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe erklärte er, solche "Handy-Blitzer" könnten abschreckend wirken. Wer jederzeit mit einer Entdeckung rechnen müsse, werde eher darauf verzichten, das Smartphone am Steuer in die Hand zu nehmen.
Erfahrungen aus Deutschland und dem Ausland
Zur Begründung verwies Wirsch auf bereits vorliegende Erfahrungen. Bei einem Test in Trier sei die registrierte Handynutzung am Steuer um rund 70 Prozent zurückgegangen. Im australischen Bundesstaat New South Wales sei die Zahl der Verstöße seit 2019 sogar um etwa 82 Prozent gesunken.
Mehr als 1.100 Unfälle mit Personenschaden
Wie gefährlich Ablenkung durch elektronische Geräte ist, zeigten nach Angaben des DVR Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach wurden für 2025 mehr als 1.100 Unfälle mit Personenschaden erfasst, bei denen die Nutzung elektronischer Geräte als Ursache festgestellt wurde. Dabei kamen 15 Menschen ums Leben, 199 wurden schwer verletzt und 1.257 weitere leicht verletzt. Allerdings beziehen sich diese Daten auf alle elektronischen Geräte und nicht nur auf Smartphones.
Vor diesem Hintergrund hält der DVR die bisherigen Sanktionen für unzureichend. Wirsch verwies darauf, dass bereits ein Verstoß gegen die 0,5-Promille-Grenze mit 500 Euro geahndet wird. Aus Sicht des Verkehrssicherheitsrates sollte das Bußgeld für Handyverstöße am Steuer mindestens in dieser Höhe liegen. Grundlage dafür sei auch eine in diesem Jahr veröffentlichte Studie, nach der das Unfallrisiko durch Ablenkung via Smartphone, Touchscreen oder andere digitale Anwendungen höher gewesen sei als unter einem simulierten Alkoholeinfluss von 0,8 Promille.
Derzeit drohen 100 bis 200 Euro
Nach Angaben des ADAC kostet das unerlaubte Telefonieren mit dem Handy am Steuer derzeit 100 Euro und bringt zudem einen Punkt in Flensburg. Kommt es dabei zu einer Gefährdung, steigt die Geldbuße auf 150 Euro, bei einem Unfall auf 200 Euro. In diesen Fällen werden außerdem zwei Punkte sowie ein einmonatiges Fahrverbot fällig.
Der DVR ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Als Dachverband bündelt er mehr als 200 Organisationen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, die sich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr einsetzen.
Bilger: Zahl der Unfälle steigt
Auch Verkehrsminister Steffen Bilger unterstützt strengere Kontrollen. Er hatte erklärt, dass jedes Jahr mehr als tausend Unfälle durch elektronische Geräte wie Handys am Steuer verursacht würden – mit steigender Tendenz. Das sei nicht hinnehmbar. Innovative Technik wie Handy-Blitzer könne helfen, Verstöße konsequenter zu verfolgen und die Sicherheit auf den Straßen spürbar zu erhöhen.
So funktionieren Monocams
Monocams sind hochauflösende Kameras, die schräg nach unten ausgerichtet sind und durch die Frontscheibe in Fahrzeuge hinein fotografieren. Das System prüft, ob sich im Bereich der fahrenden Person ein Mobiltelefon befindet und ob eine typische Handhaltung für die Nutzung erkennbar ist. Sind beide Merkmale vorhanden, wird ein Bild aufgenommen. Anschließend werten geschulte Polizeikräfte das Material aus.
Grundsätzlich verboten ist Telefonieren im Auto nicht. Erlaubt sind Gespräche über Freisprechanlagen, fest eingebaute Fahrzeugsysteme oder Bluetooth-Headsets. Unzulässig ist es jedoch, das Handy während der Fahrt in die Hand zu nehmen oder ans Ohr zu halten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber