Wirtschaft

Allianz warnt: Deutschland reißt mit der Welt Klimaziele

Trotz USA und fossiler Bremsen kommt der Klimaschutz voran. Doch laut Allianz-Studie gibt es ein alarmierendes Problem.

05.11.2026, 05:00 Uhr

Die Allianz geht in einer aktuellen Analyse davon aus, dass weder die Weltgemeinschaft noch Deutschland oder die EU ihr Ziel erreichen werden, bis 2050 klimaneutral zu werden. Beim derzeitigen Entwicklungstempo würde die globale Klimaneutralität demnach erst 2064 erreicht, die Europäische Union käme auf 2057 und Deutschland auf 2051. Damit rückt auch das 1,5-Grad-Ziel faktisch in weite Ferne. Im deutschsprachigen Raum liegt laut Studie die Schweiz vorn, vor Deutschland und Österreich.

China bleibt größter Emittent

Der Münchner Versicherungskonzern hat seinen „Green Transition Tracker“ zum zweiten Mal vorgelegt. Untersucht wurden 64 Länder, die zusammen den Großteil der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen. Mit deutlichem Abstand bleibt China der größte Verursacher: Rund 30 Prozent der globalen Emissionen entfallen laut Allianz auf die Volksrepublik. Dahinter folgen die USA mit elf Prozent.

Europa weiterhin vorne, aber mit weniger Schwung

Im Ländervergleich belegt Luxemburg den Spitzenplatz. Die Schweiz rangiert auf Platz acht, Deutschland auf Rang zwölf und Österreich auf Platz 19. Die EU bleibt laut Auswertung mit einem Anteil von sechs Prozent führend beim Rückgang der CO2-Emissionen, allerdings verliert die Entwicklung an Dynamik. Auch Deutschland kommt demnach nicht schnell genug voran, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 sicher zu erreichen. Das offizielle deutsche Zieljahr 2045 wird in der Studie nicht aufgegriffen.

Fortschritte trotz politischer Widerstände

Trotz nachlassender politischer Unterstützung in vielen Staaten und des klimapolitischen Rückzugs der USA unter Präsident Donald Trump sieht die Allianz insgesamt Bewegung beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern. In 56 der 64 untersuchten Länder sind die Emissionen den Angaben zufolge weiter gesunken.

Erneuerbare ziehen an Kohle vorbei

Für 2025 sieht die Studie einen wichtigen Einschnitt: Erstmals liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der weltweiten Stromproduktion mit 33,5 Prozent leicht über dem der Kohle, die auf 33,2 Prozent kommt. Als wesentlicher Auslöser gilt diesmal weniger die Klimapolitik als vielmehr die Wirtschaftlichkeit. Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Anstieg der Öl- und Gaspreise führt laut Studie dazu, dass fossile Energien eingespart werden und gleichzeitig die Nachfrage nach Elektroautos und Solaranlagen zunimmt.

Für das laufende Jahr hält die Allianz deshalb sogar einen leichten Rückgang der weltweiten CO2-Emissionen um 0,5 Prozent für möglich. Am Ende des Rankings stehen Aserbaidschan und der Iran. In beiden Ländern seien bislang keine messbaren Fortschritte beim Klimaschutz erkennbar.

Versicherungsbranche sieht klare Klimarisiken

Die Allianz erstellt wie andere große Versicherer eigene volkswirtschaftliche Analysen. Für die Branche ist das Thema nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich relevant: Nach den Schadendaten der Unternehmen gehen steigende Durchschnittstemperaturen langfristig mit höheren Schäden durch Extremwetter und Überschwemmungen einher, auch wenn sich dieser Zusammenhang nicht in jedem einzelnen Jahr gleich stark zeigt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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