Wetter

Jetzt kippt die Hitzewelle ins Unwetter

Deutschland schwitzt weiter: Am Sonntag drohen bis zu 42 Grad – und nach der Rekordhitze könnten auch heftige Gewitter krachen.

28.06.2026, 04:54 Uhr

DWD meldet 41,7 Grad und Rekord-Tropennacht – Hitzewelle belastet Bahn, Straßen und Badeseen

Die Hitzewelle hat in Deutschland ihren Höhepunkt erreicht und erneut außergewöhnliche Messwerte gebracht. Nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurde nun den dritten Tag in Folge ein bundesweiter Temperaturrekord registriert. Der vorläufige Höchstwert von 41,7 Grad wurde am Sonntagnachmittag in Neißemünde im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree gemessen.

Zuvor war bereits am Samstag mit 41,5 Grad in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt ein neuer Höchstwert registriert worden. Am Freitag war der damalige Rekord zunächst in Saarbrücken-Burbach gefallen: Dort wurden erst 41,3 Grad gemessen, am Samstag um 15 Uhr dann 41,4 Grad, bevor Möckern-Drewitz und nun Neißemünde die Bestmarke weiter anhoben.

Der bisherige bundesweite Rekord hatte bei 41,2 Grad gelegen und war am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen gemessen worden.

Wärmste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen

Nicht nur tagsüber wurden neue Höchstwerte erreicht: Die Nacht zum Sonntag war nach vorläufigen DWD-Angaben auch die wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland. Im ostsächsischen Kubschütz sank die Temperatur nachts nicht unter 29,4 Grad.

Damit wurde der bisherige Rekord von 27,2 Grad deutlich übertroffen. Dieser war am 13. August 2003 am Berg Weinbiet in Rheinland-Pfalz gemessen worden.

Schwere Gewitter und Abkühlung zum Wochenstart

Im Laufe des Sonntags sollte sich die Hitzewelle weiter nach Osten verlagern. Der DWD warnte zugleich vor einer steigenden Gewitter- und Unwettergefahr. Vor allem im Osten, vereinzelt aber auch im Westen und im Süden, sind schwere Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel möglich.

Auch für die Nacht zum Montag kündigte der Wetterdienst teils schwere Gewitter an, die vor allem aus Westen und Südwesten über die Mitte bis in den Osten und Nordosten ziehen können.

Am Montag wird dann mit einer spürbaren Abkühlung gerechnet. Die Höchstwerte sollen meist nur noch zwischen 25 und 29 Grad liegen, lokal im Osten und Südosten sind noch bis zu 32 Grad möglich.

Bahn und Straßen leiden unter der Rekordhitze

Die anhaltende Hitze zeigt auch direkte Folgen im Alltag. Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen rieten am Wochenende von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. Zur Begründung hieß es, dass die Infrastruktur unter den extremen Temperaturen leidet.

Am Samstagabend strandeten zudem in der Prignitz in Brandenburg mehr als 600 Passagiere in einem Zug ohne Klimaanlage. Nach Angaben der Einsatzkräfte kamen drei Menschen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus. Ursache war ein Baum, der bei einem Sturm auf eine Oberleitung gefallen war.

Auch auf den Straßen kam es zu Problemen. Laut ADAC waren am Wochenende zahlreiche Autobahnen in mehreren Bundesländern von Sperrungen und Tempolimits betroffen. Vielerorts wölbte sich die Fahrbahn, weil sich der Beton in der Hitze ausdehnte.

Mindestens zehn Tote bei Badeunfällen

Seit Freitag starben nach den vorliegenden Angaben mindestens zehn Menschen bei Badeunfällen. In Berlin wurden am Samstag zwei Männer tot aus unterschiedlichen Gewässern geborgen. Ein 27-Jähriger ertrank im Neckar bei Heidelberg, ein 30-Jähriger in einem Badesee bei Neuhofen südlich von Mannheim. In Hessen wurde ein 40-Jähriger tot aus dem Waldsee Raunheim südwestlich von Frankfurt geborgen. Zudem ertrank ein sechsjähriger Junge im Rhein-Herne-Kanal in Herne.

Extreme Wetterlagen werden häufiger

Solche außergewöhnlichen Wetterlagen treten infolge der Klimakrise auch in Deutschland häufiger auf und dürften weiter zunehmen. Daten des DWD zeigen, dass die durchschnittliche Zahl der Tage mit mehr als 30 Grad hierzulande gestiegen ist.

Weltweit werden Hitzewellen durch den Klimawandel intensiver und wahrscheinlicher. Vor allem ältere und kranke Menschen sind dadurch gesundheitlich besonders gefährdet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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