Zwei Vorfälle in kurzer Zeit auf derselben Bahn in München
Am Flughafen München hat es innerhalb von zwei Tagen gleich zwei ernste Zwischenfälle auf derselben Start- und Landebahn gegeben. Nach dem kritischen Start einer Boeing 787-9 von Vietnam Airlines setzte wenig später ein Airbus A380 der Lufthansa bei der Landung auf der Bahn 26L zu früh auf.
In beiden Fällen ermittelt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Nach Angaben der Behörde in Braunschweig dauern die Untersuchungen weiter an. Einen Termin für die Veröffentlichung eines Zwischenberichts nannte die BFU bislang nicht. Verletzt wurde bei keinem der beiden Vorfälle jemand.
Beinahe-Unglück beim Start
Beim Vorfall mit der vietnamesischen Boeing kamen nach Einschätzung von Fachleuten die rund 270 Passagiere und die Besatzung nur knapp mit dem Schrecken davon. Die Maschine startete nach Angaben der BFU am Samstag um 13.57 Uhr auf der Piste 26L und hob demnach verspätet ab.
Die Behörde schildert dazu weitere Details: Während der Rotationsphase berührte das Heck den Boden. Zudem wurden am Ende der Startbahn Reifenspuren entdeckt, die dem Dreamliner zugeordnet werden könnten. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass der Pilot die Nase des Flugzeugs anhob und die Maschine erst hinter dem eigentlichen Bahnende in einer Staubwolke gerade noch abhob. Dabei wurde die Befeuerung der Startbahn beschädigt.
Rund zwei Stunden später kehrte das Flugzeug nach München zurück und landete laut BFU um 15.58 Uhr auf der Piste 26R. Dabei war Qualm am Fahrwerk zu sehen, außerdem waren Reifen geplatzt. Verletzt wurde niemand.
Warum die Boeing nicht ausreichend beschleunigte, ist weiterhin unklar. Die Airline hatte kurz nach dem Ereignis von einem technischen Problem gesprochen.
BFU untersucht mit Stellen aus Vietnam und den USA
Die Experten der BFU werten derzeit die Flugschreiber der Boeing 787-9 aus. Nach Angaben der Behörde wird das Auslesen und die Analyse der Daten noch einige Zeit dauern. An der Untersuchung sind auch zuständige Stellen aus Vietnam und den USA beteiligt, dem Sitz des Herstellers Boeing.
Nach Angaben der BFU müssen noch weitere Fakten zu den Bereichen Mensch, Technik und organisatorische Einflussfaktoren ermittelt werden. Ein späterer Untersuchungsbericht soll die Fakten auswerten, Schlussfolgerungen ziehen und die Ursachen benennen. Zugleich betont die Behörde, dass ihre Arbeit der Verhütung ähnlicher Vorfälle dient – nicht der Klärung von Schuld, Haftung oder Ansprüchen.
Lufthansa-A380 setzte vor der Schwelle auf
Auch beim zweiten Vorfall entstand Schaden an der Beleuchtung der Bahn. Der mit 351 Menschen besetzte Airbus A380 der Lufthansa setzte am Montagabend in München auf der Landebahn 26L zu früh auf und beschädigte an der Landebahnschwelle die dort angebrachte Beleuchtung.
Laut Lufthansa landete die aus San Francisco kommende Maschine dennoch sicher in München, die Passagiere konnten das Flugzeug regulär verlassen. Nach Angaben des Flughafens wurden die beschädigten Lampen umgehend repariert, sodass die Südbahn bereits weniger als eine Stunde nach der Landung wieder nutzbar war.
Warum der A380 vor der Schwelle aufsetzte, ist derzeit noch offen. Auch dieser Vorfall wird nun von der BFU untersucht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber