Politik

US-Wahl: Diese ersten Ergebnisse überraschen jetzt

Noch wird in vielen US-Staaten gewählt – doch diese ersten Midterm-Sieger stehen schon fest. Wer überrascht jetzt schon?

04.11.2026, 01:43 Uhr

Bei den US-Kongresswahlen sind nach ersten Hochrechnungen weitere frühe Entscheidungen gefallen. Größere Überraschungen blieben zunächst aus – mit einer wichtigen Ausnahme: In Texas haben die Demokraten Prognosen zufolge erstmals seit fast 40 Jahren das Senatsrennen gewonnen. Zuvor hatten sie bereits ihre Sitze in Virginia und Georgia verteidigt sowie in North Carolina und South Carolina zusätzliche Mandate erobert.

Der Erfolg in Texas hat dabei besonderes Gewicht: Mit James Talarico nahmen die Demokraten den Republikanern ausgerechnet in einer langjährigen konservativen Hochburg einen Sitz im 100 Sitze umfassenden Senat ab. Nach ihren Gewinnen in North Carolina und South Carolina wäre es bereits der dritte Senatssitz, den sie den Republikanern abnehmen.

Nach Hochrechnungen von NBC News und CBS News setzte sich Talarico gegen den von Präsident Donald Trump unterstützten Republikaner Ken Paxton durch. Die Sender stützten sich dabei auf Wählerbefragungen und bereits ausgezählte Stimmen. Für die Republikaner ist das Ergebnis eine bittere Niederlage mit hoher Symbolkraft weit über Texas hinaus.

Der Sieg des 37-jährigen Talarico ist auch für Trump persönlich ein Rückschlag. Trump hatte bereits in der republikanischen Vorwahl für Paxton geworben, der sich damals gegen den langjährigen Amtsinhaber John Cornyn durchgesetzt hatte. Im Hauptwahlkampf machte Trump mehrfach in Texas Station und rief seine Anhänger bei einem Auftritt in San Antonio dazu auf, für Paxton zu stimmen. Zuvor hatten die Republikaner sogar ihren ersten großen Parteitag vor Zwischenwahlen überhaupt in Dallas abgehalten.

Auch Tech-Milliardär Elon Musk mischte sich in das Rennen ein. US-Medien zufolge flossen mehr als 150 Millionen Dollar in Paxtons Wahlkampf. Auf seiner Plattform X agitierte Musk zudem gegen Talarico. Der Demokrat griff das im Endspurt offensiv auf und warf Musk vor, den Senatssitz in Texas kaufen zu wollen. Seine Antwort an die Wähler lautete sinngemäß: Texas steht nicht zum Verkauf.

Talarico präsentierte sich im Wahlkampf als Kandidat für ein bezahlbares Leben und als Gegner von Korruption. Paxton stellte er als Symbol eines aus seiner Sicht kaputten politischen Systems dar. Der Demokrat argumentierte, bei der Wahl gehe es darum, ob die Menschen einen Senator wollten, der ihnen finanziell helfe – oder einen, der sich selbst bereichere.

Paxton gilt in den USA seit langem als umstritten. Medien beschrieben ihn häufig als skandalgebeutelt. In seiner Zeit als Generalstaatsanwalt von Texas sah er sich unter anderem mit einem Amtsenthebungsverfahren wegen Vorwürfen von Korruption und Amtsmissbrauch konfrontiert. Auch private Turbulenzen belasteten ihn zuletzt.

Talarico arbeitete früher als Lehrer in Texas und wurde 2018 erstmals ins Repräsentantenhaus des Bundesstaats gewählt. Im Wahlkampf sprach er auch immer wieder über seinen christlichen Glauben. Er setzte auf eine Botschaft der Nächstenliebe und beschrieb Texas als Bundesstaat, dessen Stärke in seiner kulturellen Vielfalt liege.

Der seit 2021 amtierende demokratische Senator Jon Ossoff setzte sich in Georgia nach Prognosen von NBC News und CBS News gegen den Republikaner Mike Collins durch. Die Sender stützten sich dabei auf Wählerbefragungen und bereits ausgezählte Stimmen. In Virginia war zuvor schon der Demokrat Mark Warner als Sieger eines der ersten entschiedenen Senatsrennen gemeldet worden.

Auch in North Carolina gelang den Demokraten ein wichtiger Erfolg. Ihr Kandidat Roy Cooper gewann die Senatswahl dort nach Hochrechnungen der Nachrichtenagentur AP, die sich auf Wählerbefragungen und die laufende Stimmauszählung stützte. Damit nahmen die Demokraten den Republikanern einen Sitz im Senat ab.

Cooper, früher Gouverneur des Bundesstaats, setzte sich gegen den früheren republikanischen Parteichef Michael Whatley durch. In seinem Wahlkampf griff er vor allem die Sorgen vieler Bürgerinnen und Bürger über hohe Lebenshaltungskosten auf und warb mit seiner langjährigen politischen Erfahrung sowie seiner Arbeit auf Ebene des Bundesstaats.

Der Sitz in North Carolina war zuvor von dem Republikaner Thom Tillis gehalten worden, der nicht erneut antrat. Tillis hatte sich zuletzt als scharfer Kritiker von Präsident Trump profiliert, obwohl die Republikaner in weiten Teilen als Partei Trumps wahrgenommen werden. Whatley wiederum gilt als enger Vertrauter Trumps und unterstützte ihn auch bei dessen vielfach widerlegter Behauptung, ihm sei der Sieg bei der Präsidentenwahl 2020 durch massiven Betrug genommen worden.

Auch in South Carolina mussten die Republikaner Hochrechnungen zufolge einen Senatssitz an die Demokraten abgeben. Die von Präsident Trump unterstützte Republikanerin Darline Graham Nordone unterlag nach Berichten von NBC News und CBS News der Demokratin Annie Andrews. Grundlage waren Stimmauszählungen und Wählerbefragungen.

Die Niederlage wiegt für die Republikaner besonders schwer, weil Beobachter ihnen in South Carolina zuvor die besseren Chancen eingeräumt hatten. Analysten des überparteilichen Cook Political Report sahen das Rennen vorab eher zugunsten der Republikaner. Der Bundesstaat an der Ostküste mit rund 5,6 Millionen Einwohnern wird seit Jahrzehnten republikanisch regiert; auch bei Präsidentschaftswahlen liegen dort traditionell Kandidaten der Republikaner vorne.

Graham Nordones Kandidatur galt auch deshalb als ungewöhnlich, weil die 62-Jährige vor dem Tod ihres Bruders politisch kaum in Erscheinung getreten war. Sie baute ihren Wahlkampf stark auf Trumps Unterstützung sowie auf das politische Erbe ihres Bruders auf und warb mit konservativen Werten.

Graham Nordone ist die Schwester des im Sommer gestorbenen Senators Lindsey Graham. Der langjährige Senator galt als enger Verbündeter Trumps und als eine der wichtigsten außenpolitischen Stimmen in Washington. Er starb im Juli im Alter von 71 Jahren überraschend an den Folgen einer Gefäßerkrankung und war bereits als Kandidat für die Zwischenwahlen gesetzt gewesen.

Ossoffs Erfolg in Georgia zählt ebenfalls zu den ersten Entscheidungen im Rennen um den Senat. Der 39-Jährige arbeitete früher als Journalist und profilierte sich in Washington nach eigenen Angaben unter anderem mit dem Einsatz gegen Korruption und Machtmissbrauch in staatlichen Institutionen.

Aufsehen erregte Ossoff zuletzt mit scharfer Kritik an Präsident Trump. Er warf ihm vor, sich eher mit dem Bau eines Ballsaals und Reisen mit Natalie Harp in einem vom Emir von Katar geschenkten Flugzeug zu beschäftigen, als sich auf die Aufgaben des Präsidenten zu konzentrieren. Gemeint war die neue Präsidentenmaschine Air Force One, die Katar den USA geschenkt hatte. Auch die enge Verbindung zwischen Harp und Trump war danach erneut Thema. Nach Angaben des Weißen Hauses arbeitet Harp als Assistentin des Präsidenten.

Der Bundesstaat Georgia im Südosten der USA hat nach Zensusangaben aus dem Jahr 2025 rund elf Millionen Einwohner. Die Hauptstadt ist Atlanta.

Im Ringen um die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus zeichnen sich unterdessen erste positive Signale für die Demokraten ab. In North Carolina eroberte ihr Kandidat Jamie Ager laut Hochrechnungen einen Wahlkreis, der bislang von den Republikanern gehalten worden war, wie AP meldete.

Auch in Florida konnten die Demokraten frühe Erfolge verbuchen. Nach AP-Angaben verteidigten Kathy Castor und Jared Moskowitz ihre Sitze im Repräsentantenhaus. Zudem setzte sich die Demokratin Pia Dandiya in einem bisher demokratisch gehaltenen Wahlkreis in Südflorida durch.

Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil die Republikaner die Grenzen aller drei Wahlkreise in diesem Jahr zu ihren Gunsten neu gezogen hatten. Damit wollten sie mehrere bislang demokratisch vertretene Sitze gewinnen, um erwartete Verluste in anderen Landesteilen auszugleichen. Insgesamt hatten sie dabei vier solcher Wahlkreise im Blick.

Vor der Abstimmung hatten Umfragen den Demokraten gute Chancen eingeräumt, die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zu gewinnen. Dort verfügten die Republikaner bisher nur über eine hauchdünne Mehrheit mit 218 der 435 Sitze. Bei den Kongresswahlen werden alle 435 Mandate im Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Senatssitze neu vergeben. Weil viele Wahlkreise als sichere Hochburgen einer der beiden Parteien gelten, richtet sich der Blick vor allem auf besonders umkämpfte Rennen.

Derzeit verfügen die Republikaner von Präsident Trump in beiden Kammern des US-Parlaments noch über knappe Mehrheiten. Im Senat war im Vorfeld ein besonders enges Rennen erwartet worden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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