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Handy statt Aufsicht? Bademeister warnen Eltern

Ein Blick aufs Handy im Freibad – und Sekunden später ist das Kind weg. Warum diese Unachtsamkeit im schlimmsten Fall tödlich endet.

05.07.2026, 04:00 Uhr

Handy-Ablenkung im Freibad kann für Kinder lebensgefährlich werden

Nicht nur auf dem Spielplatz, sondern auch im Schwimmbad sind viele Eltern häufig vom Smartphone abgelenkt. Für Kinder kann das dramatische Folgen haben, denn ein Ertrinkungsunfall passiert oft innerhalb weniger Sekunden und bleibt meist unbemerkt. Nach Angaben von Ralf Großmann, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister, können Bademeister nicht die persönliche Aufsicht für jedes einzelne Kind übernehmen. Diese Verantwortung liege auch im Freibad klar bei den Eltern.

Viele Schwimmbäder berichten, dass selbst sehr junge Kinder ohne direkte Begleitung der Eltern unterwegs sind. Im Kölner Stadionbad, dem größten Freibad der Stadt, müsse das Personal an warmen Wochenendtagen regelmäßig zehn bis 15 Kinder ohne erkennbare Aufsichtsperson ansprechen oder einsammeln, sagte Judith Jussenhofen vom Betreiber KölnBäder. Häufig seien die Kinder sogar im Wasser. Ihrer Einschätzung nach spielt dabei in den meisten Fällen die Nutzung des Handys eine entscheidende Rolle.

Eltern müssen selbst aufpassen

Jussenhofen betonte, ein öffentliches Schwimmbad sei keine Einrichtung, in der Kinder abgegeben werden könnten, während Eltern sich ausruhen. Auch aus Duisburg heißt es, dass Eltern im Ernstfall des Bades verwiesen werden, wenn sie ihre Aufsichtspflicht vernachlässigen und dadurch Kinder gefährdet werden. Ähnliche Regeln gelten laut Betreibern auch in anderen Städten.

Mit verschiedenen Kampagnen versuchen Bäder, auf die Gefahr aufmerksam zu machen. In Essen warnen Banner und Flyer davor, dass Kinder schon nach 20 Sekunden lautlos ertrinken können. Ergänzt werden diese Hinweise durch eindringliche Botschaften wie: „Papa, du warst mein Held. Bis dein Handy wichtiger war als ich.“ In Frankfurt richtet sich die Aktion „KleinNieAllein“ direkt an Eltern. Der Hamburger Betreiber Bäderland mahnt mit dem Satz: „Der Blick aufs Handy kann Ihrem Kind das Leben kosten.“ In Köln wird zusätzlich mit Plakaten, Lautsprecherdurchsagen und einem Maskottchen gearbeitet, das Familien vor Ort anspricht.

Kinder unterschätzen Gefahren im Wasser

Großmann erklärte, dass sich manche Eltern zunächst angegriffen fühlten, die meisten aber Verständnis für die Hinweise zeigten. Auch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft weist darauf hin, dass Wasser auf Kinder eine starke Anziehung ausübt. Gleichzeitig könnten sie die Folgen ihres Verhaltens noch nicht richtig einschätzen. Kinder handelten oft riskanter, unbedarfter und sorgloser.

Nach Angaben der DLRG kann Ertrinken bei kleinen Kindern sogar in sehr flachem Wasser geschehen. Deshalb müssten Kinder am und im Wasser jederzeit aufmerksam beobachtet werden. Die Verantwortung dafür bleibe immer bei den Erziehungspersonen bestehen – auch dann, wenn Bademeister vor Ort sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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