Die Kirschernte in der Fränkischen Schweiz ist in vollem Gange. Gleichzeitig richtet sich der Blick vieler Erzeuger bereits auf die kommenden Jahre. Denn der Anbau der empfindlichen Früchte bleibt riskant: Spätfrost im Frühjahr oder Hagel im Frühsommer können eine gesamte Saison zunichtemachen. Hinzu kommen steigende Kosten, Konkurrenz aus dem Ausland und die Frage, wer die Betriebe künftig weiterführt.
Am Obstinformationszentrum des Landkreises Forchheim wird deshalb erprobt, wie der Kirschanbau widerstandsfähiger werden kann. Dort wurde vor Kurzem eine Agri-Photovoltaikanlage über Kirschbäumen aufgebaut.
Solaranlage liefert Strom und sammelt Regenwasser
Nach Angaben von Leiter Jonas Maußner deckt die Anlage derzeit den Strombedarf des Standorts mit Schulungsräumen und Büros. Charakteristisch ist ihre Y-förmige Bauweise: Niederschläge werden in einer Rinne gesammelt und in einen Speicher geleitet. Das aufgefangene Wasser dient anschließend zur Bewässerung der Bäume.
Die Solarmodule sind in etwa vier Metern Höhe angebracht. Unter ihnen sollen die Kirschbäume auf bis zu 3,50 Meter wachsen können. Durch die Bauweise werde außerdem verhindert, dass sich darunter zu viel Hitze staut.
Schutz vor Hagel, Starkregen und Sonnenbrand
Mit der Versuchsanlage wird untersucht, wie hoch die ideale Lichtdurchlässigkeit für Bäume und Früchte sein sollte. Dazu laufen direkte Messungen an den Pflanzen. Die Konstruktion bringt mehrere Vorteile mit sich: Hagel und Starkregen treffen Blätter und Früchte deutlich weniger, auch intensive Sonneneinstrahlung und damit Sonnenbrand an den Kirschen kann reduziert werden. Gleichzeitig entsteht Strom, ohne dass zusätzliche Flächen versiegelt werden müssen.

Bewässerung ohne Trinkwasser
Längere Trockenphasen machen die künstliche Bewässerung zunehmend wichtiger. In der Versuchsanlage wird dafür gesammeltes Regenwasser gezielt zu den Bäumen geleitet. Selbst in der aktuellen Trockenheit sei es deshalb nicht notwendig, auf Trinkwasser zurückzugreifen.
Maußner räumt allerdings ein, dass die Investition für viele Obstbaubetriebe zunächst hoch erscheint. Vor allem kleinere oder nebenberuflich geführte Höfe würden bei solchen Kosten genau hinschauen. Ziel des Projekts sei es daher vor allem, zu zeigen, welche technischen Möglichkeiten es gibt. Welche Lösung sich am Ende eigne, müsse jeder Betrieb individuell entscheiden. Klar sei jedoch: Wasserspeicherung und Bewässerung gehörten zu den zentralen Zukunftsfragen des Kirschanbaus in Franken.
Kirschen sollen Teil der Kulturlandschaft bleiben
Trotz aller Schwierigkeiten sieht Maußner gute Perspektiven für die Kirsche in der Region. Der Anbau sei ein wichtiger Bestandteil der fränkischen Kulturlandschaft. Gleichzeitig schreite die Modernisierung voran. So gebe es inzwischen auch Sorten mit späterer Blüte, die weniger anfällig für Spätfrost seien.
Drohnen als mögliches Werkzeug der Zukunft
Ein weiterer Ansatz für die Zukunft könnte der stärkere Einsatz von Drohnen sein. Beim Überfliegen der Plantagen ließen sich etwa Schädlinge frühzeitig erkennen. Pflanzenschutzmittel könnten dann gezielt nur dort eingesetzt werden, wo tatsächlich Bedarf besteht. Auch Fruchtgrößen, Blattzustand und viele andere Merkmale könnten auf diese Weise schnell erfasst werden.
Die Fränkische Schweiz zählt zu den bekanntesten Kirschregionen Deutschlands. Das Gebiet im Dreieck Bayreuth, Nürnberg und Forchheim gilt mit rund 250.000 Kirschbäumen auf 25 Quadratkilometern als eines der größten zusammenhängenden Kirschanbaugebiete Europas. Ein weiterer bedeutender Schwerpunkt des Anbaus in Bayern liegt in Unterfranken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber