Kritik an Erfolgsbeteiligung für Jagdfeld
Im Kreis der Eigentümer des berühmten Berliner Hotels Adlon regt sich Widerstand gegen die geplante Veräußerung der Luxusimmobilie. Besonders umstritten ist eine erfolgsabhängige Vergütung für die Immobiliengesellschaft Jagdfeld. Nach übereinstimmenden Informationen soll das Unternehmen 20 Prozent des Mehrerlöses erhalten, wenn der Kaufpreis über 310 Millionen Euro liegt. Als Mindestpreis für die Immobilie sind 280 Millionen Euro angesetzt.
Jagdfeld verteidigte dieses Modell auf Anfrage als marktüblich. Wenn der Mindestverkaufspreis übertroffen werde, profitierten nicht nur die Anleger, sondern auch der persönlich haftende Gesellschafter. Dadurch entstehe ein gemeinsames Interesse an einem möglichst hohen Erlös. Die zusätzliche Vergütung sei eine Honorierung für eine außergewöhnliche Leistung, die zu einem hohen Verkaufspreis führe.
75 Prozent Zustimmung notwendig
Das Luxushotel am Pariser Platz ist Teil des Fundus-Fonds 31, der von Jagdfeld gemanagt wird. Nach Unternehmensangaben gehört der Fonds – und damit auch das Adlon – rund 4.000 Eigentümern, überwiegend Privatanlegern. Weil viele von ihnen inzwischen in einem Alter seien, in dem sie sich von ihren Beteiligungen trennen wollten, strebt Jagdfeld den Verkauf an.
Die Jagdfeld-Gruppe hatte zuletzt erklärt, mit einem Verkauf komme man dem Wunsch vieler Anlegerinnen und Anleger am besten entgegen und könne zugleich den höchstmöglichen Preis erzielen. Die Fondsgesellschaft sei in der Lage, diesen Schritt aus eigener Entscheidung zu gehen und Deutschlands berühmtestes Hotel in neue Hände zu geben. Voraussetzung dafür ist jedoch die Zustimmung von mindestens 75 Prozent der Anleger. Die Abstimmungsfrist läuft bis 27. August.
Kritische Anleger fürchten Millionenbetrag
Mehrere kritische Gesellschafter, die anonym bleiben möchten, halten nach eigenen Angaben zusammen Anteile im Wert von mehreren Hunderttausend Euro an dem Fonds. Ihrer Einschätzung nach könnte das Adlon einen Preis zwischen 350 und 400 Millionen Euro erzielen. In diesem Fall könnte sich die Erfolgsbeteiligung für Jagdfeld auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen.
Genau das stößt bei den Kritikern auf Ablehnung. Aus ihrer Sicht wäre diese Zusatzvergütung zu hoch, weshalb sie dem Verkauf nicht zustimmen wollen. Um die Veräußerung tatsächlich noch zu stoppen, müssten sich allerdings weitere größere Gesellschafter anschließen.
Jagdfeld erklärte dagegen, unter den Anlegern sei eine sehr positive Stimmung zu spüren. Das Unternehmen zeigte sich zuversichtlich, dass die notwendige Mehrheit zustande kommen werde.
Felix Adlon von Verkaufsplänen überrascht
Das traditionsreiche Hotel in Ostberlin wurde vor fast 120 Jahren von Lorenz Adlon gegründet. 1945 brannte es bis auf einen Seitenflügel nieder, 1984 wurde auch der verbliebene Rest vollständig abgerissen. In den 1990er Jahren entstand das Haus nach Originalplänen neu und wurde am 23. August 1997 wieder eröffnet. Heute wird das Adlon von der Luxushotelgruppe Kempinski betrieben.
Felix Adlon, der Ururenkel des Gründers, zeigte sich zuletzt überrascht über die Verkaufspläne. Mit den heutigen Pächtern ist der 59-Jährige nach eigenen Worten zufrieden. Kempinski führe das Hotel gut, und Jagdfeld habe das neue Adlon mit Stil und Klasse wieder aufgebaut, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Am liebsten würde er das Hotel samt Namen jedoch selbst zurückkaufen. Mit Blick auf die Markenrechte erklärte Adlon, er könne nicht einmal ein Stück Seife unter seinem Namen verkaufen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber