Wirtschaft

Adlon-Verkauf: Gesellschafter schlagen Alarm

Adlon vor Mega-Deal: Der Verkauf des Berliner Luxushotels wackelt plötzlich – ausgerechnet Gesellschafter stellen sich quer.

19.08.2026, 03:50 Uhr

Kritik aus Gesellschafterkreis am geplanten Adlon-Verkauf

Im Kreis der Eigentümer des berühmten Berliner Hotels Adlon regt sich Widerstand gegen die geplante Veräußerung der Luxusimmobilie. Besonders umstritten ist dabei eine erfolgsabhängige Vergütung für die Immobiliengesellschaft Jagdfeld. Nach übereinstimmenden Informationen soll das Unternehmen 20 Prozent des Kaufpreises erhalten, sofern dieser über 310 Millionen Euro liegt. Als Untergrenze für den Verkauf sind 280 Millionen Euro vorgesehen.

Jagdfeld verteidigte dieses Modell auf Anfrage als branchenüblich. Wenn der Mindestpreis überschritten werde, profitierten nicht nur die Anleger, sondern auch der persönlich haftende Gesellschafter. Dadurch bestehe ein gemeinsames Interesse an einem möglichst hohen Erlös, hieß es. Die zusätzliche Vergütung sei eine Anerkennung für die Leistung, die zu einem hohen Verkaufspreis führe.

Zustimmung von 75 Prozent erforderlich

Das Hotel am Pariser Platz gehört zum Fundus-Fonds 31, der von Jagdfeld verwaltet wird. Nach Angaben des Unternehmens verteilt sich der Fonds auf rund 4.000 Eigentümer, überwiegend Privatanleger. Da viele von ihnen mittlerweile in einem Alter seien, in dem sie sich von ihren Beteiligungen trennen wollten, strebe Jagdfeld nun einen Verkauf an.

Die Gruppe hatte zuletzt erklärt, mit einem Verkauf komme man dem Wunsch vieler Anleger am besten entgegen und könne zugleich den höchstmöglichen Preis erzielen. Man sei in der Lage, das traditionsreiche Hotel aus eigener Entscheidung in neue Hände zu geben. Voraussetzung dafür ist jedoch die Zustimmung von mindestens 75 Prozent der Anleger. Die Abstimmungsfrist endet am 27. August.

Hohe Beteiligung für Jagdfeld sorgt für Unmut

Mehrere kritische Gesellschafter, die anonym bleiben möchten, halten nach eigenen Angaben zusammen Anteile im Wert von mehreren Hunderttausend Euro an dem Fonds. Ihrer Einschätzung nach könnte das Adlon zwischen 350 und 400 Millionen Euro einbringen. In diesem Fall würde Jagdfeld eine Erfolgsbeteiligung in zweistelliger Millionenhöhe erhalten. Genau das stößt bei den Kritikern auf Ablehnung.

Aus ihrer Sicht wäre diese Summe zu hoch, weshalb sie dem Verkauf nicht zustimmen wollen. Um die Veräußerung tatsächlich zu stoppen, müssten sich jedoch noch weitere größere Gesellschafter anschließen.

Jagdfeld erklärte dagegen, unter den Anlegern sei eine „sehr positive Stimmung“ zu spüren. Das Unternehmen zeigte sich überzeugt, dass die notwendige Mehrheit zustande kommen werde.

Felix Adlon zeigt sich überrascht

Das traditionsreiche Hotel in Ostberlin wurde vor fast 120 Jahren von Lorenz Adlon gegründet. 1945 brannte es bis auf einen Seitenflügel nieder, 1984 wurde der verbliebene Rest vollständig abgerissen. In den 1990er Jahren entstand das Haus nach historischen Vorlagen neu und wurde am 23. August 1997 wieder eröffnet. Heute wird das Adlon von der Luxushotelgruppe Kempinski betrieben.

Felix Adlon, Ururenkel des Gründers, reagierte zuletzt überrascht auf die Verkaufspläne. Mit dem aktuellen Betreiber zeigte sich der 59-Jährige zufrieden, wie er der „Süddeutschen Zeitung“ sagte. Kempinski führe das Hotel gut, und Jagdfeld habe das neue Adlon mit Stil und Klasse aufgebaut, lobte er. Am liebsten würde er das Hotel samt Namen jedoch selbst zurückerwerben. Mit Blick auf die Markenrechte sagte Adlon, er könne nicht einmal ein Stück Seife unter seinem Namen verkaufen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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