Europa muss nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich mehr tun, um Menschen vor den Folgen zunehmender Hitze zu schützen. WHO-Regionaldirektor Hans Kluge sagte in Berlin, Europa erwärme sich schneller als jeder andere Kontinent – mit tödlichen Folgen. In den vergangenen vier Jahren seien europaweit mehr als 200.000 Menschen an den Auswirkungen von Hitze gestorben. Hitze sei ein „stiller Killer“, viele Todesfälle ließen sich jedoch mit konsequent eingesetzten Schutzmaßnahmen verhindern. „Die Instrumente sind da – nun müssen wir sie auch nutzen“, betonte Kluge.
Beim deutschen Hitzeaktionstag in Berlin stellte Kluge gemeinsam mit Bundesumweltminister Carsten Schneider und Berlins Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (beide SPD) Maßnahmen zum Schutz vor extremer Hitze vor. Im Mittelpunkt stehen dabei ältere Menschen sowie weitere besonders gefährdete Gruppen.
Schneider: Hitzeschutz ist auch eine soziale Frage
Bundesumweltminister Schneider erklärte, die Folgen des Klimawandels seien weltweit und auch in Deutschland und Europa längst spürbar. Hitzeschutz sei deshalb nicht nur ein Umwelt- und Gesundheitsthema, sondern auch eine soziale Frage. Wer in stark aufgeheizten Wohnungen oder dicht bebauten Stadtvierteln lebe, habe oft nur begrenzte Möglichkeiten, sich gegen hohe Temperaturen zu schützen.
Als wichtige Gegenmaßnahmen nannte Schneider sinkende CO2-Emissionen und mehr natürliche Kühlung in Städten – etwa durch Bäume, Parks sowie intakte Flüsse, Wälder und Moore. Die Natur könne helfen, Hitzefolgen zu mindern, wenn sie ausreichend geschützt werde. Parallel dazu veröffentlichte die WHO einen aktualisierten Leitfaden, der unter anderem bessere Hitzewarnsysteme und eine klarere Kommunikation von Gesundheitsrisiken vorsieht.
Experten: Deutschland auf Extremhitze nicht ausreichend vorbereitet
Klimaexperten gehen davon aus, dass die fortschreitende Erderwärmung Hitzeperioden häufiger, intensiver und länger anhaltend macht. Besonders ältere Menschen, Kranke und andere Risikogruppen sind dadurch gefährdet. Nach WHO-Angaben führt extreme Hitze weltweit jedes Jahr zu mehr hitzebedingten Erkrankungen, gesundheitlichen Beschwerden und vorzeitigen Todesfällen. Hinzu kommen wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe.
Gesundheits- und Klimaexperten halten Deutschland bislang für unzureichend auf Extremhitze vorbereitet. Mehr als 150 Organisationen forderten zuletzt, Hitzeschutz systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu verankern. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte im Deutschlandfunk, Deutschland sei auf Krisenlagen nicht vorbereitet. Unter anderem müsse das Gesundheitswesen deutlich hitzeresilienter werden.
Für die Erstellung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen und Schutzmaßnahmen sind in Deutschland die Bundesländer und Kommunen zuständig. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums verfügen bislang sieben der 16 Länder über einen landesweiten Hitzeaktionsplan, ein weiteres arbeitet derzeit daran.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion