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Musialas Blackouts: Was ist da los?

Zweimal bricht Musiala binnen Tagen benommen zusammen – jetzt nennt er eine kaum bekannte Ursache. Was steckt hinter „Absencen“?

19.08.2026, 02:41 Uhr

Musialas Absencen gelten als gut behandelbar – Experten sehen Rückkehr auf Topniveau als möglich

Nach zwei beunruhigenden Szenen innerhalb weniger Tage hat Jamal Musiala die Hintergründe seiner plötzlichen Aussetzer selbst benannt. Dabei verwendete der Nationalspieler den medizinischen Begriff Absencen. Das Wort stammt aus dem Französischen und lässt sich mit Abwesenheiten übersetzen. Genau so wirkten die kurzen Momente auf dem Spielfeld, in denen der 23-Jährige vorübergehend wie weggetreten erschien.

In den Partien des FC Bayern München gegen RB Leipzig und den 1. FC Heidenheim kam es bei Musiala jeweils für einige Sekunden zu kompletten Blackouts. Beim Spiel in Heidenheim brach er kurz zusammen, wurde auf dem Platz behandelt und konnte anschließend selbstständig vom Feld gehen. Danach machte Musiala öffentlich, dass er an Absencen leide, „welche auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind“. Diese träten nur kurzzeitig auf und seien gut behandelbar, schrieb er in den sozialen Netzwerken.

Absencen gelten als epileptische Anfälle

Absencen sind eine spezielle Form epileptischer Anfälle. Nach Angaben der amerikanischen Epilepsy Foundation treten sie besonders häufig bei Kindern zwischen 4 und 14 Jahren auf, können aber ebenso Jugendliche und Erwachsene betreffen. Gerade bei Kindern werden die meist nur wenige Sekunden dauernden Episoden oft mit Tagträumen oder Unaufmerksamkeit verwechselt. Deshalb fällt Außenstehenden häufig gar nicht auf, dass es sich um ein gesundheitliches Symptom handelt.

Während einer typischen Absence sind Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit vorübergehend eingeschränkt. Betroffene nehmen ihre Umgebung in diesem Moment kaum oder gar nicht wahr und reagieren meist nicht auf Ansprache. Mitunter rollen die Augen nach oben. Ist die Episode vorbei, kann die betroffene Person ihre Tätigkeit meist rasch wieder aufnehmen. In der Regel bleibt lediglich eine kurze Erinnerungslücke zurück.

Neben den typischen Formen gibt es auch atypische Absencen. Diese dauern länger, und ihr Beginn sowie ihr Ende verlaufen oft weniger plötzlich. Zudem können automatische Bewegungen auftreten, etwa an Fingern, Händen oder im Mundbereich.

Experten: Mit erfolgreicher Therapie ist Leistungssport möglich

Nach Einschätzung des Neurologen Peter Berlit können auch Spitzenathleten mit solchen Anfällen grundsätzlich wieder voll in ihren Sport zurückkehren. Der Professor und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie erklärte, dass sich etwa 80 bis 90 Prozent aller Betroffenen medikamentös behandeln lassen. Treten unter der Therapie keine Anfälle mehr auf, seien auch Profifußballer wieder voll einsatzfähig.

Allerdings müssen viele Patientinnen und Patienten Medikamente über Jahre einnehmen, manchmal sogar lebenslang. Entscheidend ist laut Berlit, dass die Mittel regelmäßig genommen werden und der Wirkspiegel stimmt. Dann seien Betroffene typischerweise auch vor weiteren Anfällen geschützt.

Sport, Stress und Lichtreize kommen als Auslöser infrage

Seit wann Musiala diese Absencen hat und wodurch sie ausgelöst wurden, ist nicht bekannt. Grundsätzlich können solche Anfälle auch ohne erkennbaren Anlass auftreten. Der Neurologe nannte aber mehrere mögliche Trigger: Dazu zählen etwa Hyperventilation bei intensiver körperlicher Belastung, Flickerlicht beziehungsweise starke Lichtreize sowie im weiteren Sinn auch Stress.

Die Betroffenen bemerken den Aussetzer oft nicht selbst

Nach Worten des Experten nehmen Betroffene die Absencen in der Akutsituation meist gar nicht bewusst wahr. Häufig merken sie erst danach, dass „irgendwas nicht gestimmt hat“. Wenn Absencen bereits im Kindes- oder Jugendalter beginnen, klingen sie oft im mittleren Erwachsenenalter wieder ab. Dann kann in manchen Fällen sogar die Medikation beendet werden. Tritt die Erkrankung erst später auf, ist meist eine längere Behandlung nötig.

Medikamente gelten nicht als Doping – Gehirn bleibt ungeschädigt

Berlit sieht durch die Medikamente grundsätzlich keinen Widerspruch zum Leistungssport. Zwar müsse immer individuell geschaut werden, wie gut ein Präparat vertragen werde. Es stünden aber verschiedene hochwirksame Mittel zur Verfügung, sodass sich in der Regel eine Therapie finden lasse, mit der auch Sport auf höchstem Niveau möglich sei. Zudem betonte er, dass das Risiko einer Einstufung dieser Medikamente als Doping nicht bestehe.

Auch für das Gehirn hätten Absencen nach seiner Darstellung keine bleibenden Folgen. Anders als bei schweren epileptischen Anfällen mit Sturz und Muskelzuckungen des ganzen Körpers komme es bei Absencen normalerweise nicht zu Hirnschäden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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